Di., 06.11.2018

Ahmadiyya-Gemeinde startet Informationskampagne im Kreis Herford Muslime bekennen sich zu Deutschland

Sultan Ahmad Tahir (Vorsitzender der Ahmadiyya-Gemeinde Herford), Imam Mustansar Ahmad und Pressesprecher Talhah Ahmad (von links) informierten im Stadtpark-Schützenhof über die Kampagne im Kreis Herford.

Sultan Ahmad Tahir (Vorsitzender der Ahmadiyya-Gemeinde Herford), Imam Mustansar Ahmad und Pressesprecher Talhah Ahmad (von links) informierten im Stadtpark-Schützenhof über die Kampagne im Kreis Herford. Foto: Peter Schelberg

Von Peter Schelberg

Herford (WB). »Wir sind alle Deutschland«: Unter diesem Motto startet die muslimische Ahmadiyya-Gemeinschaft eine Informationskampagne im Kreis Herford. Ziel sei, sich in Bürgergesprächen von Extremisten abzugrenzen und die Loyalität gegenüber dem deutschen Staat zu verdeutlichen.

»Liebe zum Land ein Teil des Glaubens«

Das betonten gestern in einem Pressegespräch der Vorsitzende der Gemeinde »Ahmadiyya Muslim Jamaat« (AMJ) in Herford, Sultan Ahmad Tahir, und Imam Mustansar Ahmad (Münster): »Angesichts des im Namen des Islam verübten unsäglichen Terrors fühlen wir uns als Muslime dazu verpflichtet, die Bevölkerung über unsere Heimatliebe und Loyalität gegenüber der Bundesrepublik Deutschland aufzuklären – dem Staat, in dem wir gemeinsam leben. Wir wollen darstellen, dass auch wir Teil dieses Landes sind.«

Die Liebe zum Land sei im Übrigen auch ein Teil des Glaubens: »Wir sehen es als unsere religiöse Pflicht an, unserem Land zu dienen und einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten«, sagte Imam Ahmad. Ahmadiyya-Muslime seien beispielsweise in der Bundeswehr und in der Wissenschaft tätig.

Mit ihren 45.000 Mitgliedern deutschlandweit sei die Glaubensgemeinschaft gut integriert und weise mit etwa 45 Prozent Hochschulreifequote ein hohes Bildungsniveau unter ihren Jugendlichen auf, hieß es.

In islamischen Ländern unterdrückt und verfolgt

Die 1889 in Indien gegründete AMJ werden als Reformbewegung im Islam in islamischen Ländern unterdrückt und verfolgt – insbesondere in Pakistan, sagte Ahmad. Er bedauere, dass der Islam in den Medien oft als gewalttätige Religion dargestellt werde. Berechtigt seien Ängste in der Bevölkerung allenfalls gegenüber »einer Minderheit derjenigen, die den Islam für ihre politischen Ziele missbrauchen und im Namen der Religion Gewalttaten verüben«.

Durch die bundesweite Kampagne wolle die AMJ dazu beitragen, dass in der Bevölkerung zwischen Muslimen und fanatischen Extremisten klar differenziert werde und es nicht aus Unkenntnis zu voreiligen Schuldzuweisungen oder Vorurteilen komme: »Das würde nur zur Spaltung der Gesellschaft beitragen und Extremisten in die Hände spielen.«

Flyer-Aktion startet am 24. November

Am Samstag, 24. November, will die Ahmadiyya-Gemeinde in allen neun Städten und Gemeinden im Kreis Herford eine Flyer-Aktion starten um auch an Info-Ständen Rede und Antwort zum Thema Islam stehen: »Wir wollen das Gespräch mit den Bürgern im Kreis Herford suchen und durch Information, Diskussionen und Bürgernähe Ängste und Vorurteile abbauen«, sagte Pressesprecher Talhah Ahmad. Weitere interreligiöse Info- und Dialogveranstaltungen seien ebenso geplant wie Blutspendetermine, Spendenläufe sowie Pflanzaktionen, bei denen mit Friedensbäumen ein Zeichen gesetzt werden solle.

Bau eines Gotteshauses in Herford weiterhin geplant

In Herford hält die Glaubensgemeinschaft an ihren Plänen fest, ein Gemeindezentrum bauen: »Wir suchen aber immer noch ein geeignetes Grundstück für ein Gotteshaus«, sagte Vorsitzender Tahir. Verhandlungen über einen Grundstücksankauf in der Maschstraße vor etwa drei Jahren hatten für öffentliche Diskussionen gesorgt und waren am Ende gescheitert.

Zurzeit behilft sich die AMJ-Gemeinde mit einem Provisorium und hält Gottesdienste und Veranstaltungen in einer angemieteten Halle in der Werrestraße ab.

Straßenputzaktion an Neujahr

Am Neujahrstag 2019 wollen die AMJ-Mitglieder in Herford – wie auch in den vergangenen Jahren – wieder zu ihrer Straßenputzaktion starten. Mit Müllsäcken, Besen und Kehrschaufel sammeln die Muslime dann in den Straßen der Herforder Innenstadt die ausgebrannten Überreste von Silvester-Raketen und Böllern auf – um auf diese Weise ihren Beitrag für ein sauberes Herford zu leisten.

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