Do., 08.11.2018

Herforder Verwaltung will Kosten für Zusatz-Programm umlegen Handel soll Sonntagsöffnung mitbezahlen

Straßentheater im Gehrenberg: Vor einigen Jahren zog ein Nikolaus auf Stelzen durch die pickepackevolle Innenstadt. Ohne zusätzliches Programm würden die verkaufsoffenen Dezember-Sonntage wahrscheinlich vom Gericht gekippt.

Straßentheater im Gehrenberg: Vor einigen Jahren zog ein Nikolaus auf Stelzen durch die pickepackevolle Innenstadt. Ohne zusätzliches Programm würden die verkaufsoffenen Dezember-Sonntage wahrscheinlich vom Gericht gekippt. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Die Verwaltung will die verkaufsoffenen Dezember-Sonntage in der City retten – mit einem Zusatz-Programm. Doch das kostet Geld. Der Preis für eine Bespielung der Plätze könnte anteilig auf den Handel umgelegt werden.

Programm kostet mittleren fünfstelligen Betrag

Derzeit wird nach Informationen dieser Zeitung im Rathaus an entsprechenden Plänen gefeilt. Ob und in welcher Form das neue Konzept umgesetzt wird, darüber sollen die Mitglieder des Rates in der Sondersitzung am Freitag, 16. November, entscheiden.

Wahrscheinlich ist, dass die Politiker den Vorschlag von Bürgermeister Tim Kähler nicht ohne Weiteres durchwinken. Erwartet wird eine kontroverse Debatte.

Knackpunkt wird wohl die Frage der Finanzierung sein. Immerhin soll es um einen mittleren fünfstelligen Betrag gehen – für zwei Nachmittage

Doch das zusätzliche Programm ist offenbar notwendig, weil Verdi schon angekündigt hatte, der Weihnachtsmarkt reiche nicht als Begründung für die Durchführung der verkaufsoffenen Sonntage aus.

Künstler sind bereits reserviert

Es muss aus Verdi-Sicht in Herford mehr geboten werden als Shopping-Erlebnis in Kombination mit Weihnachtsmarktbuden: sozusagen das gewisse Extra.

Denkbar sind Veranstaltungen wie Theater, Musik oder Zirkus. Am 9. Dezember liegt der thematische Bezug mitten in der Adventszeit nahe, am 30. Dezember dürften die Shows mit dem Jahreswechsel zu tun haben.

Sollte sich die Politik dazu entschließen, die verkaufsoffenen Sonntage trotz aller Hindernisse durchzuführen, wäre die Stadtmarketing-Gesellschaft vorbereitet.

Entsprechende Künstler sollen von der Pro Herford bereits für die beiden Termine geblockt worden sein. An den Kosten in Höhe von etwa 50.000 Euro inklusive Werbung sollen sich nach den Plänen der Pro Herford diejenigen beteiligen, die am meisten von den Zusatz-Öffnungen profitieren: die Geschäftsleute. Die müssten noch ihre Zustimmung geben. Ob dies juristisch haltbar ist, wird geprüft.

Wer soll wieviel bezahlen?

Nach welchem Schlüssel die Kosten umgelegt werden, also wer letztlich wie viel bezahlen soll, ist noch unklar. Sicher spielt die Größe des Ladenlokals eine gewichtige Rolle – sprich: Geschäfte wie beispielsweise Saturn, H&M und Klingenthal müssten demnach tiefer in die Tasche greifen als Arko, Hungeling und Otto.

Mehrmals hatte die Gewerkschaft – sie beruft sich auf die Sonntagsruhe – mit ihren Klagen Erfolg. Das Verwaltungsgericht Minden hatte zuletzt reihenweise Sonntagsöffnungen in OWL gekippt – auch in der Hansestadt. Im Oktober hatte die Verwaltung deshalb bereits die Außenbereiche abgekoppelt. Der Einzelhandelsverband hatte Verdi stark kritisiert.

Beginn der Ratssitzung ist um 16.30 Uhr. Die Sonntagsöffnungen sind der erste relevante Punkt auf der Tagesordnung.

Viele Geschäfte sind außen vor

Sollten die verkaufsoffenen Sonntage am 9. und 30. Dezember stattfinden, gehen etliche Geschäfte trotzdem leer aus – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Wie bereits im Oktober sind die Außenbereiche außen vor. Aber auch die Läden, die nur ein paar Gehminuten von der City entfernt sind, schauen in die Röhre. Neben den Outlets der Bekleidungsriesen Bugatti und Brax zählt auch das Marta-Viertel dazu.

Lerry’s-Chef Thomas Lehrich. Foto: Moritz Winde

Thomas Lehrich, Chef des Modehauses Lerry’s im Elsbachhaus, fragt: »Weshalb wird die Innenstadt auf den inneren Wall beschränkt? Es war immer die Rede davon, das Areal anzubinden. Und im gleichen Atemzug wird entschieden, es abzukoppeln. Das ist doch keine Gleichbehandlung.«

Lehrich sagt, die verkaufsoffenen Sonntage in der Adventszeit seien Tage mit außerordentlich hohem Umsatz. Als Unternehmer, der Verantwortung für seine Mitarbeiter trage, sei er ärgerlich und besorgt. Das Versäumnis sieht er bei der Landesregierung. »Es gibt keine eindeutige Rechtsgrundlage.«

 

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