Fr., 09.11.2018

Neues Buch: Rainer Pape präsentiert »Zeit-Bilder« von 1804 bis 1914 Als es in Herford eine Trinkerliste gab

Dr. Rainer Pape (92) gewährt in seinem Buch »Zeit-Bilder« Einblicke in die ernste, aber auch heitere Historie seiner Heimatstadt.

Dr. Rainer Pape (92) gewährt in seinem Buch »Zeit-Bilder« Einblicke in die ernste, aber auch heitere Historie seiner Heimatstadt. Foto: Peter Schelberg

Von Peter Schelberg

Herford (WB). Heute gibt es Alkohol-Verbotszonen in der Innenstadt – Anno 1884 versuchte Herfords Bürgermeister Ludwig Quentin, Trunksucht und Branntwein-Konsum in der Öffentlichkeit mit einer »Trinkerliste« einzudämmen: Das schildert der Herforder Historiker Dr. Rainer Pape in seinem neuen Buch »Zeit-Bilder«.

Auf 240 Seiten und mit 110 Abbildungen erhellt der 92-Jährige die weitgehend unbekannte Geschichte Herfords vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914: »Ich möchte mit den Zeit-Bildern Einblicke in diese Epoche geben«, sagt der frühere Leiter des städtischen Museums und des Stadtarchivs. Mit einer fesselnden Beschreibung der Verhältnisse von 1804 führt der Autor in das Geschehen jener Zeit ein.

Feier von König »Lustik«

Es folgt eine Schilderung des Endes der tausendjährigen Fürstabtei und des Todes der letzten Fürstäbtissin (1808). Die Geburtstagsfeier von König »Lustik« (Hieronymus Napoleon) von Westphalen in Herford während der Franzosenzeit (1806) wird ebenfalls beschrieben. Dass preußische Zöllner 1821 bis 1841 die Schmuggelei wertvoller Kolonialwaren an der Grenze zwischen Herford und Lippe bekämpften und dabei zwölf Flüchtende erschossen, erstaunt die Leser ebenso wie die kuriose Straßenordnung von 1827.

Sie erfahren, dass der Bürgermeister den Ärzten ins Handwerk pfuscht (1841) und wie der Bau der Eisenbahnlinie und der Station Herford abliefen (1847). Einblicke in das Revolutionsjahr 1848 gewährt die Biographie des Arztes, Revolutionärs und Dichters Hermann Schauenburg. Auch die Karriere des Tenors Fritz Vogelstrom wird beleuchtet.

Kein Schnaps an Trunkenbolde

Die umstrittene Polizei-Verordnung des Bürgermeisters von 1884 sah laut Pape übrigens vor, dass Branntwein und andere Spirituosen nicht an Personen abgegeben werden durften, die den Wirten von der Polizei als »Trunkenbolde« in einer vertraulichen Trinkerliste genannt wurden. Die Regelung sorgte zwar für »immer mehr böses Blut« in der Öffentlichkeit, wie das HERFORDER KREISBLATT seinerzeit vermeldete. Laut Verwaltungsbericht von 1887 war sie aber »augenscheinlich nicht ohne Erfolg«.

Am Montag, 12. November, wird Stadtführer Mathias Polster ab 19.30 Uhr das neue Pape-Werk im Rahmen einer Lesung in der Buchhandlung Otto vorstellen.

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