25 Jahre Imos AG in Herford: von der Forschung in den Weltmarkt
Küchenproduktion 4.0

Herford (WB). Was gestern noch unmöglich erschien, ist bei der Imos AG schon Realität: Die Kreativ-Schmiede an der Planckstraße entwickelt Software für den Möbel- und Innenausbau. Vor 25 Jahren als Ein-Mann-Betrieb gestartet, gehört die Aktiengesellschaft heute zu den Weltmarktführern.

Samstag, 17.11.2018, 16:00 Uhr aktualisiert: 19.11.2018, 17:06 Uhr
Schöne virtuelle Welt im neuen Technologie-Center: Mit einer speziellen Brille können sich Kunden durch die selbst geplante Küche bewegen. Per Mausklick geht die Bestellung dann zum Produzenten. Mitarbeiterin Tsvetina Daova zeigt, wie’s funktioniert. Foto: Moritz Winde
Schöne virtuelle Welt im neuen Technologie-Center: Mit einer speziellen Brille können sich Kunden durch die selbst geplante Küche bewegen. Per Mausklick geht die Bestellung dann zum Produzenten. Mitarbeiterin Tsvetina Daova zeigt, wie’s funktioniert. Foto: Moritz Winde

Eintauchen in den 3D-Entwurf

Der neueste Clou: Küchenproduktion 4.0. Und das geht so: Angenommen, Lisa möchte eine Küche kaufen, die sie in den Sozialen Medien entdeckt hat. Auf der Internetseite des Herstellers kann sie sich nicht nur verschiedene Modelle anschauen, sondern sie auch rundum betrachten – und zwar direkt im Browser, ohne eine Software zu installieren. Eine bestimmte Küche weckt Lisas Interesse. Sie nimmt Kontakt zur Firma auf.

Verkäufer Alex fragt per Chat, Telefon oder im persönlichen Gespräch nach Lisas individuellen Wünschen. Die setzt er in der Planung direkt um. Dank Virtual Reality kann sich Lisa mit einer speziellen Brille nun in dem 3D-Entwurf umschauen, alle Details betrachten und sogar ausprobieren. Lisa ist begeistert – und kauft die Küche.

Prof. Dr. Frank Prekwinkel gründete Imos vor 25 Jahren. Heute ist er Chef von 100 Mitarbeitern. Zum Vorstand gehört außerdem Winfried Dell.

Prof. Dr. Frank Prekwinkel gründete Imos vor 25 Jahren. Heute ist er Chef von 100 Mitarbeitern. Zum Vorstand gehört außerdem Winfried Dell. Foto: Moritz Winde

Die Bestellung kommt beim Produzenten an. Sämtliche Beschläge und Verbindungen sind im grafischen Aufbau bereits gesetzt, ebenso Bohrungen, Nuten und Fräsungen. Das Computerprogramm erzeugt automatisch die Fertigungsunterlagen. Diese können nun von den Maschinen abgearbeitet und Lisas Küche gefertigt werden.

Firmenname hat keine Bedeutung

Dank dieser speziellen Imos-Software können Küchenhersteller – anders als in Deutschland üblich – ihre Waren in der Direktvermarktung selbst vertreiben und sind nicht auf Showrooms oder Möbelhäuser angewiesen.

Das Programm verbindet die Konstruktion von Möbeln und Inneneinrichtungen inklusive Beschlägen der Möbelzulieferer zu einem durchgängigen Prozess – von der internetbasierten Raumplanung und Auftragserfassung über Kalkulation bis hin zur Steuerung aktueller CNC-Maschinen.

Prof. Dr. Frank Prekwinkel hob Imos – der Firmenname hat keine Bedeutung, soll nur gut klingen – 1993 aus der Taufe.

Vertrieb in 82 Länder

Der damals 30-Jährige forschte zu diesem Zeitpunkt an der TU Braunschweig. »Meine Idee aber war zu schade, nur in der Schublade zu liegen«, erinnert sich Prekwinkel.

Also wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit – und eroberte den Weltmarkt. Aus dem Schwerpunkt der CNC-Programmierung von Holzbearbeitungsmaschinen entwickelten die Experten eine Software, die die Prozesse im Möbel- und Innenausbau abbildete: Design, Rendering, Konstruktion, Stücklisten, Kalkulation, Fertigung, Montage.

Mittlerweile unterstützen 45 Partner weltweit Vertrieb und Service, in 82 Ländern und in 27 Sprachen ist Imos verfügbar.

Prekwinkel bleibt bescheiden. Sein Erfolgsrezept? »Hartnäckigkeit! Man muss an seine Sache glauben. Erfolg bedeutet fünf Schritte vor und vier zurück.«Umsatzzahlen will der 55-Jährige nicht verraten.

Trotz internationalem Ausbau soll der Hauptsitz der Imos AG in Herford Dreh- und Angelpunkt bleiben.

Trotz internationalem Ausbau soll der Hauptsitz der Imos AG in Herford Dreh- und Angelpunkt bleiben. Foto: Moritz Winde

 

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