Fr., 30.11.2018

Hendrik Single entwickelt Mehrweg-System – mit Video Dieser Mann kämpft gegen Pizza-Papp-Türme

Stapelweise Pizzakartons? Darauf hatte Hendrik Single keine Lust mehr. Deshalb hat der Herforder Jungunternehmer den »Pizzabow« entwickelt.

Stapelweise Pizzakartons? Darauf hatte Hendrik Single keine Lust mehr. Deshalb hat der Herforder Jungunternehmer den »Pizzabow« entwickelt. Foto: Jan Gruhn

Von Jan Gruhn

Herford (WB). Hendrik Single (26) hatte keine Lust mehr auf sperrige Pizzakartons, die den Hausmüll verstopfen. Deshalb hat er ein Mehrweg-System entwickelt, mit dem 55 Prozent der üblichen Pappmenge eingespart werden sollen.

Unter dem Namen »Pizzabow« vertreibt der Herforder seit Kurzem von der Firmenzentrale Am großen Stein 5 aus seine achteckigen, grünen Boxen. »Pizza ohne Papperlapapp«, lautet der Firmen-Claim. Der Clou: Statt eines ganzen Kartons kommt die Pizza auf einem dünnen Pappteller. Der wird wiederum in einer der stapelbaren Kunststoff-Schalen versenkt.

Alles zusammen kommt in den Isolier-Behälter des Lieferanten. Beim Kunden werden die Pizzen dann auf ihren Papptellern aus den Acht­ecken gehoben – und der Pizza-Bote nimmt die Schalen wieder mit. Dadurch würden Umweltressourcen geschont, zudem seien die Boxen vollständig recycelbar.

Testphase erfolgreich

»Ich bin im Internat groß geworden. Da haben wir häufiger Pizza bestellt«, sagt Single. Er erinnere sich noch gut daran, wie sich die Kartons damals hinterm Sofa stapelten. Da habe er sich das erste Mal Gedanken um das Thema gemacht.

Heute hat er einen Masterabschluss im Bereich Produktion und Management von der Hochschule OWL in Lemgo. Nachdem Single einige Prototypen ausprobiert hatte, gab’s Anfang des Jahres eine Testphase in einer örtlichen Pizzeria. »Geschätzt acht von zehn Kunden waren begeistert«, berichtet der Jungunternehmer. Das habe ihn darin bestärkt, die Idee zu verfolgen.

Die Kunststoff-Boxen werden beim Herforder Kunststoff-Spezialisten Singleplast hergestellt. Geschäftsführer Michael Single ist der Vater des Pizzabow-Erfinders. Die Papptabletts würden ebenfalls regional produziert, so dass auch hier die CO 2 -Belastung durch kurze Transportwege kaum ins Gewicht falle. »Im Gegensatz zum Transport im herkömmlichen Karton schmeckt die Pizza nicht mehr nach Pappe«, sagt Hendrik Single.

Trendthema Nachhaltigkeit

Die Boxen seien formstabil und lebensmittelecht, zudem seien sie leicht zu reinigen. Ein Patent habe er schon angemeldet. Zurzeit passen in die grünen Mehrweg-Behälter Pizzen mit maximal 28 Zentimeter im Durchmesser. Kommt sein Produkt an, könnte sich Single vorstellen, Varianten für Familienpizzen zu konzipieren.

Dass er mit seiner Idee den Zeitgeist trifft, zeigt die Debatte um kostenpflichtige Plastiktüten oder Wegwerf-Becher für Heißgetränke. »Einwegbecher sind böse, der Pfandbecher ist die Jutetasche von heute«, hieß es zum Beispiel beim Zeit-Magazin.

Single will Mitarbeiter einstellen

Ziel sei es, in den kommenden drei Jahren den OWL-Markt zu erobern. Bis dahin soll der Ein-Mann-Betrieb um zwei bis fünf Mitarbeiter wachsen. In Großstädten wie Berlin könnte dann der Durchbruch gelingen. Denn es seien vor allem junge, trendbewusste Mitzwanziger, die auf Nachhaltigkeit setzten, schätzt der Nachwuchsunternehmer.

Doch den Anfang macht Single, der später in ganz Europa liefern möchte, in Herford. Die Gastro-Betriebe Alanya und Park Grill & Pizza machen schon mit. »Jeder, der dieses Projekt unterstützen möchte, fragt bei seiner nächsten Pizzabestellung nach dem Pizzabow«, wirbt Single augenzwinkernd für sein Produkt. Denkbar sei sogar, dass Kunden, die regelmäßig beim gleichen Lieferdienst bestellen, ihre persönliche Box bekämen.

Kommentar

Es ist eine vielversprechende Idee, mit der Jungunternehmer Hendrik Single auf den Markt geht. Zudem ist der Zeitpunkt klug gewählt: »Nachhaltigkeit« gehört zurzeit zu den wichtigsten Themen in der Wirtschaft – auch über Branchengrenzen hinaus. Unternehmen haben erkannt, dass sie ein Schlüssel zur Kundenbindung sein kann. Wieso sollte das nicht für Pizza-Lieferdienste gelten?

Singles Ziel muss es sein, seinen Mehrweg-Pizzakarton möglichst schnell in urbanen Märkten zu etablieren. Doch dafür wird er in den nächsten Monaten viele Klinken putzen müssen. Jan Gruhn

Kommentare

Gute Idee, aber...

Wie soll das funktionieren?
Ich wohne im ersten Stock und gehe immer runter an die Tür wenn die Pizzen kommen.

Wenn ich die Pizzen unten aus den Behältern nehme kann ich sie ja auf der Treppe schlecht stapeln, wenn ich das ganze erst mit nach oben nehme steht der Fahrer unten doof vor der Tür und wartet und ich muss dann noch mal runter gehen um ihm die Behälter zu geben?

Und selbst im Erdgeschoss müsste ich ja erst alles mit zum Esstisch nehmen, dort auspacken und dann zurück zu dem wartenden Fahrer.

Die Idee an sich finde ich ja gut, aber praktikabel ist das in meinen Augen nicht. Rechnet man das mal hoch und der Fahrer wartet 3 Minuten pro Lieferung, dann sind das bei 30 Lieferungen am Tag 1,5 Stunden die er rumsteht. Und manche haben mehr als 30 Lieferungen.

Gute Idee, aber....

Hallo, grundsätzlich halte ich das für eine sehr gute Idee! Aber der Pizzabote muss dann natürlich in jede Wohnung gehen und quasi den Tisch decken. Ob ich das als Kunde will?! Wie sieht es mit den einzuhaltenden Hygienevorschriften aus? Der Pizzabote wird zum Entpacken wahrscheinlich nicht jedes mal neue Einmalhandschuhe tragen... Hygiene ist m. E. ein wichtiger Punkt, der nicht unberücksichtigt bleiben sollte.
Aber nochmals: Daumen hoch für die tolle Idee!

2 Kommentare

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