Fr., 07.12.2018

Brutkasten auf Wellteam-Hochregallager – Greifvogel war in NRW ausgestorben – mit Video Eine Wohnung für den Wanderfalken

Der erste künstliche Nistkasten für Wanderfalken – er ist der Vogel des Jahres 2018 – auf einem Firmendach in der Stadt Herford steht auf dem Wellteam-Hochregallager. Geschäftsführer Sieghard Schöneberg und Klaus Kernebeck vom Kreisumweltamt hoffen auf einen raschen Einzug.

Der erste künstliche Nistkasten für Wanderfalken – er ist der Vogel des Jahres 2018 – auf einem Firmendach in der Stadt Herford steht auf dem Wellteam-Hochregallager. Geschäftsführer Sieghard Schöneberg und Klaus Kernebeck vom Kreisumweltamt hoffen auf einen raschen Einzug. Foto: Montage/Patrick Sönel

Von Moritz Winde

Herford (WB). Wanderfalke, was willst du mehr? Auf dem Wellteam-Hochregallager in Diebrock steht nun ein Brutkasten für die Greifer.

Ihr neues Wohnzimmer liegt in 35 Metern Höhe. Ein Kran hievte die ein mal ein Meter große, von einer Behindertenwerkstatt angefertigte Holzbox im Nieselregen an Ort und Stelle. Vor Wind und Wetter und Bodenfeinden geschützt, können die Wanderfalken – sie sind die größten Vertreter der Falkenfamilie – in Zukunft über den Dächern des Herforder Industriegebiets ihre Jungen aufziehen.

Ein Herz für Tiere

Klaus Nottmeyer, Chef der Biologischen Station Ravensberg und Ornithologe, warnt jedoch vor zu hohen Erwartungen: »2000 haben wir auf dem Kraftwerk in Kirchlengern einen Brutkasten aufgestellt. Es hat 14 Jahre gedauert, bis die Falken kamen.« Sind Wanderfalken etwa wählerisch bei der Wahl ihrer Wohnung?

Wellteam-Geschäftsführer Sieghard Schöneberg hofft zumindest, dass er nicht so lange auf den ersten Einzug der hoch spezialisierten Jäger warten muss. Er sei von den Vögeln begeistert, ihre Hinterlassenschaften nehme er dabei gerne in Kauf. »Die Idee des Nistkastens hatte ich schon lange im Hinterkopf. Jetzt haben wir sie in die Tat umgesetzt«, sagt der 47-Jährige, der wie die ganze Familie schon immer ein Herz für Tiere hat. Er leitet nicht nur erfolgreich das Pappen-Unternehmen, sondern ist zudem Geschäftsführer des Herforder Tierparks. Zwei Tierpark-Mitarbeiter lassen sich zurzeit zum Falkner ausbilden – genug Fachwissen ist also vorhanden.

Bestand soll sich erholen

Der Wanderfalke war in NRW lange ausgestorben. »Bis in die 80er Jahre hinein gab es keine brütenden Wanderfalken. Hohe Belastungen durch das mittlerweile verbotene Insektizid DDT und Horstplünderungen hatten zu einem vollständigen Rückgang geführt«, sagt Klaus Kernebeck vom Kreisumweltamt.

Durch intensive Horstbewachung, Kontrollen und Brutstättenoptimierung konnte sich der Bestand in Deutschland wieder erholen. Klaus Kernebeck: »In NRW wurde die Brutsaison 2017 mit 230 Brutpaaren und über 400 Jungvögeln abgeschlossen. Das ist eine Erfolgsgeschichte in der Naturschutzarbeit.«

Auch im Kreis Herford soll sich der Bestand weiter entwickeln. Im Januar beginnt die Brutzeit, dann wird man sehen, ob ein Wanderfalken-Paar im Wellteam-Hotel eincheckt.

Natur- und Tierschützer sowie die Familie Schöneberg vor dem Brutkasten. Foto: Moritz Winde

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