Sa., 08.12.2018

Straßenmusiker nutzt Kuraufenthalt für Auftritte beim Weihnachtslicht Als er eine Herforderin zu Tränen rührte

Der Straßenmusiker, der sich Uwe Buxtehude nennt: In der Brüderstraße sorgt er mit seinem Kornett dafür, dass regelmäßig Passanten anhalten. Nach Auskunft des Herforder Ordnungsamtes braucht er dafür keine besondere Genehmigung.

Der Straßenmusiker, der sich Uwe Buxtehude nennt: In der Brüderstraße sorgt er mit seinem Kornett dafür, dass regelmäßig Passanten anhalten. Nach Auskunft des Herforder Ordnungsamtes braucht er dafür keine besondere Genehmigung. Foto: Jan Gruhn

Von Jan Gruhn

Herford (WB). Wenn dieser Mann in sein Instrument bläst, bleiben die Besucher des Herforder Weihnachtslichtes einen Augenblick stehen. Der eine oder andere wirft sogar eine Münze in die kleine Plastikschale.

Trompete gehört dem Sohn

Keine zehn Minuten sitzt Uwe Buxtehude, der eigentlich anders heißt, auf seinem Klapphocker vor dem Jahrhundertbrunnen. Schon klimpern die ersten Euros zu seinen Füßen.

Gefühlvoll intoniert er die Melodie von »Tochter Zion« auf seinem Kornett, einer Art kleinen Trompete, die eigentlich seinem Sohn Hannes gehört. »Ich spiele nicht einen Vers wie den anderen«, sagt der 53-Jährige.

Einmal klingen die Töne klar und eindeutig, dann wird’s jazzig, anschließend verfällt er ins Legato oder Staccato. »Mir soll schließlich nicht langweilig werden. Und meinen Zuhörern auch nicht.«

Seinen bürgerlichen Namen will er nicht verraten, als Straßenmusiker nenne er sich eben Buxtehude. Wegen eines Rückenleidens macht er derzeit eine Kur in Bad Salzuflen – und nutzt die Gelegenheit für einige Auftritte auf hiesigen Weihnachtsmärkten. Schon seit 1985 spielt er zwischen Glühweinbuden und Bratwurstständen, ist dabei ganz schön rumgekommen.

Los ging’s mit Mundharmonika und Gitarre in Genua. Später hat er sich als junger Student, da schon mit Trompete ausgerüstet, in München mit einem Polizisten angelegt – und wurde dafür kurzerhand abgeführt.

»Damals war ich respektlos. Das habe ich so nie wieder gemacht.« Später habe ihm einmal Horst Jankowski, ein bekannter deutscher Jazzpianist und Bandleader (RIAS Tanzorchester), einen Fünfer in den Hut geworfen. »Und ich habe ihn nicht mal erkannt. Das hat mir erst hinterher jemand mitgeteilt.«

Schon vor dem Weißen Haus gespielt

Musikalität liegt bei ihm in der Familie, erklärt der Straßenkünstler: Tochter Pia habe sogar ein absolutes Gehör. Im Sommer sei er in den USA gewesen. »Ich habe vor dem Madison Square Garden gespielt. Und auch vor dem Weißen Haus.«

Vor dem Weißen Haus spielte er – na klar – die amerikanische Nationalhymne. Foto: Jan Gruhn

Vor dem Sitz des amerikanischen Präsidenten habe er natürlich die US-Nationalhymne angestimmt – und anerkennende Worte von den Passanten geerntet. Und jetzt spielt er eben in Herford.

Laut Lothar Sobek, Chef des Ordnungsamtes, sind Musiker in der Innenstadt grundsätzlich gerne gesehen. Eine schriftliche Erlaubnis bräuchte es dafür nicht. »Doch die Kollegen der City-Wache achten darauf, ob sich Ladenbesitzer gestört fühlen«, erklärt Sobek.

Dann müssten Musiker sich in etwa 300 Meter Entfernung einen neuen Ort suchen. Mehr als eine Stunde an einem Fleck sei ohnehin nicht drin.

Größere Gruppen mit lauten Instrumenten würden schon mal des Platzes verwiesen. Besonders dann, wenn ihre Straßenmusik »gewerbsmäßig« erscheine, so Sobek. »Aber drei Schüler mit Blockflöte sind kein Problem.«

»Mir geht’s nicht ums Geld«

Der Höhepunkt für jeden Weihnachtsmarktmusiker, so erklärt es Buxtehude, sei Heiligabend. Dann kämen einige hundert Euro zusammen.

»Aber mir geht’s nicht so sehr ums Geld«, betont der hauptberufliche Verkaufsleiter. Einen Teil seiner Einnahme spende der gebürtige Schwabe – aber eigenen Worten zufolge eingefleischte Siebenbürger Sachse – an die Aktion Herzenspakete.

Seit 43 Jahren spielt er in Posaunenchören, weshalb für ihn der Leitspruch »Lobet ihn mit Posaunen« (Psalm 150, 3a) im Mittelpunkt stehe.

Und es seien diese Momente, in denen Menschen ihre Freude über seine Musik ausdrücken: In Herford habe eine Frau mit Tränen in den Augen vor ihm gestanden, als er »So nimm denn meine Hände« gespielt habe.

»Sie hat erzählt, dass ihr Mann letztes Jahr verstorben sei. Er habe sich zu seiner Beerdigung genau dieses Lied gewünscht.«

 

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