Sa., 08.12.2018

B61-Sperrung in Herford: Viele nutzen Anliegerstraße als Umleitung – Polizei verteilt Knöllchen Durchfahrt verboten!

Sind eigentlich nicht zu übersehen: die drei Durchfahrt-verboten-Schilder.

Sind eigentlich nicht zu übersehen: die drei Durchfahrt-verboten-Schilder. Foto: Moritz Winde

Von Daniel Salmon

Herford (WB). Wer darf fahren und wer nicht? Und vor allem bis wohin? Die Sperrung der Bielefelder Straße (B61) sorgt für Verwirrung. Viele missachten das Durchfahrtverbot am Hüchtenbrink. Dort hat die Polizei in dieser Woche 65 Knöllchen verteilt.

Alle Zufahrten versperrt

Die marode Bundesstraße wird derzeit saniert (Gesamtkosten: rund 1,3 Millionen Euro). Am Montag rückten die Arbeitstrupps samt schwerer Maschinen an. Der finale Bauabschnitt der B61 ist 2,2 Kilometer lang. Er liegt zwischen der Kreuzung Elsener Straße/Kerkmannstraße in Bielefeld und der Einmündung Am Hüchtenbrink/Hollinder Weg in Herford-Stedefreund.

Am Hüchtenbrink darf nur von Anliegern befahren werden. Foto: Moritz Winde

Gearbeitet wird unter Vollsperrung. Allerdings sollen die direkten Anwohner der Bielefelder Straße und der Siedlungen, die nur über die B61 erreichbar sind (Hohengarten, Dehnkenbrede), ihre Grundstücke auch mit dem Auto erreichen können.

Zumindest in der Theorie. Denn in der Regel sind alle Zufahrten (die B61 aus Richtung Bielefeld und Herford, Schachtsiek, Am Hüchtenbrink) mit Absperrbaken und »Durchfahrt verboten«-Schildern versperrt. Das sorgt für Irritationen.

Beschwerden der Anwohner

Aufklärung betreibt Tobias Brauer, zuständiger Bauleiter der Firma Kemna, die vom Landesbetrieb Straßen NRW mit der Sanierung beauftragt wurde. »Die Anwohner dürfen sich die Zäune zur Seite schieben, um durchzufahren. Leute abstellen können wir dafür nicht. Und wenn wir komplett aufmachen, rollt der ganze Durchgangsverkehr da durch.« Kommuniziert wurde diese Lösung über Straßen NRW direkt jedoch nicht.

Und über besagten »Durchgangsverkehr« hatten sich Anfang der Woche auch Anwohner des Hüchtenbrinks bei der Polizei beschwert. Denn zahlreiche Auto- und Lastwagenfahrer, die Richtung Bielefeld wollen, ignorieren die Verbots-Beschilderung. »Daher haben wir am Dienstag begonnen, das Verbot der Durchfahrt am Hüchtenbrink zu überwachen. Wir wollen so die Verkehrsbelastung für die Anwohner so gering wie möglich halten«, sagt Polizeisprecher Uwe Maser.

Die empfohlene Umleitung, auch für die Stedefreunder, würde über die Laarer Straße führen. Ausgenommen ist laut der Polizei nur der reine Anliegerverkehr der B61 und des Hüchtenbrinks.

Polizei will weiter kontrollieren

Allerdings: Auch Anwohner der B61 wurden bei der Einfahrt auf den Hüchtenbrink anscheinend zur Kasse gebeten. »Ich kam von Hollinder Weg auf den Hüchtenbrink in die Polizeikontrolle«, schildert Judith Lubitzki, die an der Dehnkenbrede – also mitten in der Baustelle – wohnt.

Kommissarin Katja Aufderheide im Gespräch mit einer angehaltenen Autofahrerin. Foto: Winde

»Ich wurde angehalten und habe dann gesagt, ich wäre Anliegerin der B61 und wollte mein Auto im Hüchtenbrink abstellen, weil ich ja über die B61 wegen der Absperrung nicht dahin komme«, so die Stedefreunderin, die trotzdem ein Ordnungsgeld in Höhe von 20 Euro zahlen musste.

»Der Polizist sagte, ich hätte über die Straße In der Landwehr, also eine Einmündung weiter, auf den Hüchtenbrink fahren müssen. Und das wäre dann erlaubt gewesen, weil dort nicht nur Anlieger rein dürfen.«

Unterdessen hat die Polizei weitere Kontrollen in Stedefreund angekündigt.

Probleme beim Busverkehr

Auch beim Busverkehr ist es durch die Sperrung zu Missverständnissen gekommen. Denn die Stedefreunder Haltestellen einer Buslinie, die viele Schüler nutzen, die nach Herford müssen, wurden Montag- und Dienstagfrüh nicht bedient. Die Kinder blieben stehen und mussten von ihren Eltern zur Schule gebracht werden.

»Die BVO wusste eigentlich Bescheid, dass wir an einer Straße ein Sackgassenschild aufstellen, damit niemand versucht auf die B61 zu kommen. Busse dürfen da aber lang«, sagt Johanning. Ein Busfahrer hätte das wohl nicht mitbekommen.

Laut Plan – und wenn das Wetter mitspielt – soll auf der Strecke am kommenden Montag der Asphalt aufgetragen werden, damit die gesamte Baumaßnahme am 14. Dezember abgeschlossen werden kann. »Während dieser Zeit sollten dann auch die Anlieger tagsüber ihre Grundstücke nicht über die B61 anfahren«, sagt Bauleiter Brauer. In Notfällen sind Ausnahmeregelungen vereinbart: zum Beispiel für einen Mann, der regelmäßig zur Dialyse muss.

Mit Blick auf die Müllabholung am Montag sagt Brauer, dass die Anlieger ihre Tonnen vor ihre Grundstücke stellen können. Der Müllwagen dürfe die Baustelle passieren.

Ein Kommentar von Moritz Winde

Aufgebrachte Autofahrer hier, pflichtbewusste Polizisten da: zwei Seiten, die nicht zusammen passen können. Das liegt in der Natur der Sache.

Natürlich ist der Frust der Pendler nachvollziehbar. Wer zahlt schon gern 20 Euro? Den Beamten aber Abzocke vorzuwerfen oder sie mit Sprüchen wie »Braucht ihr wieder Weihnachtsgeld?« zu beleidigen, geht gar nicht. Sie machen ihren Job.

Die Kontrollen sind zudem nicht nur bekannt, sondern schon von Weitem sichtbar. Wer trotzdem die drei Einbahnstraßenschilder übersieht oder ignoriert, ist selbst Schuld – so bitter es ist.

Und außerdem: Der Hüchtenbrink ist eine Anliegerstraße und keine Abkürzung.

Die Polizei winkt die Autofahrer reihenweise rechts ran – und verlangt von jedem 20 Euro Ordnungsgeld. Foto: Moritz Winde

 

 

 

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