So., 23.12.2018

Segelflieger vom Training in Namibia zurück Schnelle Streckenflüge am Rand der Wüste

Herford (WB). Jens Böske (45), Geschäftsführer des Herforder Vereins für Luftfahrt (HVfL), ist seit gut einer Woche wieder zurück im winterlichen Ostwestfalen. Aber wenn er von seinen Erlebnissen in Namibia erzählt, weicht das Grinsen nicht mehr aus seinem Gesicht.

Zusammen mit seinem Fliegerfreund Andreas Hillebrand von der Leistungsfluggemeinschaft Lippe verbrachte er zwei Wochen Trainingsurlaub auf dem Flugplatz des »Bitterwasser Lodge & Flying Centre« in Namibia. Dort, etwa 180 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Windhoek, ist jetzt Sommer mit Tagestemperaturen um 35 Grad Celsius – und Haupt-Flugsaison.

So schnell wie nie zuvor

Auf einer gecharterten Maschine vom Typ Schleicher ASG-32 Mi erflogen sich beide Piloten innerhalb von 50 Flugstunden mehr als 6000 Streckenkilometer über nahezu menschenleeren Landschaften am Rande der Namib-Wüste. Darunter waren zwei Flüge, die jeweils über 1000 Kilometer reichten, zwei weitere lagen mit 900 und 950 knapp unter der für Segelflieger magischen Marke.

Bei einem Flug am 4. Dezember gelang es dem Team aus OWL, in 150 Minuten 502,89 Kilometer zurückzulegen. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 201,16 Stundenkilometern, geflogen mit einem Segelflugzeug. »So schnell war ich auf einem Streckenflug noch nie unterwegs«, berichtet Böske.

Das Pilotenherz jubelt

Am heimatlichen Flugplatz Oerlinghausen gibt es nur wenige Tage, an denen solch große Strecken und Geschwindigkeiten geflogen werden können. In Namibia sind sie von November bis Februar fast schon Normalität. Während in OWL das Pilotenherz schon bei Steigwerten von fünf Metern pro Sekunde in der Thermik jubelt, beginnt der Spaß in Afrika da gerade erst, heißt es von den Fliegern. Die Instrumente im Cockpit der ASG-32 Mi zeigten mehrmals Werte von 12 Metern Steigen pro Sekunde und mehr.

Diese perfekten Bedingungen ergeben sich bereits am frühen Vormittag, wenn sich die ersten kleinen Cumulus-Wolken bilden, die im weiteren Tagesverlauf zu Wolkenstraßen anwachsen. Darin bilden sich oft kleine, aber heftige Gewitterschauer, die geschickt umflogen werden wollen. Segelflug in Namibia spielt sich in größeren Höhen ab. In bis zu 5000 Metern gleiten die Flugzeuge mit Geschwindigkeiten dahin.

Fasziniert vom Abenteuer

Jens Böske, der seit 31 Jahren als Segelflieger im Cockpit sitzt und unter anderem an Qualifikationen zur Deutschen Meisterschaft teilnimmt, ist fasziniert von den fliegerischen Abenteuern in Afrika. Für den seltenen Fall, dass sie eine Außenlandung machen müssen, tragen die Piloten Notfallsender am Fallschirm, der es Helfern erleichtert, die irgendwo im Nirgendwo gestrandeten Flieger zu finden. Denn Handys funktionieren dort fast nirgends.

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