Mi., 26.12.2018

Herforder haben in diesem Jahr der bedeutenden Äbtissin gedacht Vor 400 Jahren: Elisabeth von der Pfalz wurde am 26. Dezember geboren

Kupferstich der Familie des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz: Das große Mädchen ganz rechts stellt Elisabeth dar. Der Kurfürst ging als »Winterkönig« in die Geschichtsbücher ein.

Kupferstich der Familie des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz: Das große Mädchen ganz rechts stellt Elisabeth dar. Der Kurfürst ging als »Winterkönig« in die Geschichtsbücher ein.

Von Hartmut Horstmann

Herford (WB). 400 Jahre Elisabeth von der Pfalz: Mit hochkarätigen Veranstaltungen haben die Herforder ihrer bedeutenden Äbtissin bereits gedacht. Dabei ist ihr Geburtstagstermin noch gar nicht vorbei. Denn geboren wurde sie am 26. Dezember 1618.

Dass sich die festliche Weihnachtsstimmung damals in Grenzen gehalten haben dürfte, ergibt sich aus dem Jahr der Geburt. Im Mai 1618 löste der Prager Fenstersturz einen Krieg aus, der 30 Jahre dauern sollte. In diesem Krieg spielte auch der Vater Elisabeths eine Rolle. Im Jahr 1619 wurde Kurfürst Friedrich von der Pfalz als Kandidat der böhmischen Stände zum König von Böhmen gewählt.

Friedrich wird zum »Winterkönig«

Doch bereits ein Jahr später war die Herrscherzeit vorbei. Nach einer Niederlage gegen die kaiserlichen Truppen in der Schlacht am weißen Berge bei Prag verlor die Familie Böhmen, die Pfalz und die Kurwürde. Friedrich geht als »Winterkönig« in die Geschichtsbücher ein – was folgt, ist die Zeit im Exil.

Für Elisabeth, die in Heidelberg zur Welt kam, bedeutete dies, dass sie an verschiedenen Orten aufwuchs. Mit ihrer Großmutter lebte sie anfangs in Berlin am Hof des Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg. Als sie zehn Jahre alt war, kam Elisabeth nach Den Haag an den Exil-Hof ihrer Eltern.

Holland galt als fortschrittliches Land. Die Umgebung und die Tatsache, dass sie am Hof ihrer Eltern aufgeklärte Zeitgenossen wie den Philosophen René Descartes kennenlernte, haben ihre Entwicklung maßgeblich geprägt.

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Insbesondere den älteren, bereits heiratsfähigen Töchtern blieb eine standesgemäße Heirat versagt.

Dr. Teresa Schröder-Stapper

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Trotz aller Verbindung zum Hochadel wirkte sich der Verlust der Kurwürde und der Territorien auf die Anerkennung der Familie aus. Dr. Teresa Schröder-Stapper schreibt in einer Broschüre: »Insbesondere den älteren, bereits heiratsfähigen Töchtern blieb eine standesgemäße Heirat versagt.«

Daher die geistliche Laufbahn: Als Elisabeth 1661 als Koadjutorin (vorgesehene Nachfolgerin der Äbtissin) in Herford anfing, war sie 43 Jahre alt. Von 1667 bis zu ihrem Tod im Jahr 1680 leitete sie als Äbtissin das Frauenstift. Für die Museumsleiterin Sonja Langkafel war Elisabeth die »bedeutendste Äbtissin der Frühen Neuzeit«. Um ihr intellektuelles Format herauszustellen, standen in der diesjährigen Museumsausstellung über die Äbtissin ihre Korrespondenzen im Mittelpunkt .

Briefwechsel mit Descartes

So pflegte sie Briefwechsel mit berühmten Zeitgenossen wie Descartes oder Leibniz. Dass sie sich nicht nur über ihre Briefpartner definiert, sondern auch als eigenständige Denkerin anzusehen ist, ist dabei eine Erkenntnis, die sich zunehmend durchsetzt.

Wolfgang Knorr schuf diese Elisabeth-Büste. Foto: Hartmut Horstmann

Als Äbtissin gewährte die Frau aus dem europäischen Hochadel damals verfolgten religiösen Gruppen der Labadisten und Quäker Asyl. Ihr Name steht bis heute für Toleranz. Der Herforder Historiker Dr. Rainer Pape schreibt: »Sie gehört neben Königin Mathilde und der Äbtissin Gertrud II. zur Lippe zu den drei großen Frauengestalten, die im Reichsstift Herford gelebt und gewirkt haben.«

Das Grab der Äbtissin befindet sich in der Münsterkirche. Eine Büste, die an der Elisabethstraße an sie erinnert, schuf der Bildhauer Wolfgang Knorr.

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