Do., 10.01.2019

Warsteiner wächst und will Tochter nicht mehr um jeden Preis verkaufen Garantien für Herforder Brauerei

Blick in die Brauerei in Herford.

Blick in die Brauerei in Herford. Foto: Moritz Winde

Von Oliver Horst

Herford (WB). Gute Nachrichten für die rund 100 Mitarbeiter der Herforder Brauerei. Zwar setzt die Warsteiner-Gruppe die vor einem Jahr gestartete Suche nach einem Partner oder Käufer für die Tochter fort. Einen möglichen Verkauf knüpft das Unternehmen nun aber an zwei Bedingungen: eine Standortgarantie und die Fortführung des Vertriebs der Biermarke im Kerngebiet.

Die Entscheidung über die Zukunft der 2007 von Warsteiner übernommenen Brauerei soll im ersten Halbjahr fallen, sagte am Mittwoch Warsteiner-Pressesprecherin Sinje Vogelsang. »Wir führen derzeit intensive Gespräche mit mehreren Interessenten.« Ob Kooperation oder Verkauf – beide Lösungen seien weiterhin möglich. Als ein Kandidat gilt in der Branche der Handelsriese Edeka, in dessen Auftrag Herforder Bier braut.

Zuletzt hatten sich die Signale verstärkt, dass sich die Position von Herforder verbessert hat. So war nicht nur der Sponsoringvertrag mit Handball-Bundesligist TBV Lemgo verlängert worden. Warsteiner hatte auch Investitionen angekündigt. Und Herforder bildet derzeit so viele Brauer und Mälzer aus wie nie zuvor. Detail am Rande: Der im Herbst inthronisierte Sprecher der Warsteiner-Geschäftsführung, Christian Gieselmann, stammt aus Herford.

Geschäftlich hat sich das vergangene Jahr für die Herforder Brauerei zweigeteilt entwickelt, sagt Vogelsang. »Bei Pils war der Absatz infolge einer Preiserhöhung leicht rückläufig. Bei den Spezialbieren war die Entwicklung dagegen sehr positiv.« Ein deutliches Plus beim 2017 eingeführten naturtrüben Landbier habe Herforder einen Marktanteil in dem Segment im Kerngebiet OWL von 13 Prozent verschafft.

Zur Warsteiner-Gruppe gehört seit 1990 auch die Paderborner Brauerei. Die Billigmarke – Marktführer im deutschen Tankstellenverkauf – habe sich im intensiven Wettbewerb gut behauptet und den Absatz stabil gehalten. Bei der Halbliter-Dose gebe es sogar Zuwächse. Die Exportsorte habe sich dagegen dem Negativtrend nicht entziehen können. Zweistellige Zuwachsraten gab es derweil beim Absatz des naturtrüben Landbiers »Paderborner Pilger«. Mit einem Marktanteil von 30 Prozent ist es in NRW führend.

Derweil hat die Muttermarke Warsteiner 2018 erstmals seit Jahren ein kräftiges Absatzplus von 5,3 Prozent erzielt, in Deutschland sogar von 6,8 Prozent. Absolute Zahlen nannte das Unternehmen gestern nicht – auch nicht zum Markenumsatz. Der nationale Biermarkt ist nach Branchenschätzungen um 1,5 bis 2 Prozent gewachsen. Zum Plus von Warsteiner dürfte neben einer Offensive mit neuen Bierkästen und neuer Werbung beigetragen haben, dass die Marke im Gegensatz zu vielen Konkurrenten die Preise erst dieses Jahr anheben will.

Anfang der 1990er Jahre war Warsteiner Deutschlands größte Biermarke. Das Branchenblatt »Inside« sieht die Marke heute auf Platz sieben. Der Marktanteil bei Pils und herbem Bier von Warsteiner ist Marktforschern zufolge 2018 von 4,1 auf 4,5 Prozent gestiegen, bei alkoholfreien Bieren von 5,1 auf 5,8 Prozent. Den Umsatz der Gruppe mit 1100 Mitarbeitern beziffert Vogelsang auf mehr als 400 Millionen Euro. 2014 wurden noch 524 Millionen umgesetzt – seither hat das Familienunternehmen aber auch Teile verkauft.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6308754?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F