So., 13.01.2019

Walter Sittler liest Texte des Kabarettisten Dieter Hildebrandt Ein Meister der spitzen Feder

Walter Sittler hat Texte zumsit aus dem Buch »Letzte Ausgabe« des Kabarettisten Dieter Hildebrandt im Herforder Stadttheater gelesen.

Walter Sittler hat Texte zumsit aus dem Buch »Letzte Ausgabe« des Kabarettisten Dieter Hildebrandt im Herforder Stadttheater gelesen. Foto: Helga Ruß

Von Helga Ruß

Herford (WB). Mit Texten von Dieter Hildebrandt, dem berühmten, 2013 verstorbenen Kabarettisten und Satiriker, gestaltete Schauspieler Walter Sittler am Freitagabend einen anregenden Abend im gut besuchten Herforder Stadttheater.

Dabei bezog sich Sittler hauptsächlich auf das Buch »Letzte Zugabe«, das nach Hildebrandts letzten Aufzeichnungen posthum herausgegeben wurde und das ein Sammelsurium an Alltagsnotizen, Gedankenblitzen, politischen Anspielungen und ironisch-witzigen Kommentaren bietet. Hildebrandt sieht das Groteske im Alltäglichen, wenn er etwa eine bayerische Definition des Begriffs »Bahnhof« in einem hirnrissigen Beamtendeutsch zitiert.

Schmiergeldaffären, Geldwäsche und Steueroasen

Er sieht das Unzulängliche im Politischen, wenn es um vertuschte Schmiergeldaffären, Geldwäsche und Steueroasen geht und hält auch gleich einen Witz parat: »Sagt ein Euro zum anderen: Du riechst so komisch, wasch Dich mal.« Er verfasst eine herrliche Glosse zu Karl Theodor zu Guttenberg, der keine Zeit hatte, seine Doktorarbeit selber zu schreiben und nicht einmal Zeit fand, sie nach der »Fremdhilfe« zu lesen. Hätte er, meint Hildebrandt, dann wäre ihm aufgefallen, dass sie nicht von ihm ist. Eine bekannte, irrwitzige Parodie schrieb der Kabarettist auf Helmut Kohl, der das Lied »Der Mond ist aufgegangen« im Kohl’schen Duktus rezitiert. Ebenso genial die fiktive Abschiedsrede des leidenschaftlichen, bärbeißigen Hebert Wehner, die in dem Satz mündet »Ich hoffe, das Hohe Haus verzeiht mir meine Leidenschaft, ich hätte Ihnen die Ihre auch gerne verziehen.«

Zum Wutbürger mutiert Hildebrandt, wenn es um rechtes Gedankengut geht; doch er leitet seine Wut in die – manchmal schwarzen – Kanäle des Humors um und persifliert zum Beispiel einen Leiter des Obersalzbergs, der meint, »Adolf Hitler ist kommerziell noch gar nicht richtig ausgeschöpft. Ein Kinofilm; ein Musical, das würde jungen Leuten gefallen«. Ach ja, unsere Gesellschaft. Da beobachtet Hildebrandt, wie das Publikum bei Florian Silbereisen oder Cindy von Marzan euphorisch jubelt, emotionsgeladen die Arme schwenkt, und dann denkt er sich: »Oh Mein Gott, die wollen ja alle wählen!«

Sport darf nicht fehlen

Ungerechtes schmerzt ihn im Sozialen: Da zieht in einer Hartz-IV-Familie ein Kind aus und nun ist ein Zimmer zu viel. Flugs wird es einfach von den Behörden abgeschlossen. »Da fasst man sich an den Kopf und greift ins Leere.«

Natürlich darf der Sport nicht fehlen. Walter Sittler, der mit Leidenschaft und Spaß bei der Sache ist, untermalt schauspielerisch Hildebrandts humorige Einlassungen über monotones Skispringen, Ski-Schießen oder Formel 1 -Rennen. Ein vergnüglicher, aber auch nachdenklich stimmender Abend.

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