Sa., 19.01.2019

»Herforder für Herford«: Branko Kreinz sieht sich Hasskommentaren im Netz ausgesetzt »Vielleicht schmeiße ich hin«

Branko Kreinz wuchs in einem slowenischen Heim auf. »Dort wurde ich geschlagen.«

Branko Kreinz wuchs in einem slowenischen Heim auf. »Dort wurde ich geschlagen.« Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Seit zehn Jahren hilft Branko Kreinz mit seinem Projekt »Herforder für Herford« ehrenamtlich Kindern in Not. Doch damit könnte bald Schluss sein. »Ich bin kurz davor, alles hinzuschmeißen. Ich will mich nicht länger im Internet beschimpfen lassen«, sagt der 45-Jährige.

In der letzten Zeit hätten sich die Hasskommentare gehäuft. »Da wird mir zum Beispiel vorgeworfen, ich würde einer Familie einen Trockner vermitteln, obwohl sie diesen doch vom Amt bekomme. Leider hat dies nichts mit seriöser Kritik zu tun, sondern ich werde persönlich angegriffen und beleidigt. Das lasse ich mir nicht mehr gefallen.«

Die Aggressivität der Anfeindungen, sagt Branko Kreinz, mache ihn traurig. Sein Antrieb sei immer gewesen, armen Kindern etwas Gutes zu tun. Der Möbeltischler fungiert als Vermittler. Er sammelt Sachspenden wie Lebensmittel, Spielzeug, Kleidung oder Schulsachen und reicht diese an bedürftige Mädchen und Jungen in der Region weiter.

Erstmals Liebe im Bernhard-Heising-Haus erfahren

Regelmäßig organisiert er Sammeltermine. An diesem Samstag ist er wieder im Einsatz, steht am Kaufland in der Werrestraße. Er ist bereit, einen großen Teil seiner Freizeit und nach eigenen Angaben jeden Monat mehrere hundert Euro zu investieren.

Branko Kreinz weiß aus eigener Erfahrung, wie sich eine schlimme Kindheit anfühlt. Von seinem 6. bis zum 15. Lebensjahr wuchs er in einem slowenischen Heim auf. »Dort wurden wir häufig verprügelt. Es gab kaum etwas zu essen. Ich hatte oft Hunger«, erinnert sich der Messdienerleiter und Kommunionshelfer. Diese miserablen Zustände seien der Auslöser für seine epileptischen Anfälle gewesen, unter denen er lange gelitten habe.

1988 kam er nach Herford ins Bernhard-Heising-Haus. »Dort habe ich eine ganz andere Welt kennengelernt. Ich wusste nicht, dass Menschen auch liebevoll sein können. Hätte ich diese Hilfe damals nicht bekommen, ich wäre sicher auf die schiefe Bahn geraten.«

Auszeichnung mit Ehrenamtspreis

Seine Erlebnisse hätten ihn im Jahr 2009 dazu bewogen, sich für benachteiligte Kinder einzusetzen. Seit 2015 trägt seine Initiative den Namen »Herforder für Herford«, im Jahr 2017 zeichnete ihn die Stadt als »Vorbild im Ehrenamt« aus. Bürgermeister Tim Kähler sagte damals in der Begründung: »Mit Erfolg konnte Branko Kreinz vielen Familien und deren Kindern in seiner Heimatstadt helfen. Unbürokratisch hat er ihnen unter die Arme gegriffen und mit oftmals kleinen Geschenken große Freude bereitet.«

Neben den Anfeindungen macht sich Branko Kreinz über die nachlassende Spendenbereitschaft Sorgen. »Wenn sich daran nichts ändert, können wir nicht mehr allen 38 Familien helfen.«

Ob und wie es mit »Herforder für Herford« weitergeht, will der 45-Jährige bis Ende Februar entscheiden. »Wenn es nach meiner Frau Nicole geht, hätte ich schon aufgegeben.«

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