Sa., 09.02.2019

Kindeswohlgefährdung: nur wenige Einzelfälle von sexualisierter Gewalt Jugendamt wird häufiger alarmiert

168 Mal wurde das Jugendamt 2018 verständigt, weil ein Verdacht auf Kindeswohlgefährdung bestand.

168 Mal wurde das Jugendamt 2018 verständigt, weil ein Verdacht auf Kindeswohlgefährdung bestand. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Von Peter Schelberg

Herford (WB). Die Missbrauchsfälle in Lügde haben das Thema »Kindeswohlgefährdung« in den Fokus gerückt. In Herford hat das Jugendamt der Stadt 2018 nur »in sehr wenigen Einzelfällen« Kindeswohlgefährdungsmeldungen und Inobhutnahmen verzeichnet, bei denen es »Verdachtsmomente im Bereich sexualisierter Gewalt« gegeben habe: Das bestätigte Jugendamtsleiter Andreas Spilker auf Anfrage.

Größter Anteil: häusliche Gewalt

Insgesamt wurden 2018 im Jugendamt 168 Kindeswohlgefährdungsmeldungen bearbeitet. »In diesem Bereich ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen«, teilte Christoph Jacobi, Leiter des Teams »Familienunterstützende Hilfen«, im Jugendhilfeausschuss mit. 2017 waren insgesamt 90 »Kiwo«-Meldungen überprüft worden, 2016 waren es 75 und für 2015 wurden 89 genannt. »Den größten Anteil macht häusliche Gewalt zwischen den Eltern aus, wo die Kinder direkt den Konflikt miterleben oder auch zum Spielball bei Trennungen werden können«, sagte Jacobi.

Keine Zunahme der tatsächlichen Kindeswohlgefährdungen

Trotz der gestiegenen Zahl der Meldungen sei keine Zunahme der tatsächlichen Kindeswohlgefährdungen festgestellt worden. Aus Sicht der Verwaltung ist der Anstieg bei den Meldungen durch die Sensibilisierung der Bürger, die Etablierung der Beratungen durch Fachkräfte, Ausbau präventiver Angebote, Vereinbarungen mit örtlichen Trägern und die Kooperationsvereinbarung mit der Polizei in Fällen häuslicher Gewalt begründet.

»Es wird früher hingeschaut«

Da Kindeswohlgefährdungsmeldungen in der Regel von zwei Fachkräften überprüft würden, binde diese Aufgabe erhebliche Ressourcen. »Es ist aber grundsätzlich gut, dass viel gemeldet wird«, sagte Andreas Spilker: »Lieber zu viel als zu wenig – schließlich geht es darum, die Sicherheit der Kinder insgesamt zu erhöhen.« Die Bereitschaft, das Jugendamt zu informieren, sei gestiegen: »Es wird früher hingeschaut und wir können früher kritische Situationen abwenden.«

Anstieg bei Inobhutnahmen

Bei den Inobhutnahmen gab es ebenfalls einen Anstieg: 2018 wurden 52 Kinder oder Jugendliche durch Mitarbeiter der Stadt in Obhut genommen. »Bei den 52 Fällen ist zu berücksichtigen, dass auch Inobhutnahmen für andere Jugendämter und unbegleitete minderjährige Ausländer eingerechnet wurden«, so Jacobi. Die Entwicklung setze sich auch 2019 fort: »Im Januar mussten bereits zehn Kinder in Obhut genommen werden.«

Bei einer Inobhutnahme muss klar sein, dass das Kindeswohl vor Ort nicht mehr sichergestellt werden kann. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich – beispielsweise Vernachlässigung, Gewalt oder Erkrankungen von Eltern. »Es melden sich aber auch Jugendliche die uns sagen, dass sie nicht mehr nach Hause wollen«, berichtete Jacobi. Bei den Inobhutnahmen aufgrund sexualisierter Gewalt müsse nicht zwangsläufig ein Missbrauch vorliegen, stellte der Teamleiter klar: »Es kommt auch vor, dass Kinder oder Jugendliche ein sehr sexualisiertes Verhalten aufweisen, sich beispielsweise zur Prostitution anbieten oder Nacktbilder von sich verschicken.«

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