Di., 12.02.2019

Amtstierärzte werden immer wieder Opfer von Gewalt und Drohungen »Ich weiß, wo du wohnst...«

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Jan Gruhn

Herford/Düsseldorf (WB). Amtstierärzte leben mitunter gefährlich: Wüste Beschimpfungen sind noch das harmloseste, mit dem sich die Behördenmitarbeiter auseinandersetzen müssen.

»Die Luft ist schärfer geworden«, bestätigt Dr. Reinhard Zwingelberg, Amtsleiter Veterinär- und Verbraucherschutz des Kreises Herford. Zusammen mit seinen Kollegen überwacht er Betriebe mit landwirtschaftlicher Tierhaltung, Schlachthöfe oder Tiertransporte. Doch auch Verstößen in der privaten Tierhaltung geht er nach. Und gerade dort sei das Konfliktpotenzial hoch.

Wenn ein Tier wegen schlechter Haltungsbedingungen beschlagnahmt werden muss, gehe es fast nicht mehr ohne die Hilfe der Polizei. Da werde einem schon die ein oder andere Forke vor die Nase gehalten, sagt Zwingelberg. Gerade im privaten Bereich »weiß man nicht, wer einem da die Tür öffnet«, sagt der Amtsleiter.

Beleidigung, schwere Körperverletzungen, Morddrohungen – viele Fällen sind in NRW in den Akten vermerkt. Eine Abfrage bei den Kreisbehörden habe 127 Einzelfälle seit 2010 zutage gefördert, berichtete NRW-Agrarministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) in einer am Freitag veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage der Grünen. 42 Körperverletzungen – etwa Attacken mit Forken oder Holzlatten – seien weiterverfolgt worden. Vieles werde allerdings nicht dokumentiert. Die Kommunalbehörden hätten das mit hohem Arbeitsdruck und fehlenden Aussichten auf Gegenmaßnahmen begründet.

Höheres Bedrohungspotenzial im privaten Tierschutz

Der Grünen-Abgeordnete Norwich Rüße aus Steinfurt hatte in seiner Anfrage beklagt, dass Amtstierärzte in den vergangenen Jahren bundesweit immer wieder schweren Aggressionen der Tierhalter ausgesetzt gewesen seien, wenn deren Betriebe kontrolliert oder Tiere eingezogen werden sollten. In Baden-Württemberg habe der Druck von Landwirten 2014 sogar eine Tierärztin den Suizid getrieben, in Brandenburg sei 2015 ein Veterinär von einem Bauern erschossen worden.

Im August 2018 hatte das Landgericht Kleve einen Landwirt zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, weil er zwei Amtsveterinäre bei einer Stallkontrolle mit einer Eisenstange krankenhausreif geschlagen hatte. »Ich kenne einen der Kollegen«, erklärt Zwingelberg. »Der ist dienstunfähig.«

Generell berichteten die NRW-Behörden aber von wenigen »schwarzen Schafen« in den Betrieben, stellte Heinen-Esser fest. »Ein deutlich höheres Bedrohungspotenzial wird eher im häuslichen, privaten Tierschutz gesehen.«

Drohungen und Fußtritte

Etwa zwei bis drei Mal im Jahr komme es vor, dass es im Außeneinsatz wirklich brenzlig werden, sagt Zwingelberg. Aber so extreme Fälle wie die in Kleve oder Brandenburg habe er noch nicht erlebt.

Im Kreis Höxter hingegen hat man mehr Erfahrung mit Gewalt gegen die Behördenmitarbeiter. Dr. Jens Tschachtschal musste sie am eigenen Leib erleben. Der Leiter des Veterinärdienstes des Kreises berichtet von einem Fall, der ihn und seine Mitarbeiter zwischen 2010 und 2012 beschäftigte.

Ein gewerblicher Schafhalter war in den Fokus der Behörden geraten. Im Laufe des Verfahrens hätte der Betroffene immer wieder Drohungen ausgesprochen. »Ich weiß, wo du wohnst...« und ähnliches soll er laut Tschachtschal gesagt haben. Der Veterinärdienstleiter selbst wurde körperlich angegangen, kassierte einen Fußtritt. »Es sind Einzelfälle«, sagt Tschach­tschal. »Aber wir müssen damit leben, das solche Dinge immer wieder vorkommen.« Schließlich könne nicht zu jedem Einsatz die Polizei mitgenommen werden.

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