Mi., 13.02.2019

Laienspielschar hält dem Plattdeutschen die Treue – Erlös wird gespendet Falkendiek macht seit 70 Jahren Theater

Stöbern in der Theaterchronik (von links): Katja Heyde, Bastian Ma­lachewitz, Beate Niemeier, René Niemann, Sina Schwarma mit Ella, Sebastian Quest, Ralf und Petra Bünger, Wolfgang Silger, Heike Quest, Werner und Günter Bünger, Lilli Maßmann.

Stöbern in der Theaterchronik (von links): Katja Heyde, Bastian Ma­lachewitz, Beate Niemeier, René Niemann, Sina Schwarma mit Ella, Sebastian Quest, Ralf und Petra Bünger, Wolfgang Silger, Heike Quest, Werner und Günter Bünger, Lilli Maßmann. Foto: Bexte

Von Bernd Bexte

Herford (WB). »Viele lustige Dialoge funktionieren halt nur auf Platt«, sagt Günter Bünger. Und weil das so ist, macht die Laienspielschar Falkendiek seit 70 Jahren erfolgreich Theater – auf Plattdeutsch.

1958 gab der heute 80-Jährige sein Debüt. »Das ist alles lange her«, sagt sein Bruder Werner (82), der 1962 zum ersten Mal zum Ensemble gehörte. Beide stöbern in der Vereinschronik. Alte Schwarz-Weiß-Fotos, Zeitungsartikel und Programmhefte füllen mehrere Aktenordner.

Die Brüder haben den Staffelstab schon vor Jahren weiter gegeben: Mittlerweile stehen Falkendieker in der dritten Generation auf der Bühne. »Das wird sozusagen in der Familie vererbt«, erklärt Sprecherin Heike Quest. Voller Einsatz ist Voraussetzung: »Wir haben ja keine Zweitbesetzung. Damit die Vorstellung nicht ausfällt, sind einige Akteure auch schon mal trotz Krankheit vors Publikum getreten«, erinnert sich Lilli Maßmann, die der Laienspielschar seit 1967 angehört.

Ein Ferkel und echter Schnaps auf der Bühne

Überhaupt geht es in Falkendiek bodenständig und authentisch zu: 1972 überraschte das Ensemble im Stück »Fisematenten« das Publikum mit einem lebendigen Ferkel, und in den Flaschen auf der Bühne soll früher auch mal echter Schnaps gewesen sein...

Angefangen hat alles 1949 mit dem Stück »Geoue Nobers« (Gute Nachbarn), ein der entbehrungsreichen Nachkriegszeit entsprechend ernstes Stück. Mitglieder des Posaunenchors Falkendiek und des Kirchenchors hatten die Laienspielschar aus der Taufe gehoben. Damals war Plattdeutsch vielerorts noch Alltagssprache.

»Die meisten unserer Darsteller müssen das heute aber wie eine Fremdsprache lernen«, sagt Freizeitschauspieler Sebastian Quest. Damit die Aussprache stimmt, übersetzt Ensemblemitglied Charleen Barth die Stücke ins Falkendieker Platt. Denn Platt ist nicht gleich Platt: »Hinter dem Schweichelner Berg spricht man das schon anders«, weiß Regisseur Wolfgang Silger. Zudem überträgt Barth den Text in Lautschrift – damit die Akteure gleich wissen, wie die Worte auszusprechen sind.

Bei der Stückeauswahl ist entscheidend, welcher Akteur überhaupt für die mehrmonatige Probenarbeit im Gemeindehaus an der Glatzer Straße zur Verfügung steht. »Das ist nicht immer ganz einfach«, sagt Heike Quest.

Mehrfach umgezogen

Derzeit zählt die Laienspielschar – die einzige rein plattdeutsche Theatergruppe in Herford – 30 Aktive. Davon stehen sieben im neuen Stück »Atelier Gauner & Co KG« demnächst auf der Bühne. Viele weitere Aktive kümmern sich um die Arbeit hinter den Kulissen.

In ihrer Geschichte ist die Laienspielschar oft umgezogen: Zur Premiere begeisterte das Ensemble sein Publikum im Gemeindehaus Falkendiek, später dann aber auch im Schützenhof, im Evangelischen Gemeindehaus oder im Gemeindehaus Stift Berg. Zur besten Zeit in den 90er Jahren füllte die Laienspielschar – zwischenzeitlich gab es auch eine Kindergruppe – mehrfach das Stadttheater. Mittlerweile hat sie sich etwas kleiner gesetzt: Seit drei Jahren öffnet sich im Hofrestaurant von Laer und der Gesamtschule Hiddenhausen der Vorhang.

Eines ist in all den Jahren gleich geblieben – der Reinerlös der Aufführungen kommt einem wohltätigen Zweck zugute. Vor allem das Johannes-Falk-Haus ist in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig bedacht worden.

Falkendieker Platt

Jedes Dorf hat seine eigene Variante des Plattdeutschen, so auch Falkendiek. »Hier sagt man ›Küken‹, wenn man die ›Küche‹ meint, in Eickum heißt sie ›Kürken‹ mit ›r‹«, erläutert Wolfgang Silger, im zivilen Leben im Kommunalarchiv Herford tätig. Auch am Beispiel des Wortes »Dorf« sind Unterschiede erkennbar. So sagt man zu Düttingdorf (Spenge) »Düddenderp«, Herringhausen-Dorf heißt hingegen »Hiarnghussen Duarp« und Valdorf in Vlotho »Vallerop«. Auf einer Online-Karte des Kreises erfahren Interessierte, wie die Ortsnamen auf Plattdeutsch gesprochen werden:

geoportal.kreis-herford.de/plattdeutschekarte

 

Das neue Stück der Laienspielschar Falkendiek, »Atelier Gauner & Co. KG«, feiert am Samstag, 16. Februar (19 Uhr), im Hofrestaurant der Familie von Laer, Senderstraße 23, Premiere. Weitere Aufführungen: Sonntag, 17. Februar (16 Uhr, ausverkauft), Samstag, 23. Februar (19 Uhr), Sonntag, 24. Februar (16 Uhr, nur noch Restkarten) sowie Sonntag, 3. März (16 Uhr) in der Aula der OPG in Hiddenhausen. Karten gibt es unter der Telefonnummer 0178/1691128.

 

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