Mi., 13.02.2019

Probebohrungen in Herford im März – ungünstige Stelle liegt unter der Tribüne – mit Video Bombenverdacht im Ludwig-Jahn-Stadion

An den markierten Stellen befinden sich die Bombenverdachtsflächen.

An den markierten Stellen befinden sich die Bombenverdachtsflächen. Foto: Moritz Winde

Herford (WB). Mehr Pech geht kaum: Ausgerechnet unter der Tribüne des Ludwig-Jahn-Stadions könnte eine Bombe schlummern. Sollte sich der Verdacht bestätigen, könnte das sämtliche Umbaupläne – eigentlich soll der Rasenplatz ab Herbst erneuert werden – über den Haufen werfen. Im März soll Klarheit herrschen.

Diese Luftaufnahme entstand kurz nach dem Fliegerangriff 1944. Die Einschläge der Bomben sind gut zu erkennen. Dort befindet sich heute der Kanu-Klub. In unmittelbarer Nähe zur zerstörten Brücke liegt links oben das Stadion. Foto: Sammlung Polster

Insgesamt geht es sogar um drei potenzielle Blindgänger, die unter der Sportstätte an der Wiesestraße neben dem Freizeitbad H2O liegen könnten. »Luftbilder der Alliierten geben uns Hinweise. Auf den Fotos sind kleine Krater im Boden zu erkennen. Das könnte darauf hindeuten, dass Bomben ins Erdreich eingedrungen, dort aber nicht explodiert sind«, sagt Herfords Beigeordneter Dr. Peter Böhm.

Er stellt jedoch klar, dass es sich lediglich um Verdachtsflächen handele. Grund zur Panik bestehe nicht. »Für uns gehört das zum Tagesgeschäft.«

Natürlich muss sich die Annahme nicht bewahrheiten. Nur in den seltensten Fällen muss der Kampfmittelräumdienst tatsächlich tätig werden. Nach Angaben der Bezirksregierung Arnsberg gab es 2016 im Regierungsbezirk Detmold 65 Verdachtsflächen, in gerade einmal acht Fällen lag im Untergrund dann tatsächlich eine Bombe, die entschärft werden musste.

Diese Ansichtskarte aus den 30er Jahren zeigt das Ludwig-Jahn-Stadion, das damals noch direkt an der Werre liegt. Durch das Hochwasser wurde es vollkommen überflutet. Im Hintergrund: das alte Otto-Weddigen-Freibad. Foto: Sammlung Polster

Und trotzdem: Stadtführer Mathias Polster sagt, wegen der besonderen geografischen Lage bestehe durchaus die Möglichkeit, im Bereich des Stadions auf Blindgänger zu stoßen. »In der Nähe befand sich die alte Eisenbahnbrücke der Lippischen Bahn. Die wurde von den Briten gezielt aus der Luft angegriffen, um die Versorgung zu unterbrechen.« Eine alte Übersichtsaufnahme zeigt, wie massiv die Bombardierung gewesen ist. Auf einer recht kleinen Fläche sind mehr als ein Dutzend Einschläge zu erkennen.

Wie geht’s jetzt weiter? Im März beginnt nach Angaben der Verwaltung eine Fachfirma mit Probebohrungen. »Rund um die drei Verdachtsflächen werden jeweils mehrere zwölf Zentimeter große Löcher sieben bis acht Meter in die Tiefe gebohrt. Dort vermutet man die Sprengsätze«, sagt Kai Buchholz, der die Aktion für die Stadt koordiniert. Während die Arbeiten auf dem Rasenfeld und auf der Laufbahn unkritisch sind, wird die dritte Verdachtsfläche zum Hindernis. Sie liegt an einer Stelle, die ungünstiger nicht sein könnte – nämlich direkt unter der Tribüne.

Das Ludwig-Jahn-Stadion in der heutigen Lage an der Wiesestraße, dahinter die Kiewiese: Nach der Flut wurde die Sportstätte gedreht, weg vom Fluss. Auf der Freifläche daneben wird im Oktober 1997 das Freizeitbad H2O eröffnet. Foto: Sammlung Polster

Dort befindet sich ein zwölf Quadratmeter kleiner Versorgungsraum. »Bevor dort überhaupt gebohrt werden kann, muss alles abgebaut und hinausgetragen werden – unter anderem eine Heizungsanlage und ein 2000-Liter-Wassertank«, sagt Kai Buchholz. Und selbst dann wird die Arbeit für die Spezialisten kein Zuckerschlecken. Denn die Deckenhöhe beträgt keine zwei Meter. Da sei es natürlich sehr schwierig, mehrere Meter in den Untergrund zu bohren.

Stadion-Hausmeister Hans-Ulrich Laege steht in dem Versorgungsraum, in dem in Kürze die Sondierungen beginnen. Bevor jedoch gebohrt werden kann, muss alles abgebaut werden – unter anderem der 2000-Liter-Wassertank. Foto: Winde

Weil dieser Job eben nicht im Vorbeigehen erledigt werden kann, sondern das ganze Vorhaben bis zu acht Wochen dauert, haben die Sondierungen – also die Untersuchung des Bodens – auch Auswirkungen auf den Sport. »Die vier Fußballvereine müssen auf die drei Kunstrasenplätze umziehen«, sagt Gabriele Wunram, die die Koordination für die Stadt übernimmt. Auch die Leichtathleten, die das Draußen-Training im April aufnehmen, und die Schulen werden ausweichen müssen. Sie seien im Vorfeld über die Situation informiert worden. Gabriele Wunram: »Bevor es besser wird, wird es schlechter. Alle müssen etwas zusammenrücken.«

Das machen die Sportler bestimmt gerne: Schließlich erwartet sie ein nagelneuer Platz. Die Kosten in Höhe von knapp einer halben Million Euro sind dafür bereits im Haushalt bewilligt. Wenn alles glatt läuft, könnte das Jahn-Stadion im Sommer 2020 wieder eröffnet werden. Vorausgesetzt natürlich, in der Erde schlummern keine Bomben. »Falls doch, müssen wir noch einmal alles überdenken«, sagt Beigeordneter Dr. Peter Böhm.

 

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