Mi., 13.02.2019

Rückgang der Delikte um neun Prozent – mehr als jeder zweite Fall geklärt So wenige Straftaten wie noch nie

Wenn die Handschellen klicken: Die Polizei hat für den Kreis Herford im vergangenen Jahr 11.296 Straftaten registriert.

Wenn die Handschellen klicken: Die Polizei hat für den Kreis Herford im vergangenen Jahr 11.296 Straftaten registriert. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Das Leben im Kreis Herford wird immer sicherer: Im vergangenen Jahr sind neun Prozent weniger Straftaten registriert worden – der niedrigste Wert seit Erfassung der Daten 1989.

Einbrecher festgenommen

Der Polizei ist ein Schlag im Kampf gegen Wohnungseinbrecher gelungen. Nach Angaben von Kriminalhauptkommissar Andreas Meyer konnte im Januar ein Mann festgenommen werden, dem weit mehr als 50 Taten zugeschrieben werden. Dabei kooperierten die Behörden Herford, Lippe und Bielefeld.

Ausschlaggebend für die Gründung der Ermittlungskommission »Kreis« waren Dutzende Einbrüche im Elverdisser Grenzbereich. »Der Abgleich von Spuren ergab eine auffällige Häufung. Der Tatverdacht richtet sich gegen einen Herforder, der bereits polizeilich in Erscheinung getreten ist«, sagte Meyer. Zurzeit verbüßt der mutmaßliche Einbrecher eine Haftstrafe in der JVA Saarbrücken. Demnächst wird er wohl angeklagt werden.

Die Zahl der Einbrüche und Versuche im Kreis ging 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 32 auf 364 zurück. 2017 waren es sogar 562 Delikte. Die Aufklärungsquote liegt bei 25, der Landesdurchschnitt bei 18 Prozent. Offenbar zeigen die Riegel-vor-Kampagnen Wirkung. Auch das neue Gesetz, das Täter härter bestraft und der Polizei mehr Ermittlungsmöglichkeiten bietet, trägt sicher zum Positiv-Trend bei.

Dies gab die Polizei bei der Vorstellung der Kriminalstatistik bekannt. Insgesamt wurden für das Jahr 2018 exakt 11.296 Delikte verzeichnet. Zwar sank die Aufklärungsquote um drei Prozent, liegt jedoch mit 54 Prozent immer noch auf einem soliden Niveau. Mehr als jeder zweite Fall konnte also gelöst werden.

Landrat Jürgen Müller freute sich über das historisch gute Ergebnis und dankte den Polizisten für die geleistete Arbeit. Gleichwohl sagte er: »Es handelt sich um eine Momentaufnahme.« Müller nutzte die Gelegenheit, um auf die sich abzeichnenden Personalprobleme bei der Herforder Polizei hinzuweisen. Die Ausbildungszahlen könnten nicht die entstehenden Vakanzen ersetzen.

Landrat fordert mehr Personal

Der Landrat forderte erneut mehr Personal, vermutlich in dem Wissen, damit auf wenig Gehör beim Innenminister zu stoßen. In der Vergangenheit hatte er sich in Düsseldorf des Öfteren für weitere Beamte und Streifenwagen eingesetzt – ohne Erfolg.

Zudem betonte Jürgen Müller, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Ordnungsamt in puncto Sicherheit sei. Er appellierte an den Rat der Stadt Herford, in der Sitzung am Freitag zwei weitere Stellen für die City-Wache zu bewilligen. »Das ist zwingend notwendig.«

Keine Überraschung zeigt sich bei der Kriminalitätsgefährdung im Hinblick auf die neun Kommunen. In Herford (4887 Taten) ist es demnach sieben Mal wahrscheinlicher, Opfer eines Verbrechens zu werden, als in Rödinghausen (160). »Das liegt in der Natur der Sache«, sagte Markus Altenhöner und verwies auf die beiden Großdiskotheken in der Kreisstadt. Die »High-Ba-X«-Einsätze – damit kürzt die Polizei »High Club«, Bahnhof und »X« ab – sollen zwar fortgesetzt werden.

Weitere Kontrollen am Bahnhof angekündigt

Allerdings stellte der Kripo-Chef fest: »Die Anzahl der Rohheitsdelikte sinkt. Die Straßenkriminalität weist eine fallende Tendenz auf. Auch wenn die Statistik etwas anderes sagt, können sich Betroffene dafür natürlich nichts kaufen.« Die Gefühle der Menschen – viele fühlen sich vor allem in den Abendstunden in der Innenstadt nicht sonderlich wohl – ließen sich nun einmal nicht steuern.

Mit Sorge betrachten die Ermittler die Betrugsstraftaten. Zwar ist deren Anzahl insgesamt stark rückläufig, nicht so jedoch das Feld der Trickbetrügereien. Hier registrierte die Behörde 150 Fälle, wobei Markus Altenhöner davon ausgeht, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist. Immer wieder versuchen meist professionelle Banden ältere und hilflose Menschen übers Ohr zu hauen.

Ein besonders krasser Fall ereignete sich im Spätsommer. Ein Rentner aus Herford wurde nach Angaben der Polizei am Telefon aufgefordert, sämtliche Ersparnisse von der vermeintlich gefährlichen Bank zu holen und in der Mülltonne zu deponieren. Der Anrufer wollte das Geld in Sicherheit bringen.Die 170.000 Euro sah der Senior nicht wieder. Altenhöner: »Ältere sind die Schwächsten der Gesellschaft. Wir sollten alle auf sie aufpassen, damit diese miese Masche nicht noch einmal passieren kann.«

Stellen die Statistik vor: (von links) Kriminalhauptkommissar Andreas Meyer, Polizeidirektor Dirk Zühlke, Kripo-Chef Markus Altenhöner und Landrat Jürgen Müller. Foto: Moritz Winde

 

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