Sa., 16.02.2019

Hohe Kosten, geringe Auslastung: Klinikum Herford schließt Therapiebad nach 47 Jahren Bald hat’s sich ausgeplanscht

Im 33 Grad warmen Wasser lässt es sich prima planschen. Doch Ende 2019 ist dies im Klinikum nicht mehr möglich. Das Bad wird geschlossen.

Im 33 Grad warmen Wasser lässt es sich prima planschen. Doch Ende 2019 ist dies im Klinikum nicht mehr möglich. Das Bad wird geschlossen. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). In diesem Becken lernten viele Kinder das Schwimmen. Und unzähligen Patienten half die Bewegung im warmen Wasser auf dem Genesungsweg. Doch bald hat’s sich ausgeplanscht. Das Therapiebad im Klinikum wird Ende 2019 geschlossen – nach 47 Jahren.

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Das Klinikum schreibt rote Zahlen – allein 2017 hatte es einen Verlust in Höhe von 4,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Es muss also dringend gespart werden. Somit ist nachvollziehbar, dass das Therapiebad geschlossen werden soll – zumal es nicht ausgelastet ist.

Schade ist die Entscheidung allemal. Vor allem Eltern mit Kindern lieben die ruhige Atmosphäre und das warme Wasser, in dem sich herrlich planschen lässt – fernab vom lauten Getöse der Spaßbäder. Das kleine Schwimmbecken wird fehlen. Moritz Winde

Das bestätigte Unternehmenssprecherin Monika Bax auf Anfrage dieser Zeitung. Als Hauptgrund führt sie den hohen Investitions- und Unterhaltungsbedarf an. »Die Betriebskosten belaufen sich im Jahr auf 35.000 Euro, die Einnahmen dagegen betragen 3000 Euro.« Das heißt: Die ohnehin schon defizitäre Klinik muss für den Fortbestand des Schwimmbeckens jährlich 32.000 Euro aufbringen.

Das liegt daran, dass das Bad – es besteht seit der Gründung des Krankenhauses 1973 – bei Weitem nicht ausgelastet ist. Monika Bax: »Das Bad wird pro Tag maximal zwei Stunden genutzt – von externen Gruppen, von Mitarbeitern und von Patienten.«

Aus dem laufenden Krankenhausbetrieb gebe es keinen relevanten Nutzungsbedarf mehr. »Nur noch wenige stationäre Patienten nutzen das Bad. Gerade orthopädische Patienten werden nach ihrer Operation zeitnah in die Anschlussheilbehandlung entlassen.«

Räume sollen anders genutzt werden

Während das Bad seinerzeit ausschließlich für therapeutische Zwecke gebaut wurde, wird es heute überwiegend externen Gruppen zur Verfügung gestellt. Es stehen Angebote von öffentlichen und privaten Betreibern von Badeeinrichtungen zur Verfügung. Unter anderem gibt es derzeit noch regelmäßiges Babyschwimmen, auch wöchentliche Seepferdchen-Kurse und Aqua-Fitness-Einheiten werden dort angeboten.

Die Betriebskosten setzen sich aus dem Wasserverbrauch – in das knapp 30 Quadratmeter große und 1,30 bis 1,50 Meter tiefe Becken passen 60.000 Liter –, Aufbereitung des 33 Grad warmen Wassers, Energiekosten, Reinigung und Hygiene zusammen. »Wasserparameter, wie zum Beispiel Chlorgehalt und PH-Wert, werden einmal täglich parallel an zwei Stellen durch die Physikalische Therapie und die Haustechnik geprüft«, sagt Monika Bax.

Nach der Stilllegung sollen die Räume umfunktioniert werden. Die konkrete Nutzung soll in der nächsten Zeit festgelegt werden. »Es besteht ein erheblicher Raumbedarf innerhalb des Klinikums, der ansonsten durch bauliche Maßnahmen geschaffen werden müsste«, sagt die Unternehmenssprecherin – und fügt hinzu: »Wir bedauern die Schließung sehr.«

Das Therapiebecken ist in einem soliden Zustand. Die Duschen und Umkleiden hingegen müssten renoviert werden. Foto: Moritz Winde

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