Sa., 09.03.2019

Initiativen im Kreis Herford unterstützen die Gleichberechtigung in Rojava/Nordsyrien Frauen kämpfen für ihre Freiheit

Ulrich Adler und Emine Gözen (rechts) von der kreisweiten Initiative für eine Partnerschaft der Regionen Herford und Kobane begrüßen die Berliner Theologin Daniela Nischik

Ulrich Adler und Emine Gözen (rechts) von der kreisweiten Initiative für eine Partnerschaft der Regionen Herford und Kobane begrüßen die Berliner Theologin Daniela Nischik Foto: Hillebrenner

Von Bärbel Hillebrenner

Herford (WB). Die Frauen aus Herford sind beeindruckt von den Frauen aus Rojava. In der nordsyrischen Region haben sie ein Zeichen gesetzt für friedlichen Widerstand innerhalb einer vormals patriarchalischen Gesellschaft. Sie haben für die Gleichstellung von Mann und Frau gekämpft – und sich durchgesetzt!

»Rojava – Frühling der Frauen« lautete der Titel einer Veranstaltung im Kreishaus zum Internationalen Frauentag. Zum 12. Mal hatten zahlreiche Initiativen aus dem Kreis Herford zu diesem Thema eingeladen, ist doch der Kampf der Frauen aus Rojava Symbol einer friedlichen Revolution . »Entstanden ist in dem Territorium, das geprägt ist von IS-Terror und Krieg, ein Modell des demokratischen Zusammenlebens, das für die ganze Region des Mittleren und Nahen Ostens richtungsweisend ist«, sagt Emine Gözen. Sie ist Vorsitzende der »Initiative für Frieden und Hoffnung in Kurdistan«, die von zahlreichen Bürgern aus dem Kreis Herford – in dem etwa 300 Kurden leben sollen – unterstützt wird.

Antrag auf Partnerschaft

Mehrere Initiativen im Kreis Herford haben einen Antrag beim Kreis gestellt, im Rahmen einer Partnerschaft mit der Region Kobane/Rojava in Nordsyrien die Menschen und die Aufbaubewegung zu unterstützen.

In dem Antrag wird die Kreisverwaltung aufgefordert, mit der Bürgermeisterin und dem Bürgermeister von Kobane Kontakt aufzunehmen. Der Kreis soll auch Finanzmittel zur Verfügung stellen, um erste persönliche Kontakte in Form einer Delegation aus Kobane nach Herford – oder umgekehrt – zu ermöglichen.

»Mit einer Partnerschaft der beiden Regionen Herford und Kobane könnten wir die internationale Zusammenarbeit voranbringen, ein Mehr an Menschlichkeit in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen und dem Fremdenhass entgegentreten«, heißt es in dem Antrag. Zur Diskussion gestellt wird das Thema im Kreistag am 5. April.

Positionen paritätisch besetzt

Frauen in Rojava wollten sich nicht länger einem von Männern dominierten System fügen, sich nicht mehr ihren Männern unterwerfen – sie wollten die Gleichberechtigung! Seit 2014 gibt es nun den »Gesellschaftsvertrag der demokratischen Föderation von Nordsyrien«, der besagt, dass Männer und Frauen gleich sind, die selben Löhne zu gleichen Arbeitsbedingungen bekommen. Alle wichtigen Positionen in Politik und Verwaltung werden paritätisch besetzt. Menschen verschiedener Religionen und Ethnien leben hier gleichberechtigt nebeneinander.

»Ich war letztes Jahr in Rojava, habe dort ein Waisenhaus besucht, das wir mit Spenden unterstützen. Bei jedem Empfang wurden wir von einem Mann und einer Frau begrüßt«, berichtet Emine Gözen.

Gefahr aus der Türkei

In einer ultrakonservativen Gesellschaft hätten die Frauen für ihre Freiheit gekämpft. Die Männer in Rojava seien nicht begeistert, würden die neuen Verhältnisse aber akzeptieren. Wie sagte eine syrische Frau in einem Filmbeitrag: »Ohne uns Frauen wärt ihr nicht auf der Welt.«

Doch es drohe Gefahr seit der türkischen Militäroffensive auf Afrin (Rojava/Nordsyrien) vor einem Jahr. Die Theologin Daniela Nischik, Pastorin beim evangelischen Blindendienst in Berlin, hat die Region besucht. Sie berichtete von dem Leid der kurdischen Bevölkerung, von dem Elend in den Flüchtlingslagern und davon, dass mit der Besetzung der türkischen Soldaten die Bemühungen der Frauen aus Rojava zerschlagen und die Kurden vertrieben werden sollten.

Herforder zeigen Solidarität

Nischik: »Die demokratische Bevölkerungsstruktur soll radikal geändert werden. Frauen in Afrin müssen sich wieder verschleiern und zu Hause bleiben.« Es sei ein »Katapultieren ins Mittelalter«.

In einer regen Diskussion wurde deutlich, dass Bürger aus dem Kreis Herford sich mit den Menschen aus Rojava solidarisieren wollen. »Wir sind gefordert, die Stimme zu erheben und den Rückschritt in Rojava zu verhindern«, sagte Ulrich Adler von der kreisweiten Initiative für eine Partnerschaft der Regionen Herford und Kobane. Einstimmig wurde die fehlende Unterstützung der deutschen Regierung kritisiert. Im Gegenteil: »Es ist zu erwarten, dass demnächst wieder Waffen an den Nato-Partner Türkei geliefert werden«, sagte Mitinitiator Friedel Böhse.

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