Sa., 16.03.2019

Staatssekretär Klaus Kaiser besucht Gedenkstätte Zellentrakt »Ein authentischer Ort«

Zu Besuch in einer alten Zelle: Staatssekretär Klaus Kaiser (Mitte) zeigt sich sehr interessiert. Friedel Böhse (links) und Christoph Laue vom »Kuratorium Erinnern Forschen Gedenken« erläutern dem Gast aus Düsseldorf die Arbeit des Vereins.

Zu Besuch in einer alten Zelle: Staatssekretär Klaus Kaiser (Mitte) zeigt sich sehr interessiert. Friedel Böhse (links) und Christoph Laue vom »Kuratorium Erinnern Forschen Gedenken« erläutern dem Gast aus Düsseldorf die Arbeit des Vereins. Foto: Hartmut Horstmann

Von Hartmut Horstmann

Herford (WB). Im Rathauskeller das alte Gefängnis, in den Etagen darüber der Sitz der Verwaltung: Einen kurzen Weg hat Staatssekretär Klaus Kaiser, als er nach seinem Gedenkstättenbesuch vom Bürgermeister empfangen wird.

Danach ins Elsbachhaus

In gewisser Weise ist die Nähe Programm, wie Kaiser den Ausführungen von Christoph Laue (»Kuratorium Erinnern Forschen Gedenken«) entnehmen konnte. Denn auch in der NS-Zeit habe der Bürgermeister im Rathaus seinen Platz gehabt. Dieser musste das Regime vertreten – und ins Polizeigefängnis kamen unter anderem die Verfolgten, die später in Konzentrationslager deportiert wurden.

Täter und Opfer räumlich nah beieinander: Staatssekretär Kaiser sprach von einem authentischen Erinnerungsort. Derzeit ist er dabei, alle 28 NS-Gedenkstätten in Nordrhein-Westfalen zu besuchen. Nach dem Zellentrakt folgte ein Abstecher ins Elsbachhaus, anschließend ging es weiter in Richtung Petershagen. Die dortige alte Synagoge ist zu einem Dokumentationszentrum für jüdische Orts- und Regionalgeschichte geworden.

Für besonders erfreulich hält der Staatssekretär die Tatsache, dass die Hälfte aller Besucher in Herford aus Schülern besteht. Denn die politische Bildungsarbeit liegt ihm sehr am Herzen. Eine ausreichende Kenntnis der Fakten sieht Klaus Kaiser auch als Chance, sich vor den Vereinfachern zu schützen: »Es gibt viele gesellschaftliche Herausforderungen und manche glauben, man könne die Zukunft gestalten, ohne die Geschichte zu kennen.«

Arbeit für Geschichtsstudenten?

Bevor der Staatssekretär sich im Kleinen Rathaussaal mit Bürgermeister Tim Kähler und Vertretern des »Kuratoriums Erinnern Forschen Gedenken« austauschte, hatte er sich durch die Gedenkstätte führen lassen. Authentisch ist dieser Ort nicht zuletzt durch die Zellen, von denen eine mit einem Gefängnisbett wieder hergerichtet wurde. In den Türen finden sich noch Sätze, die Gefangene einst eingeritzt hatten. Und die Türen haben nur auf einer Seite eine Klinke zum Öffnen. Dabei erfuhr Kaiser auch einiges über die Vermittlungsarbeit des Kuratoriums, über die Ausstellungen und über eine Schulpatenschaft.

Beeindruckt zeigte er sich von der Qualität der Arbeit, deren Erfolg nicht von der Größe einer Gedenkstätte abhänge. Vom Kuratorium erfuhr er aber auch, dass es Probleme bereitet, Nachwuchs für die ehrenamtliche Mitarbeit zu gewinnen. Kaiser fragte, ob es gelingen könne, Geschichtsstudenten an die Gedenkstättenarbeit heranzuführen.

Dass dieses Gedenken auch im Hinblick auf die Zukunft wichtig ist, da pflichtete ihm Bürgermeister Tim Kähler bei. Eine der großen Gefahren sieht Kähler im politischen Desinteresse, um so mehr leuchten seine Augen, wenn es um die Chancen für Europa geht. Kaiser bezeichnet sich selbst sogar als »Herzenseuropäer«.

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