Der Herforder Fotograf Jürgen Escher dokumentiert das Ausmaß des Zyklons in Mosambik
»Viele Menschen haben alles verloren«

Herford/Beira (WB). Massive Verwüstung hat Zyklon Idai in Mosambik angerichtet. Mehr als 700 Menschen sind tot. Durch Krankheiten wie Cholera und Malaria könnte die Zahl weiter steigen. Der Herforder Fotograf Jürgen Escher hat für die Hilfsorganisation Cap Anamur das Krisengebiet im Süden Afrikas besucht. Sein Appell: »Die Menschen brauchen Hilfe, sie haben alles verloren.«

Samstag, 30.03.2019, 09:38 Uhr aktualisiert: 01.04.2019, 07:48 Uhr
Ein kleiner Junge steht im Armenviertel Praja Nova, das fast vollständig zerstört und überflutet wurde. Durch den Zyklon Idai hat Mosambik schwer getroffen. 400.000 Menschen sind mittlerweile obdachlos, 500.000 Hektar Ackerland steht unter Wasser. Foto: Jürgen Escher
Ein kleiner Junge steht im Armenviertel Praja Nova, das fast vollständig zerstört und überflutet wurde. Durch den Zyklon Idai hat Mosambik schwer getroffen. 400.000 Menschen sind mittlerweile obdachlos, 500.000 Hektar Ackerland steht unter Wasser. Foto: Jürgen Escher

Jürgen Escher sitzt am Flughafen der 500.000 Einwohner-Stadt Beira. Hier gibt es teilweise Strom und eine – wenn auch langsame – Internetverbindung. Von dort aus hält er Kontakt nach Deutschland. Eine Woche war der Fotograf gemeinsam mit zwei Helfern von Cap Anamur im Krisengebiet unterwegs, sah das Ausmaß der Katastrophe. »Menschen mussten mit Helikoptern aus dem Wasser evakuiert werden, ansonsten wären sie ertrunken«, berichtet der Herforder.

Eindrücke aus Mosambik

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Der Zyklon hat das arme Land schwer getroffen: 400.000 Menschen verloren ihre Häuser, 500.000 Hektar Ackerland wurden überflutet. Gerade in den ländlichen Regionen ist das Leid groß. »Viele haben nur noch die Kleidung, die sie am Körper tragen«, berichtet Escher.

Auch in der Großstadt Beira ist die Lage dramatisch. Kaum ein Stein steht auf dem anderen. Jürgen Escher kam in einem Privathaus unter. Nur wenige Hotels haben geöffnet. »Und dort muss man für eine Matratze viel bezahlen«, sagt der Fotograf. Viel Geld wird auch nötig sein, um erst einmal die schlimmste Not im Land zu lindern. Die Vereinten Nationen rechnen in den kommenden drei Monaten mit 250 Millionen Euro, die gebraucht werden.

Trotz der dramtischen Zustände ist der Lebenswille der Menschen in Mosambik stark. Langsam gehen die ersten Einwohner Beiras wieder ihren Geschäften nach, fangen an zu handeln. Doch die vermeintliche Normalität täuscht. Es fehlt es vor allem an sauberem Trinkwasser und Toiletten. Die Choleragefahr steigt von Tag zu Tag. 139 Erkrankte sind schon registriert. »Wenn keine Hilfe kommt, werden es noch mehr«, warnt Escher. Die Durchfallerkrankung ist für Kinder und Alte lebensgefährlich.

Aber auch Malaria könnte zu einem Problem werden. »Gerade in den Sumpfgebieten an den Küsten, wo die Ärmsten leben. Das ist eine Brutstätte für die Krankheit«, erzählt Bernd Goeken, der Geschäftsführer der Hilfsorganisation Cap Anamur.

Während Jürgen Escher vom Flughafen aus mit der WESTFALEN-BLATT-Redaktion spricht, hört man im Hintergrund die Rotorblätter eines landenden US-Hubschraubers. Langsam kommen Hilfskräfte aus aller Welt in Mosambik an. »Aufgrund des Stromausfalls gab es kaum Fotos oder Videos. Das Ausmaß des Zyklons wurde erst nach einer Woche deutlich«, sagt Bernd Goeken.

Auch von Deutschland aus kommt weitere Unterstützung. Mediziner von Cap-Anamur sind auf dem Weg nach Mosambik. Sie wollen in den kommenden Tagen eine mobile Klinik und eine Gesundheitsstation für stationäre Hilfe errichten. »Dafür werden noch Helfer gesucht, die portugiesisch sprechen«, sagt Jürgen Escher. Langfristig sollen von Cap Anamur Brunnen gereinigt, wichtige Gebäude wieder aufgebaut werden. »3000 Schulen sind durch den Zyklon zerstört worden«, sagt Escher.

Mit seinen Fotos möchte der Herforder auf das Leid der Mosambikaner aufmerksam machen. Eine Aufnahme, die nicht von Escher stammt und am Donnerstag in dieser Zeitung abgedruckt wurde, zeigt einen Mann, dem ein Sack Reis entrissen wurde. Ein dramatisches Zeugnis der Not im überfluteten Land. »Wenn ein Lkw mit Hilfsgütern kommt, dann warten dort manchmal 1000 Menschen. Da gibt es ein Hauen und Stechen, alle kämpfen ums Überleben«, erzählt Jürgen Escher. Umso wichtiger ist es, dass sein Appell gehört wird.

Ein Fotograf kämpft für die Schwachen

Obwohl Jürgen Escher mittlerweile 66 Jahre alt ist, ist für ihn die Rente kein Thema. So lange die Gesundheit mitspielt, will er sich weiterhin mit seiner Kamera für die Menschen in den Krisengebieten der Welt einsetzen. »Der soziale Aspekt, der Mensch, steht für mich immer im Mittelpunkt«, betont er.

Für Cap Anamur ist der Herforder seit 33 Jahren unterwegs. Fast 30 Jahre arbeitet er für die kirchliche Hilfsorganisation Adveniat, die sich in Lateinamerika engagiert. Auch mit dem Wittekindshof hat er zahlreiche Projekte realisiert.

Seine Fotografien sind in Ausstellungen, Zeitschriften und Büchern zu sehen. Im März erscheint sein neues Buch »Tshukudu – Transporteur zwischen den Welten«. Das Buch vereint Fotos aus 15 Jahren.

www.cap-anamur.de

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