Mi., 03.04.2019

72-Jährige vermisst – Dach droht einzustürzen – zehn Bewohner gerettet – mit Video Feuer in Herforder Hochhaus: Todesopfer befürchtet

Das brennende Hochhaus in der Herforder Innenstadt.

Das brennende Hochhaus in der Herforder Innenstadt. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde und Bernd Bexte

Herford (WB). Großalarm in der Herforder Innenstadt: Bei einem Dachgeschossbrand ist vermutlich eine 72-jährige Frau am Mittwoch ums Leben gekommen. Fünf Senioren wurden verletzt. Die Behörden riefen dazu auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten – so dicht war der Rauch.

Gegen 8 Uhr hatten Passanten bemerkt, dass Flammen aus den Fenstern des sechsten Stockwerkes schlugen. In dem 1963 erbauten Hochhaus befinden sich 15 Seniorenwohnungen – drei pro Etage – sowie im Erdgeschoss ein Wettbüro, ein Café und ein Imbiss.

Die Bewohner konnten – bis auf die Frau, in deren Wohnung das Feuer ausbrach – rechtzeitig ins Freie gebracht werden. Sie ist wohl in den Flammen ums Leben gekommen. »Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass sie sich nicht in der Wohnung aufhielt«, sagte Feuerwehrsprecher Christoph Büker. Alle anderen möglichen Aufenthaltsorte seien überprüft worden. Sie wurde jedoch nirgends angetroffen.

Notärzte und Sanitäter kümmerten sich um gerettete Hausbewohner. »Wir überprüfen die Vitalfunktionen der Leute und versorgen sie mit Essen, Getränken und warmen Decken. Für viele war es ein Schock«, sagte Alexander Hermelink vom Deutschen Roten Kreuz. Das DRK hatte neben dem Hotel Pohlmann ein Zelt aufgebaut.

In dem Ein-Zimmer-Apartment der obersten Etage hatte die Frau offenbar jede Menge Abfall gehortet, darunter etliche Plastikflaschen. Auch damit waren die enorme Rauchentwicklung und die heftige Hitze zu erklären. »Plastik besteht ja zum großen Teil aus Öl und das brennt besonders gut«, sagte Büker.

In der Wohnung sind es mehr als 700 Grad

Die Flammen griffen auf die beiden anderen Wohnungen im obersten Geschoss über, die ebenfalls zerstört wurden. Die Behörden forderten die Bevölkerung per Warn-App »Katwarn« auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten und Lüftungs- und Klimageräte abzuschalten. Autofahrer sollten den Bereich weiträumig umfahren. Ein Nachbargebäude wurde zur Sicherheit evakuiert.

»Wir haben zehn Minuten gebraucht, um die Wohnungstür aufzubrechen, weil dahinter so viel Müll lag«, sagte Berufsfeuerwehrmann Manuel Anft. Der 29-Jährige gehörte zum ersten Eingreiftrupp, der unter Atemschutz und mit einem C-Rohr in die Unterkunft vordrang.

»Dort waren es sicher 700 Grad. Es war so heiß, dass wir nur auf allen Vieren vorwärts robben konnten. Stehend hätten wir es nicht ausgehalten.« Zwei seiner Kollegen – insgesamt waren mehr als 90 Feuerwehrleute aus dem Kreis im Einsatz – mussten im Krankenhaus behandelt werden. »Sie werden mit Sauerstoff versorgt – so erschöpft sind sie«, sagte Christoph Büker.

Schwierige Löscharbeiten

Die Löscharbeiten gestalteten sich äußerst schwierig: Zum einen, weil es sehr eng war, zum anderen, weil der Löschangriff über das Treppenhaus abgebrochen werden musste. Büker: »Die Dachkonstruktion drohte herabzustürzen, der Einsatz wäre viel zu gefährlich für uns.«

Statiker besprachen anhand der historischen Baupläne das weitere Vorgehen. Sie rieten dazu, das Dach von außen aufzuschneiden, um so besser an den Brandherd zu kommen. Auch der Fußboden durfte nicht mehr betreten werden – akute Einsturzgefahr!

Ein weiteres Problem: Der Teleskopmast der Feuerwehr Herford befindet sich derzeit zur Inspektion. »Wir haben kein zweites Fahrzeug, mit dem wir von außen löschen können. Deshalb mussten Wagen aus Enger, Hiddenhausen und Bad Salzuflen angefordert werden«, sagte Büker.

Weil die Drehleitern zu kurz waren, um das Dach abzudecken, wurde am Nachmittag ein Autokran auf der Kreuzung aufgestellt. Die Ursache für das Feuer ist unklar. Die Kripo ermittelt. Die Feuerwehr war bis zum Abend mit den Löscharbeiten beschäftigt.

Die Einsatzkräfte versuchten, die aus Holz und Dämmmaterial bestehende Decke abzureißen. Durch den dadurch verursachen Lufteintritt loderten auch am Abend noch immer wieder Flammen auf.

Die Löhner Wilhelmshof Senioren Wohnen GmbH ist seit 2007 Generalmieter des Hauses. Die damals zehn Wohneinheiten waren zu 15 seniorengerechten Wohnungen (32 bis 54 Quadratmeter) umgebaut worden. Einige der Bewohner werden zu Hause betreut. »Wir kümmern uns jetzt um die Unterbringung der Senioren in anderen Einrichtungen«, sagte Britta Lehmann, Geschäftsführerin des Wilhelmshofes, dieser Zeitung.

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