Sa., 06.04.2019

Angeblich hohe Schulden beim Versorger – Betreuer sollte Finanzsituation klären – mit Video Großbrand: 72-Jährige lebte offenbar jahrelang ohne Strom

Ein Blick ins Innere des Brandherdes, die Wohnung des mutmaßlichen Brandopfers im Obergeschoss des Herforder Hochhauses.

Ein Blick ins Innere des Brandherdes, die Wohnung des mutmaßlichen Brandopfers im Obergeschoss des Herforder Hochhauses.

Herford (WB/bex). Das mutmaßliche Brandopfer im Herforder Hochhaus hat nach Informationen dieser Zeitung jahrelang ohne Strom gelebt.

Die 72-Jährige, in deren Dachgeschosswohnung am Mittwoch das Feuer ausgebrochen war , war vor mehr als vier Jahren in eine der 15 Seniorenwohnungen am Lübbertor gezogen. Sie soll so hohe Schulden beim Stromanbieter ihrer alten Wohnung aufgehäuft haben, so dass sie in ihrem neuen Zuhause erst gar keinen Versorgungsvertrag abgeschlossen habe.

Wie sie über Jahre ohne Strom im Alltag zurechtkam, ist unklar. Die Seniorin lebte äußerst zurückgezogen, ließ niemanden in ihre Wohnung. Vor etwa einem Jahr erhielt sie einen gesetzlichen Betreuer. Als dieser sich am Tag vor dem Brand per richterlichem Beschluss Zutritt zu ihrer Wohnung verschaffen wollte, kam es zum Eklat.

Zufall oder Verzweiflungstat?

Die 72-Jährige ließ ihn nicht in ihr Apartment. Wenige Stunden später stand ihre Wohnung, die mit Kleidung und leeren Plastikflaschen vollgestopft war, in Flammen. Ein Zufall oder doch eine Verzweiflungstat? »Das wird man wohl nie sagen können«, meint Britta Lehmann, Geschäftsführerin der Wilhelmshof-Senioren-Wohnen GmbH, die die 15 Wohnungen vermietet.

Sie betont: »Ein Mieter muss sich selbst um die Versorgungsverträge kümmern.« Vom Verzicht auf Strom habe man zunächst nichts gewusst.

Die Polizei hält sich mit Blick auf die Brandursache bedeckt. »Man kann jetzt viel spekulieren. Wir wollen abwarten, was der Brandsachverständiger sagt«, erklärt Polizeisprecher Uwe Maser. Dieser werde in den nächsten Tagen vor Ort erwartet. Auch das Obduktionsergebnis der in der Wohnung der Frau gefundenen Leiche steht noch aus. Die Frau soll nicht geraucht haben.

Eigentümer will sanieren

Unterdes bleibt die Frage, ob das Hochhaus noch zu retten oder muss es abgerissen werden? Noch ist diese Frage unklar. Ein Sachverständiger sprach am Freitag bei einem Ortstermin von einem Millionen-Schaden.

Eigentümer Bernd-P. Heinrich ist sich aber schon sicher: »Wir werden das Haus nicht abreißen, sondern schnellstmöglich sanieren. Das ist machbar.«

Mehr zum Thema:

Bis zur Erschöpfung und darüber hinaus haben mehr als 90 Feuerwehrleute gegen die Hochhaus-Flammen in der Innenstadt gekämpft – ein Kommentar von Moritz Winde.

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