Di., 16.04.2019

Brennende Kirche: Stefan Kagl hat in Notre-Dame Konzerte gegeben »Die Orgel ist gerettet«

Stefan Kagl an der Orgel von Notre-Dame: Auch an die Proben auf dem Instrument kann er sich noch gut erinnern. Wegen der vielen Touristen konnte er nur nachts alleine in der Kirche proben: »Schon das hatte etwas sehr Feierliches.«

Stefan Kagl an der Orgel von Notre-Dame: Auch an die Proben auf dem Instrument kann er sich noch gut erinnern. Wegen der vielen Touristen konnte er nur nachts alleine in der Kirche proben: »Schon das hatte etwas sehr Feierliches.«

Von Hartmut Horstmann

Herford (WB). Die Bilder der brennenden Kathedrale Notre-Dame haben ihn erschüttert. Und doch spricht Münsterkantor Stefan Kagl von einem Wunder: »Denn es scheint so, als wäre die Orgel gerettet.«

Die ganze Welt blickt derzeit nach Paris, verfolgt, wie ein Wahrzeichen zerstört zu werden droht: Die Beziehung, die der 56-jährige Stefan Kagl zu der Kathedrale hat, geht über die eines Paris-Touristen weit hinaus. Zweimal hat der Organist an der berühmten Orgel gespielt.

In Paris studiert

»Beim ersten Konzert muss ich etwa 25 Jahre alt gewesen sein«, erinnert sich der Musiker: »Es war in der Zeit, als ich in Paris studiert habe.« Natürlich habe er sich damals oft in der Kathedrale aufgehalten – und irgendwann sei es durch die Vermittlung seines Lehrer zu dem Konzert gekommen.

Viele Kontakte hat Kagl noch aus der damaligen Zeit. Und mit ihnen hat er sich sofort intensiv ausgetauscht, nachdem er Bilder der brennenden Kirche gesehen hatte. Über Whatsapp und Facebook liefen die Kontakte, der Herforder erhielt Aufnahmen und Informationen zugesendet. Gestern dann irgendwann die Nachricht, die in all dem Schrecken etwas Positives hat: Die Orgel scheint nicht zerstört worden zu sein.

Nachts alleine an der Orgel

Immer wieder spricht der Protestant Kagl von einem Wunder: »Vor allem, wenn man Bilder von oben gesehen hat, wo man dachte, da bleibt nichts heile.« Dennoch überwiegt im Augenblick die Erschütterung – und der Kantor reißt in wenigen Worten an, wofür Notre-Dame steht: »Es ist einer der wichtigsten Orte der europäischen Musikgeschichte, dort begann die europäische Mehrstimmigkeit.« Und Notre-Dame sei eine der schönsten Kathedralen überhaupt.

Ein großer, ein geradezu magischer Ort, dazu unzählige Touristen: Vor dem Hintergrund der Menschenmassen erinnert sich der Organist auch an die Proben besonders intensiv: »Immer nachts und ganz alleine. Schon das hatte etwas sehr Feierliches.«

Am 8. Mai 2011 gespielt

Für einen Musiker ist es eine Auszeichnung, in der weltberühmten Kathedrale spielen zu dürfen. Diese Anerkennung wird durch das zweite Konzert Kagls noch gesteigert: Es war am 8. Mai 2011 – dem Tag der Befreiung und des Kriegsendes. Der Musiker sagt: »Für einen Deutschen ist es nicht selbstverständlich, an einem solchen Gedenktag in Frankreich ein Konzert geben zu dürfen.«

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