Do., 25.04.2019

Nach schwerem Unfall auf der A2: Ärzte im Klinikum retten 25-Jährige »Man schenkte mir ein zweites Leben«

Mit schwersten Verletzungen war Angelina Zedlitz nach einem Unfall am 3. Oktober ins Klinikum eingeliefert worden. Heute geht es ihr wieder gut, dank der Hilfe ihrer Lebensretter (von links) Dr. Sebastian Weinelt, Marwan Abushammala, Dr. Rainer Lüttmann, Dr. Thomas Köhler und Dr. Rainer Denstorf-Mohr.

Mit schwersten Verletzungen war Angelina Zedlitz nach einem Unfall am 3. Oktober ins Klinikum eingeliefert worden. Heute geht es ihr wieder gut, dank der Hilfe ihrer Lebensretter (von links) Dr. Sebastian Weinelt, Marwan Abushammala, Dr. Rainer Lüttmann, Dr. Thomas Köhler und Dr. Rainer Denstorf-Mohr. Foto: Klinikum

Herford (WB). Den 3. Oktober 2018 wird Angelina Zedlitz nie vergessen. Sie ist mit ihrem Freund unterwegs auf der A2. Plötzlich kommt der Wagen von der Fahrbahn ab, rast in ein Waldstück im Bereich Exter, prallt gegen einen Baum. Das Auto geht in Flammen auf. Der Fahrer stirbt. Die 25-Jährige wird in letzter Minute aus dem brennenden Fahrzeug gezogen. Den Notfallärzten des Herforder Klinikums verdankt sie ihr Leben.

In diesem Auto stirbt der Fahrer, Angelina Zedlitz kann gerettet werden. Foto: Jürgen Gebhard

Als einer der ersten an der Unfallstelle ist Dr. Sebastian Weinelt. Der Oberarzt der Uniklinik für Anästhesiologie im Klinikum Herford war an dem Tag als Notarzt im Einsatz: »Wenn man an einen solchen Unfallort kommt, muss alles sehr schnell gehen. Die Handgriffe müssen sitzen. Für die schwerverletzte Patientin kam es auf jede Minute an.« Vom Eintreffen des Notarztes an der Unfallstelle bis zur Ankunft im Klinikum dauerte es keine halbe Stunde.

Ärzte arbeiten Hand in Hand

Dienst in der dortigen Notaufnahme hatte Oberarzt Dr. Thomas Köhler. »Wenn ein schwerverletzter Mensch, ein sogenanntes Polytrauma, in unsere Notaufnahme eingeliefert wird, dann gibt es ganz klare Behandlungsalgorithmen. Ein multiprofessionelles Team arbeitet immer Hand in Hand zusammen,« berichtet der Mediziner.

Im Schockraum würden die Patienten stabilisiert, beatmet oder mit Flüssigkeit versorgt. Köhler: »Was lebensnotwendig ist, passiert immer zuerst. Gleichzeitig müssen wir uns ein Bild davon machen, welche Verletzungen es gibt. Einen vollständigen Überblick darüber gibt uns die Computertomografie .«

Richtige Operationszeit

Schnell wird klar, wie schwer Angelina Zedlitz verletzt ist. Sie hat ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, das Becken ist zertrümmert, die Wirbelsäule gebrochen, das Ellbogengelenk ausgerenkt. Verletzungen, die vor allem operativ behandelt werden müssen.

»Operiert man hier aber zum falschen Zeitpunkt, riskiert man bei einem so schwer verletzten Menschen ein Multiorganversagen«, sagt der Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie, Dr. Rainer Denstorf-Mohr. Er und sein Team versorgen die schweren Knochenbrüche der jungen Frau.

Erste Wochen im Koma

Zwei Monate verbringt die 25-Jährige auf der Intensivstation des Klinikums, die ersten Wochen im Koma. Nach und nach wird sie operiert, erholt sich von ihren Verletzungen – auch von den seelischen.

Von Anfang an ist Dr. Rolf Stecker an ihrer Seite. Der Diplom-Psychologe und Psychotherapeut leitet das Institut für klinische Psychologie des Klinikums. Er weiß um die Bedeutung einer frühen psychologischen Betreuung: »Ein so schwerer Autounfall, wie ihn Frau Zedlitz erlebt hat, hat eine starke traumatische Wirkung. Eine posttraumatische Belastungsstörung kann die Folge sein und sich zu einer schweren psychischen Erkrankung entwickeln.«

Keine Erinnerungen

Zuhören und den Menschen dort abholen, wo er gerade steht, das sei für ihn in einer solchen Situation wesentlich. An den Unfall selbst und die dramatischen Folgen kann sich Angelina Zedlitz nicht mehr erinnern.

Sechs Monate nach dem Unfall reist die junge Frau mit dem Zug von ihrem Wohnort Bochum nach Herford, um sich erste Implantate entfernen zu lassen, die zur Knochenstabilisierung eingesetzt worden sind. »Das lasse ich bewusst hier am Klinikum machen, weil die Ärzte mich operiert haben, mich kennen und vor allem, weil ich Vertrauen habe. Ich bin froh, dass ich nach dem Unfall hierhergekommen bin.«

Dank an die Lebensretter

Während sie darüber spricht, fährt sie sich über den rechten Arm. »Ein bisschen unbeweglich ist er noch«, sagt sie, »aber dass ich so kurze Zeit nach diesem schweren Unfall schon fast wieder die Alte bin, ist unbeschreiblich. Mir wurde ein zweites Leben geschenkt, dank meiner Retter.«

Notarzt Sebastian Weinelt, im Oktober 2018 der Erste am Unfallort, trifft in seiner Funktion als Anästhesist nun wieder auf Angelina Zedlitz. In ein paar Stunden wird er die Narkose leiten. »Schön, dass wir uns sehen«, sagt sie und greift dabei mit beiden Händen nach seiner Hand: »Sie haben mir wohl das Leben gerettet.«

Kommentare

Die Pflege mal wieder nicht erwähnt

An sich ein schöner Artikel. Nur wieder einmal, wie nicht anders zu erwarten, fehlt der Bezug zum Pflegepersonal, welches ebenso einen nicht unerheblichen Anteil wenn nicht sogar, und vor allem zuletzt, mit der Patientin viel Zeit verbracht hat und die Gespräche geführt hat wenn die Ärzteschaft mit ihrem Latein am Ende war. Danke dafür!

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