Fr., 17.05.2019

Steigende Kosten, ausbleibende Gäste: Traditionsbetrieb in Herford vor dem Aus Hotel Stille: Käufer gesucht

Gabriele Pankoke und André Fehse stehen an der Rezeption. Die beiden Geschäftsführer hoffen zeitnah, einen Käufer für ihr Hotel und Restaurant in Falkendiek zu finden. Das Anwesen an der Löhner Straße kostet 950.000 Euro.

Gabriele Pankoke und André Fehse stehen an der Rezeption. Die beiden Geschäftsführer hoffen zeitnah, einen Käufer für ihr Hotel und Restaurant in Falkendiek zu finden. Das Anwesen an der Löhner Straße kostet 950.000 Euro. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Das Hotelsterben geht weiter: Einer der ältesten Gastrobetriebe in Herford steht zum Verkauf. »Der wirtschaftliche Druck wird immer größer«, begründet Stille-Chefin Gabriele Pankoke den Entschluss.

Es hat wahrlich schon bessere Zeiten am Fuße von Falkendiek gegeben: Als vor der Tür an der Löhner Straße kein freier Parkplatz zu bekommen war, sich die Hotelgäste die Klinke in die Hand gaben, die Tische im Restaurant zweimal hätten vergeben werden können und die Kegelbahn ständig belegt war.

Mittlerweile ist das anders: Steigende Kosten, Personalmangel, ausbleibende Gäste und immer mehr Vorschriften der Behörden – »Dinge, die uns das Leben nicht einfacher machen«. Diese Investitionen seien für den normalen Gast nicht sichtbar. »Natürlich habe ich auch manche schlaflose Nacht. Ich trage schließlich die Verantwortung für meine neun Mitarbeiter. Und die Stammkunden sind mir sehr ans Herz gewachsen. Aber so konnte es nicht weitergehen«, sagt Gabriele Pankoke.

Kaufpreis liegt bei 950.000 Euro

Ihr Sohn habe frühzeitig signalisiert, nicht als Nachfolger zur Verfügung zu stehen, erklärt die Herforderin. Verstehen könne sie seine Entscheidung. »Auch ich wollte eigentlich nie in die Gastronomie«, sagt die Tochter der ehemaligen Pfennigskrug-Betreiber. Das Hotel-Restaurant an der Engerstraße führt inzwischen ihr Bruder. Die Liebe brachte Gabriele Pankoke später dann aber doch ins Gaststättengewerbe – und zwar ins Hotel Stille.

Das große Anwesen wird im Internet für 950.000 Euro angeboten. Zwischenzeitlich war mit Lars Uhlen sogar schon fast ein Käufer gefunden worden. Doch den Geschäftsführer des Bonitas-Pflegedienstes zog es mit seinen Lehrsälen dann auf den Bildungscampus. »Es wäre toll gewesen, wenn das geklappt hätte«, sagt Gabriele Pankoke.

Die 54-Jährige führt Stille seit 1990 in vierter Generation, seit 2009 mit ihrem neuen Lebenspartner André Fehse (45). Das Objekt wurde um 1900 erbaut.

31 Zimmer, 43 Betten, 120 Parkplätze

Der An- und Umbau in ein Hotel erfolgte vor 29 Jahren, wobei auf zwei Ebenen 31 Zimmer mit insgesamt 43 Betten zur Verfügung stehen. »Bei uns übernachten Handelsvertreter, Monteure und Mitarbeiter anderer Unternehmen. Touristen gibt es ganz wenige«, sagt Gabriele Pankoke, die in der Betreiberwohnung oben drüber wohnt.

Ein Biergarten mit Sonnenterrasse lädt zum Verweilen ein. Hier stehen 50 Sitzplätze zur Verfügung, im Restaurant sind es 60. Weiterhin befinden sich im Erdgeschoss vier Tagungsräume mit einer Kapazität für bis zu 150 Personen. Auf dem 7000 Quadratmeter großen Grundstück befinden sich etwa 120 Pkw-Stellflächen sowie zusätzliche Bus-Parkplätze.

Generotzky, Ehrler, Pohlmann, Sporthotel, Cascada-City und Alt Herford sind bereits Geschichte. Bald wird mit Stille wohl das nächste Hotel aus dem Herforder Stadtbild verschwunde n sein.

Kommentar von Moritz Winde

Cascada-City-Hotel, Ehrler, Alt Herford, Sporthotel und Pohlmann sind bereits dicht, bei Robrook in Sundern und Stille in Falkendiek läuft der Betrieb zwar noch, doch wie lange noch? Beide sollen verkauft werden. Wer sich ein Hotel zulegen möchte, hat in Herford reichlich Auswahl. Es sind vor allem privat geführte Häuser auf dem Land, die vom Markt verschwinden.

»Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit« – in diesem Sprichwort steckt etwas Wahres. Eiche rustikal ist offenbar nicht mehr gefragt. Da können sich die Betreiber noch so ins Zeug legen: Wenn unterm Strich nichts übrig bleibt, nützt alles Herzblut der Welt nichts.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass der bürokratische Aufwand so manchen Hotelier in die Knie gezwungen hat. Jeder noch so kleine Arbeitsschritt muss dokumentiert werden. Große Ketten können dies besser managen als kleine Familienbetriebe.

Während drumherum ein Hotel nach dem anderen schließt, entsteht im Marta-Viertel derzeit ein 135-Betten-Haus. Beim Blick in die Übernachtungsstatistik könnten Zweifel angebracht sein: Die Auslastung in der Stadt Herford liegt laut Tourismusverband NRW gerade einmal bei 32 Prozent.

 

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