Weshalb eine Vogelfamilie in Herford ihrem Nachbarn dankbar sein kann
Hier haben Gänse Vorfahrt

Herford (WB). Sie sind gerade einmal so groß wie ein Tennisball und watscheln liebend gern über die Straße. Dass diese Ausflüge tödlich enden können, ist den Baby-Wildgänsen natürlich nicht klar. Gut, dass es Egon Stranghöner gibt.

Samstag, 18.05.2019, 07:07 Uhr aktualisiert: 18.05.2019, 11:08 Uhr
Die Gänsefamilie auf dem Stedefreunder Mühlenteich. Foto: Moritz Winde
Die Gänsefamilie auf dem Stedefreunder Mühlenteich. Foto: Moritz Winde

Der 72-Jährige hat ein Herz für Vögel. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass noch alle sechs Küken im kalten Wasser des Stedefreunder Mühlenteiches herumplanschen.

Donald Duck verschönert die Schilder

Wildgänsefamilie in Herford

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Wer weiß, ob das halbe Dutzend Federvieh ohne den Nachbarn noch zusammen wäre. »Hier sind viele Autofahrer durchgebrettert. Die Strecke wird gerne als Schleichweg benutzt. Ein Tempolimit gibt’s nicht«, sagt er.

Gegen die rollende Gefahr im Glockenweg muss man doch etwas tun können, dachte sich der Rentner und griff zum Telefonhörer. Bei der Stadt Herford sei er sofort auf offene Ohren gestoßen. Aus Sorge um die Wildgänse bat der Anwohner um Maßnahmen zum Schutz der Tiere.

Wegen voraussichtlicher Erfolglosigkeit verzichtete der städtische Mitarbeiter auf die Aussprache eines Platzverweises gegenüber den Gänsen und ordnete für den Glockenweg stattdessen die beidseitige Aufstellung des Verkehrszeichens »Gefahrenstelle« (Ausrufezeichen) ergänzt um das – nach der Straßenverkehrsordnung nicht vorgesehene – Zusatzschild »Wildgänse« an.Bereits am nächsten Tag stellte die SWK die Schilder vor Ort auf – zusätzlich verschönert mit einem Bild von Donald Duck.

Achtung Wildgänse: Egon Stranghöner (72) hat die Schilder nach Stedefreund in den Glockenweg geholt.

Achtung Wildgänse: Egon Stranghöner (72) hat die Schilder nach Stedefreund in den Glockenweg geholt. Foto: Moritz Winde

Vorsicht vor Gustav Gans

Kommentar

Kaum zu glauben, wie schnell Herfords Verwaltung reagieren kann. Normalerweise braucht es ja für jede noch so kleine Sache einen Antrag. Dann wird geprüft, beraten, diskutiert – und im besten Fall genehmigt. Die Einhaltung des Dienstwegs kann dauern. Dass es auch anders geht, zeigt das schöne Beispiel aus Stedefreund – nämlich ruckzuck. Innerhalb von 24 Stunden standen die Schilder zum Schutz der Tiere. Das ist lobenswert. Dieses unbürokratische Handeln wünscht man sich öfter – und zwar nicht nur bei Wildgänsen. Moritz Winde

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Durch das schnelle und unbürokratische Handeln aller Beteiligten konnte eine Unfallgefahr sowohl für die Wildgänse als auch für die Auto-, Motorrad- und Fahrradfahrer abgewendet werden.

»Insbesondere den jungen Wildgänsen wünscht die Ordnungs- und Straßenverkehrsbehörde ein sorgenfreies Aufwachsen in Stedefreund«, sagt Amtsleiter Lothar Sobek.

Erst vor zwei Wochen waren die Kanadagänse zur Welt gekommen. Egon Stranghöners erster Gang am Morgen führt jetzt immer an den Weiher. »Dann zähle ich durch, ob alle noch da sind.«

Die neuen Schilder zeigten bereits Wirkung. Autofahrer seien deutlich langsamer unterwegs. Und nicht nur das: Seitdem sich die Nachricht vom niedlichen Nachwuchs herumgesprochen habe, würden viele anhalten und die Gänsefamilie beobachten.

Zu nah sollte man ihr allerdings nicht kommen. Mit Papa Gustav ist nicht zu spaßen. Ausgewachsene Tiere können sogar Waschbären, Marder und Füchse in die Flucht schlagen. Sobald die Jungvögel flügge sind, sollen die Warnhinweise wieder verschwinden.

 

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