Do., 16.05.2019

1350 Veranstaltungen der Volkshochschule bieten Bildung für jedes Alter Von Astronomie bis Zumba

Ja, es gibt tatsächlich viele Menschen, die noch keine Erfahrung am PC haben. Dafür ist Dozent Thorsten Lüer (Mitte) da. Er unterrichtet im Basis-Kurs Männer und Frauen unterschiedlichen Alters, wie Georg Bich (67) aus Bünde und Chrysi Rizou (50, rechts) aus Vlotho.

Ja, es gibt tatsächlich viele Menschen, die noch keine Erfahrung am PC haben. Dafür ist Dozent Thorsten Lüer (Mitte) da. Er unterrichtet im Basis-Kurs Männer und Frauen unterschiedlichen Alters, wie Georg Bich (67) aus Bünde und Chrysi Rizou (50, rechts) aus Vlotho. Foto: Bärbel Hillebrenner

Von Bärbel Hillebrenner

Herford (WB). Georg Bich ist 67. Computer sind für ihn wie die sprichwörtlichen »böhmischen Dörfer«. Er hat keine Ahnung von ihnen, versteht deren Handhabung nicht. Bis jetzt! Denn der Bünder besucht den Anfängerkurs in der Herforder Volkshochschule.

Mit Dozent Harald Hebel kann man Yoga machen oder die Klang-Meditation kennenlernen. Foto: Hillebrenner

Elektrotechnik war sein Thema, als Georg Bich noch berufstätig war. Nun ist er Rentner. In den Lehnstuhl setzen und sich ausruhen will er sich nicht. »Ich muss mein Gedächtnis auf Trab halten, da kann der Computerkurs bei der VHS doch nicht schaden«, sagt er. Einen Englischkurs habe er auch schon an der Herforder Bildungseinrichtung belegt. Für den einwöchigen Senioren-Kurs kommt er gern von Bünde nach Herford, wie auch die anderen fünf Teilnehmer. »Bei der VHS fühle ich mich gut aufgehoben. Und in so einer kleinen Gruppe wird jeder individuell betreut.«

Individuelle Betreuung

Der gleichen Meinung ist auch Chrysi Rizou. Die 50-Jährige kommt gebürtig aus Griechenland, hat in der Volkshochschule schon den deutschen Orientierungskurs besucht. Jetzt macht die Vlothoerin eine Ausbildung zur Sozialbetreuerin für Demenzkranke. »In diesem Computerkurs nutze ich die Zeit, den PC richtig kennenzulernen. Ich kann nämlich kaum etwas«, sagt Rizou.

Da ist wiederum Thorsten Lüer sofort zur Stelle. Der Dozent arbeitet seit 25 Jahren bei der Herforder VHS. »Mir macht es Freude, den Teilnehmern etwas beizubringen. Innerhalb der fünf Kurstage sieht man schon gute Fortschritte. Montags können sie nichts und Freitag sehe ich leuchtende Augen, weil sie schon eine Mail verschicken können«, sagt der 56-jährige IT-Spezialist, der als selbstständiger Fachmann sogar deutschlandweit unterwegs war.

Technische Ausstattung bestens

In der Volkshochschule arbeitet er gern. Die technische Ausstattung in den Unterrichtsräumen sei hervorragend, Betriebssysteme auf dem neuesten Stand und durch die bewusst geringe Gruppenstärke sei die Betreuung sehr persönlich. Von den anderen Dozenten – 389 insgesamt – kenne er einige, natürlich nicht alle. »Aber wir sind hier wie eine Familie. Die Verbindungen sind eng und der Kontakt zur Verwaltung unkompliziert«, sagt Lüer. Seit 19 Jahren ist er Mitglied im Förderverein der VHS und hier zweiter Vorsitzender.

1350 Veranstaltungen stehen in den Blauen Seiten, dem VHS-Programm. Der EDV-Bereich nimmt einen breiten Raum ein, ebenso wie Politik und Gesellschaft, berufsbezogene Weiterbildung oder das Sprachenangebot. Hier hört man selbst ungewöhnliche Laute: Afrikaans, Chinesisch, Suhaeli, Niederländisch – oder Japanisch.

Teilnehmer auf dem Plakat

Einzelhandelskaufmann Joschua Rogge lernt diese für Europäer schwierige Sprache – und ist begeistert: »Ich war überrascht, dieses Angebot in der VHS zu finden.« Mittlerweile kann er sich nicht nur in Alltagssituationen unterhalten, er ist auch eine kleine Berühmtheit geworden. Der junge Mann mit Piercing und Ring in der Nase entspricht nicht dem gängigen Klischee eines VHS-Besuchers – aber er ziert seit mehreren Monaten das Cover des VHS-Heftes und war auch auf den großen Plakaten im Stadtbild zu sehen.

Interview mit VHS-Leiterin Monika Schwidde

VHS-Leiterin Monika Schwidde

Bildung für alle Menschen, von hoher Qualität, in breiter Themenvielfalt: Das ist die Volkshochschule im Kreis Herford, gegründet 1946. Wie hat sich die Bildungseinrichtung entwickelt und wo steht sie heute? Darüber sprach Bärbel Hillebrenner mit VHS-Leiterin Monika Schwidde.

Frau Schwidde, vor zehn Jahren wurden von der VHS an die 25.000 Unterrichtsstunden angeboten, heute sind es 44.000. Eine rasante Entwicklung.

Monika Schwidde: Ja, das stimmt, ist aber auch der hohen Zahl an Angeboten für die Integration der Flüchtlinge geschuldet. 2016 hatte man das Gefühl, eine halbe VHS noch hinzu zu bekommen, durch zusätzliche Räume, Kursleitende und Teilnehmende. Hier wird außerordentlich engagiert gearbeitet, mit der Anzahl durchgeführter Kurse ›Einstieg Deutsch‹ stehen wir bundesweit an dritter Stelle.

 

Dadurch ging es der VHS aber auch wirtschaftlich gut, obwohl die Zweckverbandsumlage seit 21 Jahren stabil ist.

Schwidde: Das Land hatte die Förderung gekürzt, viele Jahre lang bis zu 28 Prozent. Die Kommunen waren nicht in der Lage, diese Lücke zu schließen. 1998 lag der Betrag aus dem Zweckverband bei 728.335, in 2019 bei 577.225 Euro, der Haushalt liegt mit Gebühren, Landes- und Bundeszuschüssen bei vier Millionen Euro. Wir sind schon jahrelang gefordert, die Selbstfinanzierungsquote zu erhöhen.

 

Das Programm 1975 war DIN A6 groß, hatte 192 Seiten, überraschte neben Kreativkursen auch mit Themen aus Politik, Literatur, Geschichte, Sprachen und Lebenshilfe. Heute sind die Blauen Seiten gefüllt mit 1350 Veranstaltungen.

Schwidde: Die VHS ist ja auch gegründet worden, um Bildung für alle und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Für jedes Semester überlegen die Fachbereichsleitungen, was können wir Bewährtes, aber auch Neues ins Programm heben. Was entspricht dem aktuellen Zeitgeschehen in Politik und Gesellschaft? Was ist im EDV-Bereich auf dem Markt?

 

Was bedeutet das?

Schwidde: Wenn zum Beispiel die Themen der Lebenshilfe stärker nachgefragt werden, dann suchen wir die passenden Kurse, die VHS ist da auch ein moderner Dienstleister geworden. Die Fachbereichsleitungen haben viele Kontakte, halten immer wieder Ausschau nach neuen, kompetenten Dozenten und Dozentinnen. Das ist nicht einfach, aber unser Anspruch.

 

Wo liegen die stärksten Entwicklungschancen?

Schwidde: Politik ist immer ein Thema, da suchen wir stets nach guten Referenten und Autorinnen. Aber auch durch die Digitalisierung und die Veränderung der Methoden im Arbeitsalltag müssen wir zum Beispiel in der berufsbezogenen Weiterbildung oder bei der EDV reagieren. Nehmen wir die Sprachen: Da sind wir international aufgestellt. Sie können bei uns Chinesisch, Japanisch, Arabisch, Russisch und sogar Suaheli lernen.

 

Davon profitieren ja sogar die Herforder Firmen.

Schwidde: Ja, wir haben bei einer Firma eine Schulung in Chinesisch durchgeführt, weil der Betrieb nach China expandieren wollte. Es gibt das Angebot ›Bildung auf Bestellung‹, ein individuelles, maßgeschneidertes Paket – ob es sich um einen persischen Kochabend handelt oder um Schulungen in Photoshop, Excel oder Outlook.

 

Die Herforder VHS hat sehr früh den Vorteil der sozialen Medien erkannt.

Schwidde: Richtig. Wir sind in der VHS-Landschaft Vorreiter auf diesem Gebiet. Facebook und Twitter nutzen wir schon seit Jahren. Am Puls der Zeit zu sein, geht aber nur mit einem Team, das sich gemeinsam diesen Herausforderungen stellt.

 

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