70 Jahre Grundgesetz: Stadt Herford will an große Tochter erinnern
Ein Denkmal für Frieda Nadig

Herford (WB). In Sonntagsreden ist die Leistung Frieda Nadigs oft präsent. Im öffentlichen Raum erinnert jedoch nichts an die große Herforderin. Das wird sich jetzt ändern. Die Stadt der starken Frauen wird ihrer vielleicht stärksten ein Denkmal bauen.

Donnerstag, 23.05.2019, 13:05 Uhr aktualisiert: 23.05.2019, 14:12 Uhr
Herford wird Frieda Nadig ein Denkmal bauen. Die Sozialdemokratin (1897-1970) ist eine von vier »Müttern des Grundgesetzes«. Foto: HdG
Herford wird Frieda Nadig ein Denkmal bauen. Die Sozialdemokratin (1897-1970) ist eine von vier »Müttern des Grundgesetzes«.

Heute vor 70 Jahren wurde das Grundgesetz verkündet. Es war zuvor von den 61 Männern und lediglich vier Frauen des Parlamentarischen Rates erarbeitet worden. »Männer und Frauen sind gleichberechtigt«, dieser zentrale Satz in Artikel drei gilt heute als selbstverständlich, war damals aber eine Provokation – und fiel zunächst

Nadigs Geburtshaus an der Hermannstraße 32 steht heute noch.

Nadigs Geburtshaus an der Hermannstraße 32 steht heute noch. Foto: WB

durch.

Denn das bürgerliche Gesetzbuch billigte bis dahin dem Mann nach der Heirat eine dominante Stellung zu: Er durfte unter anderem entscheiden, ob die Frau arbeiten, einen Führerschein machen oder ein Konto eröffnen darf.

Einsatz auch für Rechte unehelicher Kinder

»Und es hat lange gedauert, bis sich darin auch in der Praxis etwas geändert hat«, sagt die Herforder Gleichstellungsbeauftragte Karola Althoff-Schröder. Vergewaltigung in der Ehe wurde erst 1997 strafbar. Aber nicht nur für die Gleichstellung der Frau, auch für die Rechte unehelicher Kinder habe sich die Herforderin eingesetzt. Die Bedeutung von Frieda Nadig (1897-1970) könne deshalb nicht hoch genug eingeschätzt werden, pflichtet Bürgermeister Tim Kähler bei.

Und so wird Herfords große Tochter im nächsten Jahr ein Denkmal bekommen. Es wird Teil eines Gemeinschaftsprojektes mit dem NRW-Heimatministerium und den beiden anderen Städten in NRW, aus denen ebenfalls »Mütter des Grundgesetzes« stammen: Dortmund und Wuppertal.

»Ein Künstler oder eine Künstlerin wird in jeder der Städte mit einem Werk an diese Frauen erinnern, die dann optisch und inhaltlich in Verbindung stehen«, kündigt Kähler an. Es gehe also nicht um eine Statue oder bildliche Darstellung der Person.

Künstlerwettbewerb

Dazu werde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Man hoffe, mit Kassel auch die Heimatstadt der vierten Grundgesetzverfasserin einbinden zu können. Der Stadtrat hat am Freitag seine Zustimmung erteilt. Pro Kunstwerk stehe eine »nennenswerte sechsstellige Summe« in Aussicht – bei bis zu 80 Prozent Landesförderung. Bei der Standortsuche müsse man sensibel vorgehen. »Wir suchen einen belebten Ort, der zu der Botschaft passt.«

Das Projekt stehe am Anfang. »Wir wollen das Denkmal aber im nächsten Jahr einweihen.« Die Idee zu dieser städteübergreifenden Würdigung der Politikerinnen von SPD, CDU und Zentrum hatte Karola Althoff-Schröder. »Denn Frieda Nadig und die anderen sind wunderbare Vorbilder für Frauen in der Politik.«

19 Plakatwände erinnern an die Herforderin

Doch bereits in diesen Tagen ist Frieda Nadig im öffentlichen Raum gut sichtbar: 19 Großflächenplakate weisen noch bis Ende des Monats in Herford auf sie und 70 Jahre Grundgesetz hin. Und auch die AWO – Frieda Nadig hatte sie nach dem Krieg in der Region neu begründet und führte sie zwei Jahrzehnte – will die Erinnerung sichtbarer wachhalten: »Unser Berufskolleg am Bahnhof wird im Herbst in Frieda-Nadig-Haus umbenannt«, kündigt Thorsten Klute an, Vorstand der AWO in OWL.

Zudem hat die Stadt Herford auf ihrer Webseite (www.herford.de/Nadig) das private Leben und politische Wirken der Sozialdemokratin in Wort und Bild nachgezeichnet. In einem kurzen Video erinnert ihre Nichte Gisela Bäumer an ihre Tante.

Aber nicht nur das Erinnern steht zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes an. »Es bleibt mit Blick auf die Gleichstellung noch viel zu tun«, mahnt Klute. Bürgermeister Kähler sieht hier auch die Parteien in der Pflicht – nicht zuletzt seine eigene: »Die SPD hat, was die Beteiligung von Frauen betrifft, einen erheblichen Nachholbedarf.« Trotz Frieda Nadig.

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