Fr., 24.05.2019

20 Jahre Software-Unternehmen Perfact – Zentrale für zwei Millionen Euro eingeweiht Auf einer Butterfahrt hat’s Klick gemacht

Der Quadrant P aus der Luft fotografiert: Im ehemaligen Heinze-Sitz am Eupener Weg ist eine schmucke Zentrale entstanden. Hier arbeiten 50 kreative Köpfe an innovativen Software-Programmen. Der Bau hat zwei Millionen Euro gekostet.

Der Quadrant P aus der Luft fotografiert: Im ehemaligen Heinze-Sitz am Eupener Weg ist eine schmucke Zentrale entstanden. Hier arbeiten 50 kreative Köpfe an innovativen Software-Programmen. Der Bau hat zwei Millionen Euro gekostet. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Sie waren motiviert, mutig und wollten ihr eigenes Ding durchziehen: Startkapital brauchten sie nicht. Sie hatten ihre Köpfe. Und eine Vision. Wer weiß, ob diese Erfolgsgeschichte ohne eine Butterfahrt auf der Nordsee Realität geworden wäre.

Physiker Dr. Ján Jockusch (49) und Neuroinformatiker Dr. Robert Rae (50) entwickeln seit 20 Jahren professionelle IT-Lösungen. Sie sind Digitalisierungsdienstleister, Prozessoptimierer. Klingt sperrig, ist aber logisch. Ihre intelligenten Programme machen Unternehmen das Leben leichter – oder anders gesagt: Sie lösen Probleme, wodurch sich wiederum Geld sparen lässt.

Technologie wie im Baukasten-System

Jockusch (links) und Rae vor 20 Jahren bei der Firmengründung.

Kundenmanager Norbert Burkhard nennt ein Beispiel: »In einem Betrieb mussten die Mitarbeiter täglich 22.000 Schritte machen. Nachdem wir mit unserer Software die Abläufe verbessert haben, sind es nur noch 15.000.«

Die Technologie funktioniert wie ein Baukasten-System. Es gibt verschiedene Module, die auf die Bedürfnisse des jeweiligen Kunden angepasst werden. Der Clou: Es müssen keine Lizenzgebühren bezahlt werden. Rae: »Wir arbeiten mit Open Source, also mit Software, die uneingeschränkt genutzt werden kann.«

Perfact – nicht zu verwechseln mit »Perfect«, es handelt sich um einen Fantasienamen – heißt die Firma, die sich in zwei Jahrzehnten von einem Vier-Mann-Betrieb zu einem mittelständischen Unternehmen gemausert hat. 2018 lag der Umsatz nach eigenen Angaben bei 3,5 Millionen Euro. Passend zum runden Geburtstag hat sich Perfact selbst beschenkt.

Im ehemaligen Heinze-Sitz am Eupener Weg ist eine schmucke Zentrale entstanden: der Quadrant P. Der Name sei schnell gefunden worden, heißt es in einer Pressemitteilung. »Die Struktur des Gebäudes als Viertelkreis bildet dazu mit dem Anfangsbuchstaben P von Perfact die Basis.«

Jeden Morgen gemeinsames Frühstück

Zwei Millionen Euro sind in den Bau geflossen, in dem nach knapp zweijähriger Planungs- und Bauphase heute 50 Angestellte arbeiten. Es gibt ein Technikum, ein Fitnesscenter und jeden Morgen ein gemeinsames Frühstück. »Wir müssen uns um gute Leute kümmern«, sagt Dr. Robert Rae. Stichwort: Fachkräftemangel. Auch ein Grund, weshalb Perfact ausbildet.

Auf Knopfdruck: Perfact entwickelt Software für Unternehmen. Foto: Winde

Nicht nur die eigenen Beschäftigten wollen gehegt und gepflegt werden. Gleiches gilt für die Kundschaft. Perfact hat schon früh erkannt, dass eine Top-Software nicht automatisch zum Erfolg führt. Wer keinen Schimmer hat, wie sie funktioniert, wird sie nicht benutzen.

»Deshalb gehen wir in die Betriebe und weisen die Mitarbeiter ein. Durch die Kombination von Produkten und Dienstleistungen können wir maßgeschneiderte Lösungen bieten«, sagt Dr. Ján Jockusch.

Zu den Kunden zählt die Drogeriemarktkette Rossmann

Zu den bekanntesten Kunden zählt Rossmann. In den 3500 Filialen der Drogeriekette läuft genau so Perfact-Software wie bei Froneri, einem großen Lebensmittelkonzern. In weltweit 30 Froneri-Werken werden jährlich 1,5 Millionen Europaletten Speiseeis produziert – darunter Sorten wie Milka, Landliebe und Oreo.

Mit den Computerprogrammen made in Herford konnten die Arbeitsabläufe optimiert, Abteilungen vernetzt und so Fehler vermieden werden. Was früher die Kladde, ist heute die Software-Maske. Dort wird jeder Arbeitsschritt eingetragen. Zu Beginn ihrer Existenzgründung mussten die Pioniere reichlich Überzeugungsarbeit leisten. Kaum zu glauben, aber das Internet sei damals vielen Firmenchefs suspekt gewesen, erinnert sich Ján Jockusch.

Und was hat es mit der Butterfahrt auf sich? »Irgendwo auf See haben wir 1998 den Entschluss gefasst, uns selbstständig zu machen. Wir wollten unbedingt weiter forschen«, erinnert sich Robert Rae. Die Studienfreunde hatten den Trip von der damaligen Sekretärin der Uni Bielefeld geschenkt bekommen. Die Frau hatte selbst keine Lust auf die Bootstour – und ebnete mit ihrem Verzicht den Weg zu einer steilen Karriere.

Die Perfact-Geschäftsführer Dr. Ján Jockusch (links) und Dr. Robert Rae. Foto: Moritz Winde

 

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