Di., 11.06.2019

Gemeinde empört – Pfarrer Gerald Haringhaus in der Kritik Sonntagsmesse in St.-Johannes-Baptist-Gemeinde gestrichen

Die Abschaffung der Sonntagsmesse in ihrer Kirche wollen Dagmar Kaufhold (von links), Günther Stückmann und Reinhard Kloth nicht kampflos hinnehmen. Sie haben eine Unterschriftenaktion gestartet.

Die Abschaffung der Sonntagsmesse in ihrer Kirche wollen Dagmar Kaufhold (von links), Günther Stückmann und Reinhard Kloth nicht kampflos hinnehmen. Sie haben eine Unterschriftenaktion gestartet. Foto: Hannah Butz

Von Hannah Butz und Christina Bode

Herford (WB). Mit Beginn der Sommerferien soll der Sonntagsgottesdienst in der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist Vergangenheit sein. Als Grund wird der Personalmangel im Pastoralverbund genannt. Der Pfarrgemeinderat hat der Änderung bereits zugestimmt. Die Gemeinde fühlt sich hintergangen und will Widerstand leisten.

Die meisten Gemeindemitglieder erfuhren von der Neuigkeit im Vorfeld der Heiligen Messe am Samstagabend. Eine kleine Gruppe von Mitgliedern, die bereits von der Änderung im Gottesdienstplan wusste, hatte vor der Kirche eine Unterschriftenaktion organisiert. Ihre Ziele: die Gemeinde informieren und sich mit einem Brief an den Erzbischof richten.

Nachricht ist ein Schock

Für viele Gemeindemitglieder ist die Nachricht ein Schock. Die Reaktionen reichen von Ungläubigkeit (»Das gibt es doch nicht!«) bis Wut (»Eine Frechheit!«).

Der offizielle Grund für die Planänderung, die von Pfarrer Gerald Haringhaus eingebracht wurde, lautet: Personalmangel. Es habe im Vorfeld viele Überlegungen und Gespräche gegeben, aber durch den Wechsel von Vikar Michael Bendel in die Militärseelsorge und die Erkrankung des Subsidiars Konrad Kobinski würden zwei Personen fehlen, die sonst die Messen gehalten haben. »Am Sonntag finden jeweils zwei Messen gleichzeitig statt. Das kann eine Person alleine nicht mehr leisten«, sagt Haringhaus auf Anfrage dieser Zeitung.

»Soll sich die Kirche von innen heraus auflösen?«

Der Pfarrgemeinderat hat bereits abgestimmt, allerdings – und das ärgert viele besonders – ohne dabei die Gemeinde zu informieren. »Wir fühlen uns hintergangen, bisher hat uns keiner offiziell Bescheid gesagt. Das ist nicht in Ordnung«, klagt Günther Stückmann, einer der Initiatoren der Unterschriftenaktion. Die Kirche habe die Reformation, den Kirchenkampf Bismarcks und den Zweiten Weltkrieg überstanden. »Soll sie sich jetzt von innen heraus langsam auflösen?«, fragt er.

»Entscheidung ist nicht nachvollziehbar«

Dass es ausgerechnet St. Johannes Baptist treffen soll, hat für Gemeindemitglied Dagmar Kaufhold auch symbolischen Charakter: »Hier ist die katholische Urgemeinde der Stadt. Diese Entscheidung ist nicht nachvollziehbar«, sagt sie. Die Sonntagsmesse sei immer gut besucht, deshalb dürfe sie nicht abgeschafft werden, appelliert sie weiter. Es müsse eine Möglichkeit geben, die Messe weiterhin stattfinden zu lassen.

»Gemeindeleben schläft langsam ein«

Große Sorgen macht sich auch Renate Kuhn. Das Gemeindeleben schlafe langsam ein, die Jugendarbeit fehle, bemängelt sie und richtet eine klare Forderung an Gerald Haringhaus: »Als Seelsorger ist es die Aufgabe unseres Pfarrers, die Messe zu lesen.«

»Gemeinderat wurde überrumpelt«

Auch Dietmar Reuber, der als einziger im Pfarrgemeinderat gegen die Änderung gestimmt und die Informationen weitergegeben hat, ist entsetzt: »Der Gemeinderat wurde vom Pfarrer geradezu überrumpelt, niemand wurde vorher informiert«, versucht er, die Zustimmung des Rates zu erklären.

Für die beiden anderen Gemeinden des Pastoralverbunds, St. Paulus und Maria Frieden, gibt es vorerst keine Streichungen. Der Gottesdienst in St. Paulus wird von 11 Uhr auf 9.30 Uhr verlegt, die Messe in Maria Rast finde weiterhin um 9.30 Uhr statt. »Aber auch hier ist der Gottesdienst nicht verlässlich zu gewährleisten«, sagt Haringhaus.

Andere Kirchen haben nur noch eine Messe

In allen anderen Kirchen gäbe es bereits nur noch eine Messe. Darum sei die Wahl auf St. Johannes Baptist gefallen. Er könne den Ärger der Gemeindemitglieder verstehen, gleichzeitig aber keine perfekte Lösung präsentieren.

Auch wenn die Gemeindemitglieder von St. Johannes Baptist dort theoretisch an den Sonntagsmessen teilnehmen könnten, ist die Umsetzung mit Schwierigkeiten verbunden: So werde der Weg zu den weiter entfernten Kirchenhäusern etwa durch die fehlenden Busverbindungen am Sonntagmorgen erschwert, wird in dem Brief an den Erzbischof beklagt. Haringhaus sagt, dass mit dem Pfarrgemeinderat auch über Fahrgemeinschaften gesprochen wurde. »Aber die sind schon bei der Ferienordnung nicht angenommen worden«, sagt er.

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