Mi., 12.06.2019

27-Jähriger aus Aserbaidschan wegen elf Diebstählen zu Bewährungsstrafe verurteilt Keine Arbeitserlaubnis – da klaute er Räder

Vor Schulen und Bädern stehen viele Räder – das hat der Angeklagte ausgenutzt und deren Schlösser geknackt.

Vor Schulen und Bädern stehen viele Räder – das hat der Angeklagte ausgenutzt und deren Schlösser geknackt. Foto: dpa

Von Bärbel Hillebrenner

Herford (WB). Eine Vielzahl von Menschen geht morgens zur Arbeit, acht Stunden später wieder nach Hause. Am Monatsende gibt’s den Lohn. Wer diese Möglichkeit nicht hat, sucht sich andere Geschäftszweige – darunter auch illegale.

So hatte ein 27-jähriger Mann die Idee, seinen Lebensunterhalt mit dem Diebstahl und Weiterverkauf von hochwertigen Fahrrädern aufzubessern. Mit Rädern nämlich kennt er sich aus, arbeitete er doch nebenbei im Reparatur- und Tauschcafé an der Mindener Straße in Herford. Dort ging er auch seinen kriminellen Machenschaften nach – ohne dass der Inhaber davon wusste.

Ausbildung abgebrochen

Vor dem Herforder Amtsgericht musste er sich am Dienstag für  elf Diebstähle verantworten. Aus der Untersuchungshaft wurde er vorgeführt – mit Fußfesseln. Ohne diese Stahlmanschetten ging er aus dem Saal hinaus – in die Freiheit, aber mit einer 22-monatigen Bewährungsstrafe. Seine Erleichterung war offensichtlich, denn immerhin hatte der 27-Jährige schon zahlreiche Vergehen auf dem Kerbholz: Diebstahl, Körperverletzung, Fahren ohne Führerschein, Hehlerei.

Sein Anwalt Dr. Detlev Binder erklärte dem Gericht, dass diese Straftaten einige Jahre zurückliegen – in den letzten Jahren gab’s nichts zu bestrafen. Der Grund: Hatte der Mann aus Aserbaidschan Arbeit, verdiente er seinen Lebensunterhalt legal. Doch weil ständig das Damoklesschwert einer Abschiebung über ihm schwebt, musste er auf Anweisung der Ausländerbehörde seine Mechaniker-Ausbildung abbrechen. Auch eine Arbeitserlaubnis bekam er nicht. Richterin Alea Blöbaum: »Scheinbar gibt es hier für Sie keine Chance, legal zu arbeiten – außer Sie verlassen Deutschland.«

Telefongespräche überwacht

Das tat der junge Mann zwischenzeitlich durch eine freiwillige Ausreise nach Litauen. Doch zurück in Deutschland, nutzte er zum Geldverdienen eine andere Möglichkeit: Ausgerüstet mit Bolzenschneider und Kleintransporter fuhr er zwischen August und Dezember 2018 gezielt Bäder und Schulen in Herford, Enger und Gütersloh an – und knackte die Schlösser von Rädern hochwertiger Marken; Räder, die auch mal Werte von 1100 und 2200 Euro hatten. Die verkaufte er im Reparaturcafé, häufig an Kumpels. Durch eine Telefonüberwachung kam die Polizei ihm auf die Schliche.

Alle Taten gab der 27-Jährige zu. Er habe keine Chance gehabt, sein Leben in den Griff zu kriegen. Er wolle arbeiten, aber man lasse ihn nicht. Das Bedauern, die Diebstähle täten ihm leid, hört die Richterin oft. Die Strafe mindert es eher nicht.

Aserbaidschan nimmt ihn nicht auf

Und doch wollte das Gericht ihm wohl noch eine Chance geben. Ein Jahr und zehn Monate lautete das Urteil – aber auf Bewährung. So lange er noch in Deutschland ist, muss er jeden Monat 50 Stunden Sozialarbeit ableisten. Wo er sein künftiges Leben verbringen wird, weiß keiner: In Deutschland soll er nicht bleiben, in Aserbaidschan aber will ihn auch niemand.

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