Mi., 12.06.2019

Diskussion um St. Johannes Baptist – Kritiker sammeln Unterschriften Sonntags bleibt die Kirche leer

Blick in die leere Kirche St. Johannes Baptist: Im Sommer tritt eine Regelung in Kraft, wonach dort am Sonntagmorgen keine Messe mehr stattfindet. Kritiker der Planungen sprechen sich für eine Rotation mit anderen Gemeinden aus.

Blick in die leere Kirche St. Johannes Baptist: Im Sommer tritt eine Regelung in Kraft, wonach dort am Sonntagmorgen keine Messe mehr stattfindet. Kritiker der Planungen sprechen sich für eine Rotation mit anderen Gemeinden aus. Foto: Moritz Winde

Von Hartmut Horstmann

Herford (WB). Bis zu 200 Unterschriften haben die Initiatoren für den Erhalt der Sonntagmorgenmesse in St. Johannes Baptist bisher zusammengetragen. Wegen des Priestermangels kommt es zu Änderungen in der Gottesdienstordnung.

Mit Beginn der Sommerferien soll die neue Ordnung in Kraft treten. Die im Pfarrgemeinderat diskutierte und mehrheitlich beschlossene Regelung sieht vor, dass die Messe am Sonntag in der Innenstadtkirche St. Johannes Baptist entfällt. So soll gewährleistet sein, dass in den beiden anderen Herforder Gemeinden (St, Paulus/9.30 Uhr und Maria Frieden/11 Uhr) weiterhin eine Messe angeboten wird.

Rotation sinnvoller?

Alles andere als glücklich über die aktuelle Diskussion ist Pfarrer Gerald Haringhaus. Der Geistliche legt Wert auf die Feststellung, dass in St. Johannes Baptist auch weiterhin eine Sonntagsmesse angeboten werde: »Die Messe am Samstagabend zählt liturgisch auch als Sonntagsmesse.« Das Thema sei im Pfarrgemeinderat ausgiebig und ergebnisoffen diskutiert worden, sagt Haringhaus.

Man habe auch über mögliche Alternativen gesprochen. Gleichzeitig sei die neue Regelung nicht in Stein gemeißelt. So soll sich der Pfarrgemeinderat Anfang des kommenden Jahres erneut mit der Thematik beschäftigen und zum Beispiel überlegen, ob ein Rotationsverfahren sinnvoller wäre.

»Falsches Signal«

Dietmar Reuber, der im Pfarrgemeinderat als Einziger gegen die Änderungen gestimmt hat, befürwortet eine solche Rotation bereits jetzt – »und zwar im Wechsel mit der Pauluskirche«. Dann wäre jede der beiden Gemeinden an jedem zweiten Sonntag an der Reihe. Eine komplette Streichung hält Reuber für ein falsches Signal.

Auch wenn er weiß, dass eine Samstagabendmesse als Sonntagsmesse gilt, betont er: »Das ist doch ein großer Unterschied. Vor allem ältere Leute gehen im Winter abends im Dunkeln nicht so gerne nach draußen.« Etwa 80 Besucher kommen durchschnittlich zu den Gottesdiensten am Samstagabend, am Sonntagmorgen werden 100 bis 120 gezählt.

Am nächsten Sonntag sollen vor der Kirche wieder Unterschriften gesammelt werden – unabhängig davon kann man sich an den Mitinitiator unter d.w.reuber@tischlereireuber.de wenden.

»Regelung ist kein Diktat«

Eine andere Möglichkeit, die rechtlich noch zu prüfen sei, bringt Pfarrgemeinderats-Vorsitzender Stefan Heckers ins Gespräch: »Man könnte in St. Johannes Baptist vielleicht einen Wortgottesdienst anbieten.« Dabei handle es sich um keine reguläre Messe, daher benötige man dafür auch keinen Pastor.

Wichtig ist Heckers, dass die ab den Sommerferien geltende Regelung keineswegs als Diktat zu verstehen sei. Der Pfarrgemeinderat habe über das Thema ausführlich gesprochen. Jetzt gelte es, die weitere Entwicklung zu betrachten – um dann zu schauen, was langfristig die beste Lösung ist.

Kommentar

Dass die Streichung eines Gottesdienstes für Unmut sorgen würde, war zu erwarten. Denn kein Mensch nimmt gerne Abstriche in Kauf. In diesem Fall betrifft der Wegfall jedoch die älteste katholische Kirche Herfords – und hier kann schnell der Eindruck eines Signalcharakters entstehen. Daher sollten die Verantwortlichen für den kritischen Unmut dankbar sein. Er offenbart, dass die Menschen ihrer Kirche nicht gleichgültig gegenüber stehen.

Wenn die Gemeinde das Gefühl hat, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, zeigt sich hier ein Kommunikationsproblem. Die Leitungsebene darf dies nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wenn es später darum geht, zu prüfen, ob sich die neue Regelung bewährt hat, besteht die Chance, die Gemeinde frühzeitig einzubinden.

 

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