Fr., 14.06.2019

RGH-Schüler bringen »Die Verwandlung« auf die Theaterbühne Kafka neu interpretiert

Von Sophie Hoffmeier

Herford (WB). »Muss ich den Druck aushalten? Wie soll ich damit umgehen?« Solche Fragen haben sich die Schüler des Literaturkurses der Q1 am Ravensberger Gymnasium gestellt. Im Stadttheater gab es in zwei Aufführungen ihre Interpretation von Kafkas »Die Verwandlung« zu sehen.

 

Die Aufführung startet mit einer aufwendigen Verwandlungs-Choreografie, die von den Schülern zusammen mit Pädagogin Paula Salas erarbeitet wurde. Gregor Samsa erwacht aus unruhigen Träumen und findet sich selbst als Ungeziefer verwandelt in seinem Zimmer wieder. Dabei ist er eigentlich Versorger der Familie und nun nicht mehr fähig, den Lebensunterhalt der Familie zu bestreiten. Seine größte Angst ist es, von seinen Angehörigen als nutzlos und angsteinflößend angesehen zu werden.

Der Umgang mit Druck und Erwartungen

Und so befindet sich der Zuschauer direkt mitten im zentralen Thema der Inszenierung: Der Umgang mit Druck und Erwartungen ist Kernelement der Neuinterpretation des Klassikers. Die Schüler bringen »Die Verwandlung« in einer einstündigen Aufführung auf die Bühne und untermalen die Handlung mit Hits wie »Easy Like Sunday Morning« und »All I Want« von Kodaline.

An Kafkas »Die Verwandlung« haben sich schon unzählige Gruppen herangewagt. Die berühmte Erzählung aus dem Jahr 1912 bietet unzählige Interpretationsmöglichkeiten. »Die Schüler haben sich diesen Schwerpunkt selbst angesucht, weil es das ist, was sie in ihrem Alltag bewegt«, erklärt Literaturkursleiter Hermann Kloos. Ein Jahr lang haben die 16 Darsteller intensiv an dem Stück gearbeitet und gerade zuletzt etliche Wochenenden dafür geopfert.

Ein Problem, das jeden angeht

Viele Handlungselemente sind stark mit dem Körper herausgearbeitet. Das Ungeziefer wird zu Beginn von sieben Jungen und Mädchen gespielt, um zu verdeutlichen, dass das Problem jeden angeht und jeder Gregor sein könnte. Gregors Verfallsprozess visualisieren sie anhand der abnehmenden Personen, die das Monster verkörpern, bis am Ende nur noch ein Teil übrig geblieben ist.

Viele Statements und Zwischensequenzen ergänzen die Haupthandlung. »Ich würde mit allem früher anfangen, mir die Zeit besser einteilen und öfter nein sagen«, stellen die Schüler fest. Moderne Elemente sind in den Grundstoff verflochten: So ist es eine Gruppe Reporter, die gegen Ende der Aufführung in die Wohnung der Familie stürmen und fordern: »Wir wollen die Exklusivrechte für den Livestream.« Als das Leben ihres Bruders ein Ende findet, bieten sie Grete Samsa an, ihre Geschichte zu erzählen: »Mein Leben mit dem Monster – ganz exklusiv«.

Freiräume zur Entfaltung

Am Ende stehen alle Darsteller geschlossen auf der Bühne und sagen »Ich bin nicht Gregor«. Damit wollen sie ausdrücken, dass sie sich dem in der Gesellschaft vorherrschenden Druck nicht beugen werden und sich Freiräume lassen wollen, um sich zu entfalten.

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