Di., 18.06.2019

Weidezaun durchtrennt, Strohballen abgefackelt: Herforder (21) muss ins Gefängnis Sohn legt Feuer auf elterlichem Hof

Feuerwehrleute kämpfen in der Nacht zu Pfingstmontag 2018 gegen 280 brennende Strohballen auf einem Hof in Herringhausen.

Feuerwehrleute kämpfen in der Nacht zu Pfingstmontag 2018 gegen 280 brennende Strohballen auf einem Hof in Herringhausen.

Von Moritz Winde

Herford (WB). Die Wut auf seinen Vater muss gewaltig gewesen sein: Ein heute 21-Jähriger hat auf dem elterlichen Hof in Herford großen Schaden angerichtet. Am Montag wurde der Brandstifter zu einem Jahr und vier Monaten verurteilt – und zwar ohne Bewährung.

Der junge Mann zeigte weder Reue, noch bat er um Entschuldigung. »Wir sehen keine positive Sozialprognose. Deshalb muss er ins Gefängnis, sollte das Urteil rechtskräftig werden«, sagte Richterin Dr. Tanja Schwöppe-Funk.

Fast noch schlimmer als die Taten an sich bezeichnete die Vorsitzende Richterin des Jugendschöffengerichts aber die Tatsache, dass der Hauptangeklagte drei Jugendliche in die Sache mit hineingezogen hatte. Die Jungs im Alter von 16 Jahren saßen ebenfalls auf der Anklagebank, kamen aber mit milden Strafen davon.

»Du Schlappschwanz!«

Das Quartett bestätigte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Demnach lief es in der Nacht zu Pfingstmontag 2018 folgendermaßen ab: Der 21-Jährige sammelte mit seinem Pick Up die drei Komplizen ein – wobei zwei von ihnen gar nicht wussten, dass sie in Kürze an Straftaten beteiligt sein würden. »Wir erfuhren erst im Auto von dem Plan«, sagte ein 16-Jähriger, der eigentlich mit seinem Kumpel im Garten zelten wollte. Er habe keinen Grund gehabt, dem Vater eins auszuwischen, auf dessen landwirtschaftlichen Betrieb er öfter mit angepackt hatte.

Als er Bedenken geäußert habe, sei er unter Druck gesetzt worden. Worte wie »Schlappschwanz« oder »Memme« sollen gefallen sein. »Weshalb hast Du trotzdem mitgemacht?«, fragte die Richterin. Der Teenager zuckte mit den Achseln und antwortete mit brüchiger Stimme: »Gruppenzwang.«

Der Wagen wurde auf dem Tennisplatz-Parkplatz in Eickum geparkt. Von dort ging es zu Fuß weiter. Zunächst durchtrennten die Vier sämtliche Litzen des Weidezauns. Es war reines Glück, dass die Pferde auf der Koppel nicht ausbüxten. Dann ging es mit einem Benzinkanister in Richtung Strohlager. Auf der Hälfte des Weges bekamen zwei kalte Füße. »Ich hatte Panik«, sagte einer der 16-Jährigen.

Familienstreit geht weiter

Der Sohn des Hofeigentümers verteilte den Kraftstoff auf dem getrockneten Gras und entzündete es mit einem brennenden Streichholz. 280 Strohballen gingen in Flammen auf, zwei Anhänger und ein Trecker wurden beschädigt. Zwei der drei Überwachungskameras funktionierten nicht, der Vater war in jener Nacht nicht zu Hause. Beides habe er nicht gewusst, beteuerte der 21-Jährige. Nur dem schnellen Eingreifen der Feuerwehr war es zu verdanken, dass der Brand nicht auf Nachbargebäude übergriff. Schaden: etwa 70.000 Euro.

Der Hauptangeklagte fühlte sich offenbar jahrelang ausgebeutet und ausgenutzt. »Ich habe bis zu 400 Stunden für ihn im Monat gearbeitet und nie etwas dafür bekommen – nicht einmal ein Dankeschön.« »Sie wollten Ihren Vater wirtschaftlich ruinieren«, stellte die Richterin fest.

Der juristische Familienstreit geht weiter. Im Juli sehen sich Vater und Sohn – sie sprechen kein Wort miteinander – vor Gericht wieder. Dort wird dem 21-Jährigen wegen des Diebstahls landwirtschaftlicher Geräte der Prozess gemacht.Sie gehörten – na klar – seinem Vater.

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