Do., 11.07.2019

Herforder Badbetreiber fährt Null-Toleranz-Politik – Einlasskontrollen noch kein Thema Haufenweise Hausverbote

Blick ins Freibad Elverdissen: Bei schönem Wetter tummeln sich hier mehr als 3000 Besucher am Tag. Am übernächsten Wochenende sollen es wieder an die 30 Grad werden. Dann soll erstmals ein Sicherheitsdienst patrouillieren. Am letzten Juni-Sonntag war die Situation auf der Liegewiese eskaliert.

Blick ins Freibad Elverdissen: Bei schönem Wetter tummeln sich hier mehr als 3000 Besucher am Tag. Am übernächsten Wochenende sollen es wieder an die 30 Grad werden. Dann soll erstmals ein Sicherheitsdienst patrouillieren. Am letzten Juni-Sonntag war die Situation auf der Liegewiese eskaliert. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Wer sich in den Freizeiteinrichtungen der Stadtwerke Herford daneben benimmt, fliegt raus: »Wir fahren eine Null-Toleranz-Politik. Derzeit sind mehr als 100 Hausverbote gültig«, sagt Betriebsleiter Markus Diering.

Wer einmal vor die Tür gesetzt wurde, darf sich bis auf Weiteres nicht mehr in einem der fünf Schwimmbäder oder in der Eishalle blicken lassen. Ein Hausverbot gelte mindestens für ein Jahr, sagt Markus Diering. Aber natürlich werde nicht jedes Vergehen gleich hart bestraft. »Gäste belästigen, Diebstahl oder Personal anpöbeln hat natürlich eine andere Qualität, als laute Musik zu hören. In einem solchen Fall lassen wir meist mit uns reden. Dann kann derjenige vielleicht am nächsten Tag wiederkommen.«

Diering stellt jedoch klar: Wer ein Ticket kaufe, gehe automatisch einen Vertrag mit den Stadtwerken ein. Und dann müsse sich der Besucher an die Hausordnung halten, die in jeder Einrichtung gut sichtbar an der Wand hängt.

Sich zu benehmen und an Regeln zu halten, scheint nicht allen zu gelingen. Wie berichtet, war am letzten Juni-Sonntag die Situation im Freibad Elverdissen eskaliert. Zwei junge Männer sollen zunächst andere Gäste belästigt und anschließend die Schwimmmeister beleidigt und bedroht haben.

Freibad-Pöbler sollen Südländer sein

Die Haus- und Badeordnung, hier Im Kleinen Felde, hängt gut sichtbar in jedem Schwimmbad der Stadtwerke Herford. Foto: Moritz Winde

Die 19 und 24 Jahre alten Herforder weigerten sich, das Familienbad zu verlassen. Sie wurden schließlich von Polizisten in Handschellen abgeführt und auf die Wache gebracht. Gegen die Krawallmacher werde wegen Bedrohung ermittelt, sagt Polizeisprecher Uwe Maser. Spekulationen, nach denen es sich bei ihnen um Ausländer handeln soll, wollte er nicht kommentieren. Nach Informationen dieser Zeitung handelte es sich um Südländer.

Nach diesem Vorfall, den eine Zeugin als beängstigend beschrieb, greifen die Stadtwerke nun zu neuen Mitteln. An besonders stark frequentierten Tagen soll ein Sicherheitsdienst in den Herforder Freibädern künftig für Recht und Ordnung sorgen.

Zwei Security-Mitarbeiter pro Bad sollen zwischen Liegewiese und Sprungturm patrouillieren und Störenfriede nach draußen befördern. Sie könnten zwei Tage vorher und somit kurzfristig engagiert werden, sagt Diering.

Er geht davon aus, dass die professionellen Aufpasser am 20./21. Juli erstmals zum Einsatz kommen werden. An diesem Wochenende soll es nämlich wieder an die 30 Grad heiß und dementsprechend voll werden. Gesichts- oder Taschenkontrollen am Eingang wie in sozialen Netzwerken gefordert, schließt der Betriebsleiter derzeit aus. »Das wäre wirklich der allerletzte Schritt.« Die Kosten für die Security-Einsätze müssen die Stadtwerke Herford bezahlen, also letztlich die Allgemeinheit.

Sicherheitsdienst macht gute Geschäfte

Dass es ohne Sicherheitsdienst nicht geht, hat der Schützenverein Oetinghausen schon vor geraumer Zeit festgestellt. Die Schützen veranstalten jedes Jahr mit 2000 Besuchern eine der größten Tanz-in-den-Mai-Partys der Region.

»Früher haben wir alles alleine geregelt und sind selbst dazwischen gegangen. Die Leute wurden aber zunehmend gewaltbereiter. Irgendwann wurden Messer und Schlagringe mitgebracht. Da haben wir Security eingeschaltet«, sagt der zweite Vorsitzende Manfred Hempelmann. Die Anweisung an die 15 Wachmänner: »Wer Randale macht, fliegt raus. Da sind wir rigoros.«

Benjamin Gloger ist Chef des Bünder Sicherheitsdienstes Kolibri mit 108 Mitarbeitern. Der 40-Jährige sagt, er könne sich vor Anfragen kaum retten. »Das Sicherheits- und Schutzbedürfnis der Menschen steigt.« Unter anderem passen seine Leute im Wellefreibad Melle auf. Seitdem die »Kolibris« dort Stellung bezogen haben, herrsche Ruhe. »Wir haben eben eine abschreckende Wirkung. Und das ist gut so.«

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6768654?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F