Do., 11.07.2019

Ein Jahr nach dem Auslaufen der Schule Meierfeld ist die Frage nicht beantwortet Was wird aus den Hauptschülern?

»Wir schultern das Problem alleine«, beklagt der stellvertretende Schulleiter der Gesamtschule Friedenstal, Bernd Höner. Schüler, die nach der Erprobungsstufe die Realschulen verlassen müssen, landen bei der Gesamtschule. Das sorgt für Schwierigkeiten.

»Wir schultern das Problem alleine«, beklagt der stellvertretende Schulleiter der Gesamtschule Friedenstal, Bernd Höner. Schüler, die nach der Erprobungsstufe die Realschulen verlassen müssen, landen bei der Gesamtschule. Das sorgt für Schwierigkeiten. Foto: Winde

Von Ralf Meistes

Herford (WB). Seit Sommer 2018, mit dem Auslaufen der Hauptschule Meierfeld, gibt es in Herford keine Hauptschule mehr. Sehr wohl aber Kinder, für die Unterricht auf Hauptschulniveau der richtige ist. Die Frage, was mit diesen Kindern geschieht, ist bis heute nicht beantwortet.

»Wir schultern die Probleme alleine«

»Wir schultern derzeit das Problem alleine«, sagte Bernd Höner, stellvertretender Schulleiter der Gesamtschule Friedenstal, in der Schulausschuss-Sitzung. Und er erntete keinen Widerspruch. Für die Schüler, die an der Realschule die Erprobungsstufe (Klasse 5 und 6) nicht schaffen, bleibt nur der Weg, ihre Schullaufbahn an der Gesamtschule fortzusetzen.

Anmeldezahlen kontinuierlich gesunken

Dabei richten sich die Lehrpläne der Gesamtschule an eine leistungsheterogene Schülerschaft. Was es aber für eine Schule bedeutet, wenn es heißt, da landen nur noch die Hauptschüler, dokumentieren die Anmeldezahlen der Gesamtschule der vergangenen Jahre. Im Schuljahr 2002/2003 hatte die 1987 gegründete Schule noch 172 Kinder im Jahrgang 5. Zuletzt hat die Schule mit nur noch 77 Anmeldungen die für diese Schulform eigentlich vorausgesetzte Vierzügigkeit unterschritten.

Probleme durch Schülerwechsel

Durch den Schülerwechsel von der Realschule auf die Gesamtschule ab Klasse 7, die auch als Abschulung bezeichnet wird, »sind mehr Schwierigkeiten entstanden, als ich gedacht habe«, räumte Bernd Höner ein. Angesichts dieser Entwicklung werde die Gesamtschule de facto zu einer Hauptschule. »Es muss etwas passieren«, forderte der stellvertretende Leiter der Gesamtschule im Ausschuss.

Räumliche Voraussetzungen schaffen

Der Arbeitskreis Schulentwicklungsplanung, in dem auch die Leiter der drei Realschulen mitwirken, hat erklärt, dass grundsätzlich die Einführung des Hauptschulbildungsgangs ab Jahrgang 7 an den Realschulen möglich sein soll. Voraussetzung sei, dass dieser Bildungsgang zeitgleich an allen drei Realschulen eingeführt wird. Darüber hinaus müssten auch die räumlichen Voraussetzungen geschaffen werden und es muss ausreichend Personal vorhanden sein.

In den vergangenen drei Schuljahren wurden durchschnittlich 55 Kinder mit Hauptschulempfehlung und eingeschränkter Realschulempfehlung an den Realschulen angemeldet. Dies entspricht zwei Klassenstärken. Mit einem Bildungsgang Hauptschule an den drei Realschulen müssten diese Schüler nach Klasse 7 ihre Schule nicht mehr verlassen.

Mehr Personal erforderlich

In der Vergangenheit war das Bilden von separaten Hauptschulklassen unter dem Dach einer Realschule mit dem Schulgesetz nicht vereinbar. Der jüngste Erlass aus dem Schulministerium erlaubt allerdings eine bis zu 50 Prozent äußere Differenzierung des Unterrichts. Mit anderen Worten: Die Hälfte des Unterrichts kann getrennt vom Klassenverband erfolgen. Hierzu benötigen die drei Herforder Realschulen allerdings mehr Räume und mehr Personal.

Zweieinhalb Lehrerstellen mehr im Endausbau des Hauptschulbildungsgangs an Realschulen sieht das Schulgesetz vor. Allerdings müssten diese Stellen dann auch besetzt werden. Derzeit sei eine Besetzung nicht ganz so einfach.

Hauptschulzwei an Realschulen

Noch problematischer ist die Raumsituation. Nach Auskunft der Beigeordneten Birgit Froese-Kindermann könnten an den Realschulen Ernst Barlach und Otto Hahn bis zum Schuljahr 2020/21 die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass der Hauptschulbildungsgang dort startet. An der Geschwister-Scholl-Realschule wäre dies erst im Schuljahr 2023/24 möglich. Für den Stadtrat stellt sich somit die Frage, ob sich deren Mitglieder über die Forderung der Schulleiter hinwegsetzen, die da lautete, dass nur an allen drei Realschulen gleichzeitig mit dem Hauptschulzweig begonnen wird.

Andernfalls würde man noch fast fünf Jahre warten (bis zum Umbau der Geschwister-Scholl-Schule), bis sich für die Gesamtschule etwas ändert. Für den stellvertretenden Schulleiter Bernd Höner wäre das wohl zugleich das Signal, dass die Stadt ihn und seine Gesamtschule mit dem Problem alleine lässt.

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