Sa., 13.07.2019

Duo »Stenzel & Kivits« sorgt für spektakulären Auftakt von »Mein Sommer, meine Stadt« Flügel-Ritt im Nieselregen

Nicht ist unmöglich: Seitlich aufgestellt wird der große Konzertflügel zum Pferd Rosinante und Tiny van den Eijnden zum Don Quijote. Wilbert Kivits sitzt dazu passend auf einem kleinen Schaukelpferd.

Nicht ist unmöglich: Seitlich aufgestellt wird der große Konzertflügel zum Pferd Rosinante und Tiny van den Eijnden zum Don Quijote. Wilbert Kivits sitzt dazu passend auf einem kleinen Schaukelpferd.

Von Thomas Meyer

Herford (WB). »Stadt ja, Sommer so lala.« Theaterchef Karl-Heinz Rohlf hätte sich zum Auftakt der Freiluft-Kulturreihe »Mein Sommer, meine Stadt« sicher besseres Wetter gewünscht. Doch das Musik-Duo »Stenzel & Kivits« machte das Beste draus und spielte so fulminant, dass sich sogar der Regen verzog.

Die bloßen Besucherzahlen waren freilich nicht mit Herforder Open-Air-Veranstaltungen bei Sonnenschein vergleichbar. Dazu geriet der Start ein bisschen holprig, nachdem sich die beiden Niederländer entschieden hatten, nicht in die Aula der Volkshochschule auszuweichen, dann aber erst einmal unter einem Zelt den stärksten Regen abwarteten (»Bei uns in Holland regnet es oder nicht. Hier regnet es halt ein bisschen«). Nach ein paar Witzen zum Aufwärmen ging es ohne das schützende Zelt weiter.

Beethovens 4. + Beethovens 5. = Beethovens 9.

Tiny van den Eijnden (Stenzel) und Wilbert Kivits spielen mit Überraschungen. Ein Sänger und ein Pianist, adrett im Frack gekleidet, brillante Stimme und virtuoses Klavierspiel: Das ist das Bild, auf das sich das Publikum einstellt. Wenn dann Kivits im wilden Spiel den ganzen Konzertflügel von der Bühne schiebt, dabei natürlich weiterspielt, beide den Flügel zurückwuchten und es ebenso bizarr weitergeht, dann kommen die Zuschauer aus dem Staunen nicht wieder heraus.

Der Flügel wird hochkant zur Hammond-Orgel, seitlich aufgestellt zum Pferd Rosinante aus Don Quijote. Den berühmten Opernsänger Enrico Caruso stellen Stenzel und Kivits für ein Halb-Playback-Duett mit einem Lautsprecher dar, präsentieren selbstaufbauende Notenständer, packen in der Zugabe Käselaib-Panflöte und Holzschuh-Xylophon aus.

Auf einem Plattenspieler legen sie Beethovens 4. und 5. Sinfonie vermeintlich übereinander und erhalten so die 9. Sinfonie, Schuberts »Unvollendete« vollenden sie per Rückwärtsdreh an der Schallplatte. Klamauk? Aber ja. Verballhornung von Musik und Komponisten? Mitnichten.

Duo verzweifelt am Publikumswunsch »Nussknacker«

Denn das, was das Duo macht, hat Hand und Fuß. Musikalische Perfektion, eine solide ausgebildete Stimme, versiertes Klavierspiel. Stenzel ist zudem begnadeter Conférencier, während Kivits mit ernstem Blick aussieht wie Beethoven und mit grüner Riesenbrille wie Elton John. Dabei hatten die Niederländer selbst reichlich Spaß. Etwa, als sie beim Publikumswunsch »Nussknacker« von Tschaikowski am Namen verzweifelten (»Nussenkracken« – heißt auf Niederländisch übrigens »De Notenkraker«).

Perfekt war auch das Finale: Friedlich betteten sie den leidgeprüften Flügel auf ein Kissen und deckten ihn mit Johann Sebastian Bachs Konterfei zu.

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