Sa., 20.07.2019

Eine Herforder Standesbeamtin erklärt, weshalb bei der Hochzeitszeremonie strikte Regeln gelten Filmverbot während der Trauung

Doris Hilgenböker ist die Teamleiterin der siebenköpfigen Standesbeamtinnen-Crew. Genau wie ihre Kolleginnen untersagt sie es, während der Zeremonie zu filmen. Die Trauung sei schließlich eine sehr persönliche Angelegenheit.

Doris Hilgenböker ist die Teamleiterin der siebenköpfigen Standesbeamtinnen-Crew. Genau wie ihre Kolleginnen untersagt sie es, während der Zeremonie zu filmen. Die Trauung sei schließlich eine sehr persönliche Angelegenheit. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Doris Hilgenböker hat noch nicht ganz das Hochzeitspaar begrüßt, da sind bereits haufenweise Handys auf sie gerichtet. »Meist wird gar nicht mehr gefragt, ob ich einverstanden bin«, bedauert die Herforder Standesbeamtin.

Einverstanden sei sie aber eben nicht damit, dass wahllos Aufnahmen von ihr gemacht würden – und beruft sich dabei auf das Recht am eigenen Bild. Es besagt, dass jeder Mensch grundsätzlich selbst darüber bestimmen darf, ob und in welchem Zusammenhang Bilder von ihm veröffentlicht werden.

Filmen verboten!

»Ich möchte nicht, dass ich im Internet gezeigt werde und dann womöglich noch über mich abgestimmt wird. Nach dem Motto: Wie fandest Du die Standesbeamtin? Daumen rauf oder runter?«

Ihre sechs Kolleginnen fahren dieselbe Strategie, auch wenn Ordnungsamtsleiter Lothar Sobek betont, es gebe hierfür keine Dienstanweisung. »Letztlich muss jeder selbst entscheiden, wie er das handhabt.« Er könne die doch recht strikte Haltung allerdings gut nachvollziehen. »Man weiß ja nie, in welche sozialen Netzwerken das Material hochgeladen wird.«

20 Smartphones vor der Nase

Doris Hilgenböker sagt, in den vergangenen Jahren habe das Filmen und Fotografieren stark zugenommen. Alles und jeder werde von jedem abgelichtet. »Es ist kein angenehmes Gefühl, wenn man 20 Smartphones vor der Nase hat.« Früher habe man ein Auge zudrücken können, weil die Hochzeitsgesellschaften nicht so groß waren und meist nur Papa mit der Super-8-Kamera gefilmt habe.

»Da war es dann egal, wenn sich die Familie die Aufnahmen später im Wohnzimmer noch einmal im kleinen Kreis angesehen hat. Aber heute steht der Film ja ruckzuck bei Youtube.« Und zudem sei die Traurede eine äußerst persönliche Sache mit vielen intimen Informationen.

Im Herforder Standesamt gelten daher klare Regeln: Während der Trauung dürfen keine Film- und Tonaufnahmen gemacht werden. Das Fotografieren hingegen ist erlaubt, allerdings nur von den Seiten. Niemand darf hinter die Standesbeamtin treten, die auf den Aufnahmen nicht zu erkennen sein darf. Es sei denn, es gilt eine andere Absprache.

Wahrung der Persönlichkeitsrechte

Damit besondere Momente wie Ringetausch, Kuss oder Unterschrift dennoch für die Ewigkeit vernünftig festgehalten werden können, wird die Zeremonie kurz unterbrochen. »Dann trete ich zurück und es können Film- und Fotoaufnahmen von meiner Seite des Schreibtisches gemacht werden«, sagt Doris Hilgenböker.

Diese Leitlinie habe nicht nur etwas mit der Wahrung der Persönlichkeitsrechte zu tun, sondern auch ganz praktische Gründe. »Ich empfinde es als störend, wenn ununterbrochen Kameras auf mich gerichtet sind. Ich bin dann nicht mehr so unbefangen«, sagt die Teamleiterin.

Weitaus strikter wird dieses Thema übrigens in Bielefeld gehandhabt. Dort sind Bild- und/oder Tonaufnahmen in den Trauzimmern während der Eheschließung im Allgemeinen nicht zulässig, sondern nur in Absprache mit der zuständigen Standesbeamtin erlaubt. Das Hochzeitspaar muss im Vorfeld sogar eine spezielle Erklärung unterzeichnen.

Heiraten in der Markthalle

300 Paare geben sich im Schnitt in Herford jedes Jahr das Ja-Wort. Bislang kann man dies an vier Orten tun. Neben dem klassischen Trauzimmer im Rathaus – dort finden 99 Prozent der Hochzeiten statt – stehen folgende Räume gegen Aufpreis zur Verfügung: der Fürstinnensaal im Hotel zur Fürstabtei, die Gehry-Lounge im Museum Marta und der Raum Bismarck im Hotel Waldesrand.

Weil diese Zimmer jedoch lediglich Platz für jeweils etwa 20 Gäste bieten und der Trend zu größeren Gesellschaften geht, ist voraussichtlich ab Ende 2019 das Heiraten auch in der dann sanierten Markthalle möglich – und zwar in der ehemaligen Frischehalle. »Dort ist Platz für 100 Gäste, Technik und Toiletten sind vorhanden. Und gewidmet ist der Raum auch schon, weil er städtisch ist«, sagt Ordnungsamtschef Lothar Sobek.

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