Mo., 29.07.2019

Theater im Aawiesenpark: Peter Trabner spielt Öko-Stück mit Baum Nur noch kurz die Welt retten

Peter Trabner (links) spielt nicht nur mit einem Baum, sondern auch mit dem Publikum. Hier diskutiert er mit einem Mann, den er für eine Spontanrolle auserkoren hat. Mehr als 100 Zuschauer verfolgen das Geschehen im Aawiesenpark.

Peter Trabner (links) spielt nicht nur mit einem Baum, sondern auch mit dem Publikum. Hier diskutiert er mit einem Mann, den er für eine Spontanrolle auserkoren hat. Mehr als 100 Zuschauer verfolgen das Geschehen im Aawiesenpark. Foto: Daniela Dembert

Von Daniela Dembert

Herford (WB). »Jetzt aber mal zackig ran hier! Wir haben doch nicht die ganze Nacht lang Zeit«: Von dem hektisch umherlaufenden Typen in Shorts und T-Shirt lassen sich die Besucher des Aawiesenparks gerne anraunzen. Schließlich handelt es sich um den Schauspieler Peter Trabner. Und der spielt mit einem Baum.

Berg aus Kühlschränken

Der Akteur stellt im Schatten einer Birke seine Adaption von Friedrich Hölderlins Drama »Der Tod des Empedokles« vor. Dafür beabsichtige er, ein Amphitheater in den Herforder Stadtpark zu bauen. »Ich stelle mir große Steinblöcke als Sitzränge vor. Ihr könnt alle Teil des Projekts werden und meine Trümmerfrauen sein«, versichert der Mime dem schmunzelnden Publikum.

Trabner, der Krimifans als Gerichtsmediziner Lammert aus dem Dresdner Tatort bekannt sein dürfte, beschreibt das imaginäre Bühnenbild: »Dort ein Haufen Klamotten, vor dem einige aus Bangladesch sitzen und die Nähmaschinen rattern lassen, hier ein gigantischer Berg aus Kühlschränken und Waschmaschinen, vor dem sich eine Gruppe Kinder um Schrottteile mit Edelmetallanteil prügeln.«

Trabner beschreibt ein Szenario, das eigentlich bedrückend, irgendwie surreal und beißend sarkastisch ist. Er und der Baum proben hart, um Hölderlins Drama ins Hier und Jetzt zu holen. Unterstützung ist da schon angebracht, findet Trabner, zieht sein Publikum ran, um die Szenen emotional zu kommentieren, und schreckt auch nicht davor zurück, ahnungslose Zuschauer zu Protagonisten zu machen.

»Weil wir’s können!«

»Was soll ich denn die Geschäfte in der Innenstadt stärken? Da gucke ich doch lieber ganz bequem hier im Internet.« Peter Trabner will einkaufen und formuliert, was viele Sofa-Shopper denken. Überhaupt, manchmal hilft’s ja, ehrlich zu sein.

»Wir kaufen gern beim Schuhdiscounter drei Paar zum Kurs von zweien, nippen am Vital-Wässerchen des Großkonzerns mit der süßen Vogelfamilie im Emblem, fahren mit dem SUV statt mit dem Rad und nehmen beim schwedischen Möbelriesen mehr Hotdogs als der Hunger verlangt. Weil’s billig ist. Und bequem. Und, wohl am wichtigsten: weil wir’s können.«

Harte Zeiten brechen an, als der Schauspieler sich zu einer ökologisch nachhaltig angelegten Produktion verpflichtet. Immerzu nötige ihn die Produktionsfirma zu unbequemem Ökofirlefanz. Richtig anstrengend und einengend sei das. Es kommt zum Eklat. Nach dem Rauswurf landet der Protagonist in einer Anstalt, lernt sich selbst lieb zu haben und bekommt zum Trost auch ein, zwei Päckchen mit Kleidung vom Lieferriesen mit dem Lächeln.

Ohne Zeigefinger

Spitz pointiert nimmt Trabner die Konsumgesellschaft der westlichen Welt aufs Korn, ohne dabei belehrend zu sein. Trabner, in Bückeburg geboren und in Berlin lebend, hält der Welt einen Spiegel vor.

Mit seinem Theaterstück für den öffentlichen Raum ist dem Schauspieler ein kleiner Geniestreich gelungen. Ertappt darf sich jeder der mehr als 100 Zuschauer an diesem Abend fühlen. Aber auch bestens unterhalten. Und wer weiß, vielleicht erzielt eine Narretei ja auch eindrücklichere Effekte als der stets erhobene Zeigefinger.

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