Ob Auto oder Spielfigur: Produkte der Schweichelner finden sich auf vielen Artikeln des täglichen Lebens
Peter Lacke haben den Alltag erobert

Hiddenhausen (WB). Ob morgens im Bad beim Schminken oder Rasieren, im Auto, bei Sport und Spiel, im Haushalt oder beim Fernsehen – überall begegnet man Produkten, die mit Lacken aus Hiddenhausen beschichtet sind. Das Familienunternehmen Peter Lacke in Schweicheln-Bermbeck macht es möglich.

Mittwoch, 07.08.2019, 08:00 Uhr
Auch im Auto begegnet man Produkten, die mit Lacken aus Hiddenhausen beschichtet sind. Das Familienunternehmen Peter Lacke macht es möglich. Foto:
Auch im Auto begegnet man Produkten, die mit Lacken aus Hiddenhausen beschichtet sind. Das Familienunternehmen Peter Lacke macht es möglich.

»Wir liefern Lacke für die Bereiche Auto, Elektronik, Lifestyle und Glas«, sagt David Peter, der in fünfter Generation das Familienunternehmen leitet. »Unser Schwerpunkt liegt mit 60 Prozent des Umsatzes in der Automobilindustrie.« Keine Automarke, die nicht auf die Lacke aus der Herforder Straße setzt. Dabei liefern die Schweichelner nicht direkt an die Autohersteller, sondern an Zulieferer, die ihre Teile mit den Lacken versehen.

 

Die Produkte

»Unsere Produkte werden vorwiegend im Inneren der Autos genutzt«, erklärt Peter. Die gesamte Instrumententafel ist sein Metier. Aber auch Autogriffe, Zierleisten, Felgen, Radkappen und Kühlergrills werden mit Peter-Lacken optisch aufgewertet.

»Neben der optisch hochwertigen Gestaltung kommt es bei Lack darauf an, dass er am Material haftet, kratzfest, lichtstabil, angenehm zu greifen und farbecht ist«, sagt der geschäftsführende Gesellschafter. So muss ein Auto zum Beispiel fünf Jahre in Mexiko in der Sonne stehen können, ohne dass sein Lack verblasst. Zu den diversen Tests gehört auch der für den Laien skurril klingende Cremetest. Hand- oder Sonnencremes sind kritisch, weil sie sich nicht verflüchtigen, den Lack aber nicht beschädigen dürfen.

David Peter ist stolz, dass sein Unternehmen, das bereits 1906 gegründet wurde, inzwischen zu den Top-3 der Lacklieferanten in der Automobilbranche gehöre. Den Erfolg führt er darauf zurück, dass die Firma stets in engem Kontakt zum Kunden stehe. In der Autoindustrie heißt das auch: »Wir sind international überall da präsent, wo große Automarken wie VW produzieren und deren Zulieferer sitzen.« Das verbessere die Geschäftschancen.

Es begann in China

»Alles begann vor 26 Jahren in China, als VW anfing, dort Autos zu bauen«, erinnert er sich. Inzwischen hat Peter Lacke 13 Tochterfirmen, unter anderem in Mexiko, in den USA nahe Detroit und in Kalifornien, in Russland, Polen, der Türkei sowie Indien. Ungarn kam als Standort der Fernseh-Industrie hinzu.

Neben den Tochtergesellschaften gibt es weltweit elf Servicegesellschaften, die nicht selbst produzieren, sondern die Produkte farblich anpassen und vertreiben.

80 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen im Ausland. Dort sitzen 70 Prozent der Mitarbeiter. Insgesamt sind es 580.

Dass die Qualität stets dieselbe ist, geben die global einheitlich Qualitätsnormen der großen Firmen vor. Dabei sei es gar nicht so einfach, überall auf der Welt dieselben Rohstoffe zu bekommen.

Neben der Automobilindustrie gehören Produzenten von Elektrogeräten wie Samsung, Philips, Nespresso, Saeco, De Longhi, Bosch, Elektrolux und Märklin zu den Abnehmern des heimischen Unternehmens. Ob exklusive Kaffeemaschine, Fernsehapparat, Waschmaschine oder elektrische Zahnbürste – alles ist mit Peter-Lacken beschichtet.

Ansprüche an die Entwickler

Ein Lacksystem besteht üblicherweise aus Grundierung, Farbschicht und Klarlack zum Versiegeln. »Oft ist es auch möglich, deren Eigenschaften auf nur eine oder zwei Schichten zu reduzieren«, erklärt der Geschäftsführer. Außerdem produziert Peter Lacke Effekt-, Schutz-, Haptik- und brillante Galvanolacke, das sind Lacke mit Chromoptik.

Besondere Ansprüche an die Entwickler stellen Glas- und Getränkebehälter. »Mit unseren Produkten werden sowohl Wein-, Gin- und Wodka-Flaschen als auch Parfümflakons bearbeitet«, so Peter. »Das heißt für uns, dass der Lack alkoholbeständig sein muss.« Die Farbe auf Trinkgläsern muss außerdem 500 Spülmaschinenzyklen überleben. Zahnbürsten dürfen im Mund keine Schadstoffe absondern.

Die Produktion erfolgt auch hier in enger Abstimmung mit den Designern der Firmen. Einmal pro Woche sind die Fachleute aus Schweicheln bei den Kunden, um gemeinsam neue Optiken zu entwickeln. Die Kunden haben so klingende Namen wie Gucci, Chanel und Fürst von Metternich. Doch auch die Coca-Cola-Gläser von McDonald’s und die katzenförmigen Flaschen der Niersteiner Weingenossenschaft sind mit Peter-Lacken überzogen.

Musik- und Sportfans weltweit kommen an den heimischen Lacken ebenfalls nicht vorbei: Sie prangen auf Golfschlägern und Skihelmen, auf Gitarren der Firma Fender, deren Instrumente Musikgrößen wie Jimi Hendrix, Joan Baez oder Heino spielen oder gespielt haben. Kinder kommen mit ihnen in Berührung, wenn sie mit Playmobil-Figuren spielen.

 

Produktion und Innovation

Produziert werden die Lacke für den europäischen Markt hauptsächlich in Schweicheln. Hier werden sie zunächst im Labor nach den Vorgaben der Endabnehmer entwickelt und probeweise auf Prototypen aufgetragen, bevor sie in die große Produktion gehen.

»Neue Regelungen im Hinblick auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit stellen uns dabei vor Herausforderungen«, schildert Peter die Situation. So würden immer mehr Lacke als lösemittelfreie Wasserlacke hergestellt.

Die Einführung des Elektro-Autos habe hingegen keine Auswirkungen. »Das Interieur ist davon nicht betroffen.« Und auch der Kühlergrill, den Peter Lacke für den Range Rover gestaltet, bleibt erhalten, obwohl er funktionsbedingt nicht mehr nötig wäre. »Er hat weiterhin als Designelement Bestand.«

Eine positive Entwicklung für seine Branche sieht der Experte in der Einführung des autonomen Fahrens: »Wir gehen davon aus, dass damit die Anmutung der Innenflächen stärker an Bedeutung gewinnt, da die Fahrer Zeit haben, sich darauf zu konzentrieren.«

 

Perspektiven

Die Firma setzt auf Expansion. Nachdem das Familienunternehmen in den vergangenen zehn Jahren bereits seinen Umsatz verdreifacht hat, will Peter den Umsatz von derzeit 100 Millionen Euro bis 2025 verdoppeln. Für dieses Jahr rechnet er in Deutschland mit einem zweistelligen Wachstum. »Weltweit dürfte der Umsatz für uns aufgrund der Schwäche in China aber geringer ausfallen.« Motor des Aufschwungs sei vor allem die Autoindustrie: So darf Peter-Lacke ab Ende 2019 den Lack für den neuen Golf liefern, 2021 folgt in den USA der Ford-Pick-Up-Truck. Von beiden werden jährlich voraussichtlich eine Million Stück gebaut.

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