Do., 15.08.2019

Bäume leiden unter Trockenheit und Schädlingen Unser Wald, der Patient

Die Sorgenfalten angesichts des Zustands werden bei den Baumexperten größer. Beim Rundgang weisen Andreas König (von links), Holger-Karsten Raguse und Anna Rosenland auf die Schäden hin.

Die Sorgenfalten angesichts des Zustands werden bei den Baumexperten größer. Beim Rundgang weisen Andreas König (von links), Holger-Karsten Raguse und Anna Rosenland auf die Schäden hin. Foto: Ralf Meistes

Von Ralf Meistes

Herford (WB). Wer wissen will, wie es den heimischen Wäldern geht, muss den Blick nur nach oben richten. Dort, wo früher dichtes Blätterwerk für Schatten sorgte, klaffen jetzt große Lücken. »Die Lage ist dramatisch«, sagt Holger-Karsten Raguse, Leiter Regionalforstamt OWL.

Fichte, Buche, Lärche – alle sind betroffen

Hitze, Trockenheit und Schädlinge haben Fichte, Buche, Lärche und den übrigen heimischen Bäumen mächtig zugesetzt. Bei einem Gang durch ein Waldstück im Bereich Stadtholzstraße/Weidenkamp, zu der die Stadt Herford eingeladen hat, werden die Schäden deutlich.

»70 bis 80 Prozent der Lärchen, die hier stehen, müssen gefällt werden. Sie haben kaum noch eine Krone«, erläutert Försterin Anna Rosenland. Einem Waldbesitzer im Kreis Herford hat sie in den vergangenen Wochen einen Kahlschlag empfohlen, weil auf gut einem halben Hektar die Bäume tot waren.

150 Hektar städtischer Wald

»Natürlich macht sich hier der Klimawandel bemerkbar«, sagt Ralf König, zuständig bei der Stadt Herford für die heimischen Wälder. Die Stadt verfügt über rund 150 Hektar Wald. Hinzu kommen auf dem Stadtgebiet 175 Hektar Staatswald und 430 Hektar, die sich in Privatbesitz befinden.

»Wir zählen hier zu einer waldarmen Region. Aber gerade deshalb ist es geboten, angesichts des schlechten Zustands des Waldes Alarm zu schlagen«, sagt Holger-Karsten Raguse.

50 Prozent weniger Regen als üblich

Schließlich dienen die Wälder nicht nur der Naherholung und sind Lebensraum für Tiere und Pflanzen. »SiE sind Sauerstoffspender, speichern Wasser, binden CO2, bestimmen das Mikroklima und haben auch eine wirtschaftliche Funktion«, betont der Leiter des Regionalforstamtes. Wie extrem die Trockenheit in den zurückliegenden beiden Jahren war, belegt Raguse mit Zahlen aus Bad Salzuflen. Dort sei innerhalb der Vegetationszeit 50 Prozent weniger Regen gefallen, als sonst üblich.

»Unser Wald wird sich verändern«

Was das für die heimischen Wälder in den kommenden 10 bis 20 Jahren konkret bedeute, könne schwer vorhergesagt werden. Nur so viel: Die Bestände von Fichte, aber auch von Buche werden weiter zurückgehen. Die Förster wollen die Wälder zum Teil aufforsten, in dem sie Baumarten verwenden, die längere Trockenphasen besser verkraften können. Dazu zählen Douglasien, Weiß- und Küstentanne sowie Roteiche. Aufgrund der großen Trockenheit werde auch die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners fortschreiten. Die Brennhaare der Raupen lösen beim Menschen allergische Reaktionen aus.

»Alles in allem wird sich unser Wald deutlich verändern«, warnt Ralf König.

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