Di., 03.09.2019

Der Herforder Nils Hommel hat das Haus seiner Oma mit Installationen bestückt – mit Video Ein Gesamtkunstwerk vom Keller bis zum Dachboden

Die Waschküche hat Hommel mit viel weißer Ware ausgestattet. Aus einer Spülmaschine schlängeln sich private Dias seines Onkels, der früher auch mal in dem Haus gelebt hat. Ein hinterlegtes Lichtband macht sie sichtbar.

Die Waschküche hat Hommel mit viel weißer Ware ausgestattet. Aus einer Spülmaschine schlängeln sich private Dias seines Onkels, der früher auch mal in dem Haus gelebt hat. Ein hinterlegtes Lichtband macht sie sichtbar. Foto: Moritz Winde

Von Bernd Bexte

Herford (WB). Am Eingang scheint schon wieder alles vorbei zu sein. Ein Schrank versperrt im Flur den Weg ins Treppenhaus. Es ist jedoch nur die erste Installation im Haus des Künstlers Nils Hommel. Er hat sein Zuhause vom Keller bis zum Dachboden in ein Kunstkabinett voller Überraschungen verwandelt.

Hommel schiebt den 70 Jahre alten Schrank zur Seite und gibt den Weg frei in das wohl künstlerischste Privathaus Herfords. Bis vor einem Jahr hat er hier mit seiner Oma und seiner Freundin gewohnt. »Meine Oma lebt jetzt aber im Heim.« Auch seine Partnerin sei damals ausgezogen. Diesen Umbruch nahm der 38-Jährige zum Anlass, einen lang gehegten Traum zu verwirklichen. »Ja, ich bin jetzt Künstler.«

Wer sich in dem 1936 von seinen Urgroßeltern erbauten Haus an der Mindener Straße 205 umschaut, versteht dies schnell: Installationen, wohin der Blick auch schweift, nehmen Bezug zu der gediegen-bürgerlichen Einrichtung, die an vielen Stellen kuriose Kulisse für Hommels Raumexperimente ist. »Das Haus Gerät 1739/5000« nennt er sein Gesamtkunstwerk.

Kontakt zu anderen Künstlern

Hinter einem mit nostalgischer Blümchentapete verzierten Front eines Einbauschranks dreht sich unter der Junghans-Wanduhr der Wirtschaftswunderzeit eine Discokugel. Spiegel reflektieren deren Lichtpunkte. Ein Loch in der Decke gibt den Blick ins Obergeschoss frei, das ebenso eine Öffnung aufweist und Spiegelreflexe bis ins Dachgeschoss ermöglicht.

»Ich bin Autodidakt«, sagt der studierte Elektroingenieur. »Am Anfang hatte ich große Zweifel, wie meine Sachen aufgenommen werden.« Schließlich war Hommel noch nie als Künstler an die Öffentlichkeit getreten. Er habe aber viel Zuspruch vom Team des Marta erhalten, das sich vor Ort umgeschaut hat, nachdem er Handyfotos von seinen Arbeiten gezeigt hatte.

Auch zur Kunstakademie Düsseldorf hat er Kontakte geknüpft, plant mit Künstlern Gemeinschaftsarbeiten. »Die Resonanz ist großartig. Ich werde als Künstler ernst genommen. Das war eine tolle Erfahrung.« Selbst die Familie, die seiner Idee zunächst skeptisch gegenüber gestanden habe, zeige mittlerweile mehr Verständnis.

Nils Hommel bietet Führungen an .

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