Städtisches Grünflächenamt setzt auf stresstolerante Straßengewächse
Von China nach Herford: Bäume finden neue Heimat

Herford (WB). Knorrige kahle Äste, Blätter mit braunem Rand, platzende Rinde – nicht nur Folgen des Klimawandels. Bäume leiden auch unter extremen Bedingungen in der Innenstadt. Da hatte Axel Echternkamp die Idee, ganz andere Baumsorten, die auf anderen Kontinenten zu Hause sind, nach Herford zu holen und sie an neue Lebensumstände anzupassen.

Freitag, 06.09.2019, 13:00 Uhr
Braune Blattränder sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Baum nicht gesund ist, sagt Axel Echternkamp, Chef der städtischen Grünflächenabteilung. Foto: Bärbel Hillebrenner
Braune Blattränder sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Baum nicht gesund ist, sagt Axel Echternkamp, Chef der städtischen Grünflächenabteilung. Foto: Bärbel Hillebrenner
Satte grüne Blätter vom Amberbaum, der in der Rapsstraße steht.

Satte grüne Blätter vom Amberbaum, der in der Rapsstraße steht.

Ein Baum im Wald hat’s eigentlich gut – wenn er nicht gerade von der Rußrindenkrankheit befallen ist. Ein Baum an der Straße dagegen hat’s von vornherein schwerer. »Seine Lebensbedingungen sind extrem. Er hat einen eingeschränkten Wurzelraum, der Boden ist versiegelt, so dass er mehr unter der Trockenheit leidet.

Auch die Folgen von Streusalz und Ölen sind nicht zu unterschätzen«, sagt Echternkamp. Zusätzlich würden ihm Beschädigungen an Stamm und Wurzeln zu schaffen machen, die durch Autos und Bauarbeiten verursacht werden können.

Hochwachsende und schmale Kronen

Um die Lebensbedingungen der Straßenbäume zu verbessern, setzt die Stadt auf Prävention. Schon bei Neuanpflanzungen würden nach resistenteren Sorten gesucht und zusätzlich ein Belüftungs- und Bewässerungssystem verbaut. Echternkamp: »An der Wiesestraße kann man das genau erkennen: Im Zuge der Ausbauarbeiten haben wir dort 26 Silberlinden gesetzt, sie sind hitzeverträglich und frosthart. Am Boden sieht man die kleinen Metallschächte für die Bewässerung und Belüftung.« Und sie gedeihen prächtig, haben satt-grüne Blätter. Auch an der Röntgen-, Mindener, Genossenschafts- und Nachtigal-straße wurde die Silberlinde neu eingepflanzt.

Ein weiterer Vorteil macht sogleich deutlich, worauf die städtischen Gärtner achten müssen: Die Silberlinde wird 25 Meter hoch und bekommt einen Kronendurchmesser von höchstens 18 Meter. »Bäume am Fahrbahnrand dürfen nicht so sehr in die Breite wachsen, sondern eher schmal in die Höhe. Die Äste müssen ja ansonsten ständig nachgeschnitten werden, damit höhere Fahrzeuge drunter herpassen«, erklärt Axel Echternkamp. Linden, Ahorn, Platanen sind geeignete Stadtbäume, Buchen, Birken und Eichen stünden eher im Wald.

Sorten aus anderen Kontinenten

In Herford setzt das Grünflächenamt deshalb auf neue Sorten aus anderen Ländern und Kontinenten. Zwar würde man deren Entwicklung erst in zehn, 15 Jahren genau erkennen, aber: »Ein Versuch ist es immer Wert und bisher haben wir mit unseren Neuanpflanzungen Glück gehabt«, berichtet Echternkamp.

So werden die Kirschbäume im Kirschengarten ausgetauscht gegen Purpur-Erlen. »Die Kirschbäume gehen kaputt, sie vertragen den urbanen Raum nicht mehr. Die Purpur-Erle ist eine Zuchtform, die arme Böden toleriert und sogar gut salzverträglich ist.« Aus dem Norden Irans und Südrussland kommt der Eisenholzbaum, ein schlanker Baum, der seit geraumer Zeit an der Friedhof und Diebrocker Straße ein neues Zuhause gefunden hat.

Zürgelbaum und Hopfen-Buche

Der Zürgelbaum hat in Nord-Afrika und im westlichen asiatischen Raum seine Heimat – fühlt sich aber ebenso in Herford wohl. Echternkamp: »In südeuropäischen Großstädten ist es die wichtigste Straßenbaumart. Als Jungbaum ist er in unserer Kälteregion etwas frostempfindlich, aber bisher gedeiht er prächtig.« Weitere Sorten sind die Hopfen-Buche, der Perlschnurbaum und der Lederhülsenbaum.

Pflege von Neuanpflanzungen

Apropos Jungbaum: Alle Neuanpflanzungen müssen in den ersten Jahren aufmerksam gepflegt werden, da braucht es nicht nur eine zusätzliche Bewässerung in Trockenzeiten. Auch mit speziellem Substrat muss gedüngt werden. Und Bäume können sogar in jungen Jahren geimpft werden. Echternkamp: »Da verwenden wir Mykorrhiza-Impfstoffe, also Pilzsporen. Es entsteht eine Lebensgemeinschaft dieser Wurzelpilze mit dem Wurzelsystem der Bäume.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6902647?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Ärger um Abstandsregel und Maskenpflicht
Wie auf diesem Foto zu sehen ist, sind die Abstandsregeln nicht eingehalten worden. Auch einen Mund-Nasen-Schutz haben die meisten Schüler nicht getragen. Foto:
Nachrichten-Ticker