Mi., 11.09.2019

Neubau für Theater und Konzerte: Rußkamp (CDU) glaubt dem Bürgermeister nicht 97 Millionen sorgen für Gesprächsstoff

Sollen Stadttheater und Schützenhof saniert werden oder ist ein Neubau sinnvoller? Noch müssen sich die Politiker ein Urteil bilden. Für Gesprächsstoff sorgen vor allem die Kosten.

Sollen Stadttheater und Schützenhof saniert werden oder ist ein Neubau sinnvoller? Noch müssen sich die Politiker ein Urteil bilden. Für Gesprächsstoff sorgen vor allem die Kosten. Foto: Moritz Winde

Von Hartmut Horstmann

Herford (WB). CDU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Rußkamp denkt bereits an die Folgekosten, »die die Stadt dann an der Backe hat«. Angela Schmalhorst (Grüne) hingegen will erst beraten, bevor sie sich äußert. Unterschiedliche Reaktionen ruft das geplante OWL-Forum hervor.

Thema im Kulturbeirat

Seine erste kommunalpolitische Behandlung erfährt das 97-Millionen-Euro-Projekt an diesem Mittwoch im Kulturbeirat. Das Gremium tagt ab 17 Uhr im Rathaus. Andreas Kornacki, Geschäftsführer der Kultur gGmbH, erwartet, dass die Politiker das OWL-Forum unter »Verschiedenes« ansprechen: »Alles andere würde mich sehr überraschen.« Auf jeden Fall hätten die Beiratsmitglieder die Unterlagen zugeschickt bekommen.

Gemeinsam mit Bürgermeister Tim Kähler hatte Andreas Kornacki am Montag über die Machbarkeitsstudie zum OWL-Forum informiert. An die Stelle der sanierungsbedürftigen Gebäude Stadttheater und Schützenhof soll ein Neubau treten, der zwei Säle umfasst. Dessen Kosten werden auf 97 Millionen Euro prognostiziert, als Standort kommen die Parkflächen am Güterbahnhof in Frage. Eine Voraussetzung, um das Projekt realisieren zu können, ist laut Bürgermeister Tim Kähler, dass sich Bund und Land mit jeweils einem Drittel beteiligen.

»Überdimensioniert«

Doch für Wolfgang Rußkamp ist auch eine mögliche Förderung kein Grund, dem Projekt zuzustimmen: »Ich halte es für die Stadt Herford für vollkommen überdimensioniert. Und die Folgekosten können wir noch gar nicht überblicken.« Für Rußkamp ist das Beispiel des OWL-Forums ein weiteres Zeichen dafür, »dass der Bürgermeister im Umgang mit Geld nicht glaubwürdig« sei.

Erst sei von 40 Millionen Euro die Rede gewesen: »Uns wurde vorgerechnet, dass sich das mit der Sanierung rechnen könnte.« Womit Rußkamp meint, dass ein Neubau wirtschaftlicher sei als die Sanierung bestehender Gebäude. Jetzt gehe man von 97 Millionen aus und dem Rat werde eine neue Rechnung präsentiert, wonach sich auch hier ein Neubau rechnen würde. Der CDU-Fraktionsvorsitzende ist mehr als skeptisch.

Grüne noch ohne Meinung

Angela Schmalhorst von den Grünen kann die große CDU-Erregungswelle zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht teilen: »Es stimmt, dass eine erhebliche Investition im Raum steht.« Mit dieser Größenordnung habe sie nicht gerechnet, aber sie müsse die Unterlagen erst einmal genau durchschauen und dann in der Fraktion beraten: »Wir haben keine vorgefasste Meinung.«

Auch in der SPD müsse man laut Fraktionsvorsitzendem Horst Heining noch beraten. Finanziell sei das auf jeden Fall eine Hausnummer und man müsse sehen, was die Fördergelder angehe. Grundsätzlich, so die Privatmeinung des Sozialdemokraten, sei die Idee nicht falsch. Die Frage laute: »Renovieren wir oder können wir für das gleiche Geld etwas Neues bauen, das funktional und energetisch mehr Sinn macht?«

Potenzial und Strahlkraft

Heidrun Münter, die Vorsitzenden des Theater-Fördervereins, hütet sich vor einem schnellen Urteil. Ihr Herz schlage zwar dafür, dass das Theater an dem Standort erhalten bleibe, aber sie sei auch offen für neue Pläne. Auf jeden Fall sei eine Grundsanierung des Hauses notwendig. In den nächsten Tagen will der Förderverein über das weitere Vorgehen beraten.

Von einem Projekt »mit Potenzial und Strahlkraft« spricht Annette Nothnagel, Regionale-Managerin für den Bereich OWL. Bei der Regionale 2022 handelt es sich nicht um ein Förderprogramm, sondern es geht darum, Schwerpunkte für Landesförderungen zu setzen. Das zuständige Gremium hat das OWL-Forum in einem ersten Schritt mit einem C-Status versehen und somit Potenzial bescheinigt.

»Menschen mit Visionen«

Nach dem Vorliegen der Machbarkeitsstudie könnte es jetzt in den B-Status wechseln – wenn das Gremium »Urbanland Board« gute Realisierungschancen sieht und wenn das Projekt, so Nothnagel, »einen Mehrwert für die Region bringt«. Als höchste Stufe würde dann der A-Status folgen.

Annette Nothnagel, die dem Gremium nicht angehört, will einer Entscheidung nicht vorgreifen. Ihr Grundgefühl aber sei, so viel lässt sie sich dann doch entlocken, positiv: »Man braucht solche Projekte und man braucht Menschen mit Visionen, die solche Projekte vorantreiben.«

Wichtig für das Gelingen sind mögliche Förderer. Der heimische Bundestagsabgeordnete Stefan Schwarze (SPD) spricht von einem spannenden Projekt und einer großen Chance für Herford. Hinsichtlich der Erfolgsaussichten für eine Förderung auf Bundesebene sagt er: »Wir befinden uns in sehr konstruktiven Gesprächen.« Mehr könne er noch nicht sagen, um den Erfolg nicht zu gefährden.

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