Do., 12.09.2019

Sanierung der Herforder Kaserne birgt Überraschung – Stadt kauft sieben Grundstücke – Mit Video Viel mehr Asbest als erwartet

Auf der Baustelle: Projekt-Ingenieur Oliver Neinaß blickt aus dem Fenster auf den Dachabriss eines ehemaligen Kasernengebäudes der britischen Streitkräfte. Drei Studentenhäuser werden mit jeweils zwei Etagen aufgestockt.

Auf der Baustelle: Projekt-Ingenieur Oliver Neinaß blickt aus dem Fenster auf den Dachabriss eines ehemaligen Kasernengebäudes der britischen Streitkräfte. Drei Studentenhäuser werden mit jeweils zwei Etagen aufgestockt. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Deal perfekt: Die Stadt Herford hat ein Drittel des Hammersmith-Kasernen-Areals gekauft. Unterdessen läuft die Sanierung von drei Gebäuden auf Hochtouren – und bringt so manche böse Überraschung ans Licht. In einem Jahr sollen hier 361 Studenten einziehen. Die Zeit drängt also.

»Ja, wir haben am Freitag beim Notar die Verträge unterschrieben«, bestätigt Dr. Jan Miller das millionenschwere Geschäft zwischen der Verwaltung und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima).

Baubesprechung: (von links) Dr. Jan Miller, Norbert Landshut, Oliver Neinaß und Ralf Cziesla stehen in der alten Werkstatt der britischen Armee. Hier soll die neue Energiezentrale entstehen. Foto: Moritz Winde

Zur genauen Summe des Kaufpreises für die sieben Grundstücke wollte sich der Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEH) nicht äußern. Das sei Sache des Rates. Zwischen den Parteien habe diesbezüglich jedoch von vorne herein Einigkeit geherrscht. »Es gab ein Preisgutachten, das beide akzeptiert haben.«

Mit 26.500 Quadratmetern ist damit nun ein Drittel des zehn Hektar großen Geländes offiziell Eigentum der Stadt, die für sämtliche Kasernenflächen ein Vorkaufsrecht hat. Seit Mai werden drei Gebäude – die anderen vier sollen abgerissen werden – entlang der Vlothoer Straße entkernt. 33 Millionen Euro stehen der SEH für den Umbau in Studentenwohnungen zur Verfügung, also elf Millionen Euro pro Einheit.

Die ursprünglichen Umbaupläne hatte unter anderem der Beirat für Stadtbildpflege als zu »klotzig« empfunden. Die SEH besserte daraufhin nach.

In den Häusern, die in der NS-Zeit Mitte der 30er Jahre gebaut wurden, sind die Handwerker auf jede Menge schadstoffhaltige Bausubstanz gestoßen. »Mit dieser Menge haben wir nicht gerechnet. Bis jetzt haben wir 700 Tonnen Asbest entsorgt«, gibt SEH-Geschäftsführer Norbert Landshut zu. Deponiekosten: 50.000 Euro. Ob im Putz, an Rohren oder auf Dachträgern – überall wurde das giftige Material verbaut.

An der Vlothoer Straße auf dem Stiftberg geben derzeit die Bagger den Ton an. Foto: Moritz Winde

Eine Fachfirma hat das Asbest in den vergangenen Monaten entfernt – eine echte Maloche. »Die Arbeiter mussten bei 40 Grad in Schutzanzügen und Atemmasken zu Werke gehen«, sagt Projekt-Ingenieur Oliver Neinaß. Der Zeitplan soll trotz der aufwendigen Schadstoff-Beseitigung nicht gefährdet sein.

In den nächsten Wochen werden die Satteldächer abgerissen. Derzeit knabbert sich ein XXL-Bagger durch die Pfannen. Unter der ebenfalls mit Asbest behandelten Holzkonstruktion kommt eine dicke Betonschicht zum Vorschein – die nächste Überraschung!

»Dieses so genannte Sargdach sollte im Krieg vor Brandbomben schützen«, erklärt Architekt Ralf Cziesla. Bombardiert wurden die Kasernen allerdings nie. In der ehemaligen Werkstatt der britischen Streitkräfte wird eine eigene Energiezentrale in­stalliert, die Wärme und Strom erzeugt. Das neue Quartier auf dem Stiftberg wird damit sozusagen Selbstversorger.

So sollen die umgebauten Häuser – dann mit zwei zusätzlichen Etagen – spätestens in einem Jahr aussehen.

Gewaltige Dimensionen

630 Fenster wurden ausgebaut, an ihre Stelle kommen bodentiefe Elemente, 360 alte Türen werden durch 400 neue ersetzt. 4500 Quadratmeter Fliesen wurden abgeschlagen, 55.250 Dachpfannen entfernt, ebenso 4400 Quadratmeter Wände.

Neu installiert werden 14.000 Meter Trinkwasser-, 10.000 Meter Heizungs- und 5000 Meter Schmutzwasserleitungen, 720 Heizkörper, 330 Ablüfter sowie 330 Duschen, WCs und Waschbecken. Hinzu kommen 114 Kilometer Stromleitungen, 3900 Steckdosen, 2800 Leuchten und 1200 Brandmelder.

Alle drei Gebäude beinhalteten 45.550 Kubikmeter umbauten Raum, davon werden gut 10.000 Kubikmeter Dachstuhl abgebrochen und fast 18.000 Kubikmeter auf zwei Geschossen neu aufgebaut. Ab 2020 stehen den Studenten dann 324 Zimmer (361 Betten) auf fünf Etagen zur Verfügung.

 

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