Ausbau der Vlothoer Straße: vier neue Varianten im Verkehrsausschuss
Müssen 50 Bäume fallen?

Herford (WB). Die Klimawandel-Diskussion prägt zunehmend auch die Kommunalpolitik: Deutlich wird dies beim Ausbau der Vlothoer Straße: Die Pläne hatten im Juni für Proteste gesorgt , weil 50 Bäume weichen sollten. Im Verkehrsausschuss am 1. Oktober will die Verwaltung nun Alternativen vorstellen.

Mittwoch, 25.09.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 25.09.2019, 13:38 Uhr
Etwa 100 Bäume stehen entlang der maroden Vlothoer Straße: Die soll ausgebaut werden, um das erwartete deutlich steigende Verkehrsaufkommen aus den Quartieren der Wentworth- und der Hammersmith-Kaserne besser aufnehmen zu können. Foto: Moritz Winde
Etwa 100 Bäume stehen entlang der maroden Vlothoer Straße: Die soll ausgebaut werden, um das erwartete deutlich steigende Verkehrsaufkommen aus den Quartieren der Wentworth- und der Hammersmith-Kaserne besser aufnehmen zu können. Foto: Moritz Winde

Ein Ziel war und ist, weniger Bäume zu opfern – schließlich zählt Herford zu den ersten Städten, die den Klimanotstand ausgerufen haben. Dessen ungeachtet müssten für den Ausbau der Vlothoer Straße aber auch nach den überarbeiteten Plänen Bäume weichen – je nach gewählter Alternative »zwischen mindestens 20 und bis zu 50« heißt es in der Verwaltungsvorlage. Im Plangebiet entlang der Vlothoer Straße stehen etwa 100 Bäume.

Linksabbiegerspur zur Wentworth-Kaserne

Dem Ausschuss werden neben der Ausgangsvariante vier neue Querschnittsvarianten für die Aufteilung der Verkehre auf der Vlothoer Straße vorgestellt. Sie betreffen den Abschnitt zwischen den Einmündungen zur Stadtholz- und zur Schumannstraße.

Im Zuge der Ausbauplanung soll der Verkehrsausschuss die Anbindung der Wentworth-Kaserne an der Werkszufahrt westlich der Hausnummer 48 an die Vlothoer Straße beschließen. Diese Anbindung soll über eine Linksabbiegerspur erfolgen. Zwischen den beiden Kasernenarealen ist an dieser Stelle ein Zebrastreifen für Fußgänger geplant.

Der Ausbauvorschlag sieht vor, das im Einmündungsbereich 15 Bäume gefällt werden müssten, die teilweise der Baumschutzsatzung unterliegen. Die Entscheidung, ob die Bäume gefällt werden dürfen, trifft der Bau- und Umweltausschuss. Würde der Knotenpunkt nicht mit Linksabbiegerspur, sondern als Kreisverkehr ausgebaut, »müssten sogar ein paar Bäume mehr fallen«, schreibt Beigeordneter Dr. Peter Böhm.

Kreisverkehr als Anbindung zum Hammersmith-Gelände

Die Anbindung der Hammer­smith-Kaserne auf der nördlichen Seite der Vlothoer Straße soll nach jetziger Planung per Kreisverkehr erfolgen. Bei der Neugestaltung der Anbindung der Schumannstraße und des Hammer­smith-Areals wären weitere Bäume zu fällen. Deren Anzahl kann erst festgelegt werden, wenn eine abschließende Lösung gefunden ist. Allein für eine gute Fuß- und Radwegeführung müssten etwa vier Bäume entfernt werden, bei der Variante Kreisverkehr elf. Eine Diskussion darüber soll im Bau-und Umweltausschuss folgen.

Eine Minimierung von Rodungen wäre grundsätzlich im Abschnitt List-/Schumannstraße möglich. Hier wären nach der ursprünglichen Planung 16 Bäume auf der Südseite betroffen. Auch für den Ausbau des Knotenpunkts Vlothoer/Stadtholzstraße zum Kreisverkehr sowie für eine Schulbushaltestelle müssten Bäume weichen.

Variante 1

Bei dieser Variante würde die denkmalgeschützte Mauer entfallen, der Baumstreifen bliebe erhalten. Fahrbahn und nördlicher Seitenraum der Vlothoer Straße blieben unverändert in ihrer heutigen Breite. Eine Verbreiterung der Fahrbahn nach Süden ist nicht möglich, da man sonst in den Wurzelbereich der Bäume kommen würde. Auch kann im Wurzelbereich kein Geh-/Radweg gebaut werden.

Um die Bedingungen für die Bestandsbäume zu verbessern, würde der Bereich um die Bäume entsiegelt und in einer Querschnittsbreite von drei Metern als Grünfläche angelegt. Ein neuer, drei Meter breiter Geh-/Radweg würde sich direkt dahinter anschließen. Die Mauer müsste daher weichen. Radfahrer könnten bei dieser Variante im Mischverkehr mit Kraftfahrzeugen auf der Fahrbahn »mitschwimmen« oder im Mischverkehr mit Fußgängern die Gehwege nutzen.

Für den Geh-/Radverkehr ergäbe sich aus dieser Variante keine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse, sondern nur eine Belagsverbesserung im südlichen Bereich.

Variante 2

Hier würde die Mauer entfallen und ein neuer Baumstreifen angelegt: Wie bei der Ursprungsplanung ziehen sich auf ganzer Ausbaulänge beidseitig 1,5 Meter breite Fahrrad-Schutzstreifen durch die Vlothoer Straße. Sie würden Radfahrern eine unterbrechungsfreie, einheitliche, gut begreifbare und damit verkehrssichere Radverkehrsführung anbieten. Das wäre vor allem zur Schulwegsicherung im Umfeld des KMG und der Grundschule Stiftberg wichtig. Der südliche Baumstreifen ist nicht zu erhalten – Folge einer Fahrbahnverbreiterung nach Süden.

Durch Neuanlage eines Baumstreifens – um 1,5 Meter versetzt zum heutigen Streifen – würde ein Alleecharakter entstehen. Der Geh-/Radweg würde hinter der neuen Baumreihe angelegt. Zwar könnten so weder Mauer noch Bestandsbäume erhalten werden. Es wäre aus Sicht der Verwaltung aber die verkehrlich vorteilhafteste und sicherste Lösung. Außerdem sei es neben der Grundvariante die einzige Variante, bei der mit hoher Wahrscheinlichkeit Fördermittel bewilligt würden.

 

Variante 3

Hier könnten sowohl Bestandsbäume als auch die Mauer erhalten bleiben. Dafür müssten erhebliche verkehrliche Einbußen hingenommen werden. Die Fahrbahn bliebe unverändert, der Wurzelbereich der Bestandsbäume würde großflächig entsiegelt. Der Geh-/Radweg würde auf das Niveau der 1,5 bis 2 Meter höher liegenden Parkplatzumfahrt des Bildungscampus gelegt.

Nachteile: Die Wegeführung ist weniger direkt und es sind Höhenunterschiede zu bewältigen. Zudem wäre ein Queren der Straße wegen des unterschiedlichen Geländeniveaus nur eingeschränkt möglich. »Man müsste quer durch die Böschungs-/Grünfläche gehen, um erst einmal zum Fahrbahnrand zu gelangen«, schreibt die Verwaltung.

Alternativ könnte zu diesem wilden Queren an einzelnen Stellen die Mauer geöffnet und Treppen- und barrierefreie Rampenanlagen zur Überwindung der Böschung angelegt werden. Fazit: Die Verkehrsverhältnisse für Rad- und Fußverkehr würden sich verschlechtern, Fördergelder wären hier nicht zu erwarten.

Variante 4

Diese Lösung wäre mit relativ geringen baulichen Aufwendungen verbunden: Der Straßenquerschnitt wird im Großen und Ganzen beibehalten. Lediglich im Abschnitt zwischen den Einmündungen zur Anbindung des Wentworth-Areals und zur Stadtholzstraße wird die Vlothoer Straße zur Fahrradstraße umgewidmet.

Die Folge: Für den Kraftfahrzeugverkehr würde dieser Abschnitt zur Einbahnstraße. Die Verkehre würden sich auf Parallelstraßen verlagern, auch die Buslinien wären betroffen. Unter anderem wäre eine neue Hauptanbindung an die Hammersmith-Kaserne erforderlich. Der so verursachte Kfz-Mehrverkehr hätte durch Lärm und Abgase eine negativen Klimawirkung.

Vorteil dieser Variante wäre der weitreichende Baumerhalt. Infolge des Kfz-Einrichtungsverkehrs könnten die Knotenpunkte »Schumannstraße/Hammersmith« und »Wentworth« möglicherweise so bestehen bleiben wie heute und müssten nicht aufdimensioniert werden. So könnte ein überwiegender Teil der im Abschnitt vorhandenen 45 Bäume erhalten werden.

Kommentar

Die Politik und ihr Dilemma: Egal, wie sie über den Ausbau der Vlothoer Straße entscheidet – es geht entweder zu Lasten der selbst auferlegten Klimaschutzziele oder der Verkehrsqualität und Erschließung der neuen Quartiere – oder auch der Fördermittel. Fazit: Irgendeine Kröte werden die Ratsmitglieder schlucken müssen. Und dass am Ende nicht jeder Baum erhalten werden kann, dürfte klar sein. Jedenfalls dann, wenn man nicht die Millioneninvestitionen auf dem Stiftberg ad absurdum führen will. Mit Blick auf die Wählergunst wird aber wohl keine Partei mehr Bäume als nötig opfern.Peter Schelberg

 

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