Kommentar zu den Planungen an der Vlothoer Straße
Bäume statt Mauer

Die Vlothoer Straße kann zum Präzedenzfall für die Straßenplanung in Herford in den kommenden Jahren werden. Das Problem, das es zu lösen gilt: Wie können in einem wachsenden Stadtteil Straßenverkehr und Naturschutz in Einklang gebracht werden?

Donnerstag, 03.10.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 04.10.2019, 11:50 Uhr
Beigeordneter Dr. Peter Böhm (2. von rechts) spricht mit Mitglieder des Bundes für Umwelt und Naturschutz über die Neugestaltung der Vlothoer Straße. Foto: Ralf Meistes
Beigeordneter Dr. Peter Böhm (2. von rechts) spricht mit Mitglieder des Bundes für Umwelt und Naturschutz über die Neugestaltung der Vlothoer Straße. Foto: Ralf Meistes

Die politische Debatte der vergangenen Tage hat eines sehr deutlich gemacht. Bei den Planungen zur Umgestaltung der Vlothoer Straße wird um jeden Baum gerungen, der gefällt werden soll. Von dem ursprünglichen Vorhaben, etwa 50 Bäumen entlang der Vlothoer Straße abzuholzen, müssen sich die Verkehrsplaner wohl verabschieden.

Umgekehrt wird man eine Neuplanung kaum hinbekommen, wenn gar kein Baum gefällt werden darf. Denn immerhin rechnet die Stadt mit etwa 2000 Menschen, die sich auf den ehemaligen Kasernengeländen ansiedeln werden. Kritiker wenden ein, dass auch die britischen Soldaten, die zuvor dort ansässig waren, mit ihren Autos auf der Vlothoer Straße unterwegs waren, ohne dass der Verkehr dort zusammengebrochen ist. Doch auch wenn die Verkehrsprognosen angezweifelt werden, es wird zu mehr Verkehrsströmen auf dem Stiftberg kommen.

Verwaltung sollte zu Bürgerversammlung einladen

Vor diesem Hintergrund sind kreative Lösungen gefragt. Die Verwaltung wäre gut beraten, wenn sie zu diesem Thema zu einer Bürgerversammlung einlädt. Denn der Gesprächsbedarf, das haben die vergangenen Tage und Wochen gezeigt, ist groß. Gut ist, dass jetzt auch der Naturschutzbeirat und der Beirat für Stadtbildpflege einbezogen werden.

Noch etwas stimmt nachdenklich, wenn man die Vorlage der Verwaltung liest. Die Stadt Herford wird die Förderrichtlinien nicht ändern können. Aber wenn Ausbauten nur noch förderfähig sind, wenn die meisten Bäume fallen, weil nur so eine vermeintliche Verbesserung der Verkehrssituation herzustellen ist, wirkt diese Regelung aus der Zeit gefallen.

Favorisiert wird ein Abriss der Mauer

Favorisiert wird derzeit ein Abriss der alten Mauer, die seit der NS-Zeit entlang der Wentworth-Kaserne steht. Der zusätzliche Platz könnte für einen Radweg genutzt werden. Die Mauer steht unter Denkmalschutz, doch wenn alle Beteiligten sich für deren Abriss einsetzen, sollte dies auch möglich sein. Notfalls per Ministerentscheid. Der Erhalt einer Allee, die in den vergangenen 60 Jahren entlang der Vlothoer Straße gewachsen ist, ist jedenfalls höher zu bewerten als die alte unscheinbare Mauer.

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