Sa., 12.10.2019

Lothar Burkhardt (82) hat wegen einer Grüninsel Ärger mit der Stadt Herford Zurechtgestutzt

Lothar Burkhardt an der Zufahrt zu seinem Haus (links). Das städtische Grün wird von der SWK zur Straßen hin (rechts) geschnitten, nicht jedoch an der Hausseite. Das erledigt der 82-Jährige selbst, sonst kommt er mit dem Auto nicht in die Garage.

Lothar Burkhardt an der Zufahrt zu seinem Haus (links). Das städtische Grün wird von der SWK zur Straßen hin (rechts) geschnitten, nicht jedoch an der Hausseite. Das erledigt der 82-Jährige selbst, sonst kommt er mit dem Auto nicht in die Garage. Foto: Bexte

Von Bernd Bexte

Herford (WB). Wenn Lothar Burkhardt das Grün vor seiner Haustür nicht schneiden würde, käme er mit seinem Auto wohl gar nicht mehr in die Garage. Dennoch sieht die Stadt das gar nicht gerne. »Aber die schneidet hier auch nicht«, sagt Burkhardt. Das sorgt für Ärger.

Seit 1972 wohnt der frühere Fleischer von der Elverdisser Straße im Eigenheim am Stephansweg oberhalb der Aa. Vor seiner Haustür liegt eine Grüninsel, eine städtische Fläche. »Die war anfangs richtig schön, verwilderte dann aber regelrecht zu einem Urwald.« Vor mehr als 30 Jahren seien dort drei Eichen gepflanzt worden, deren Äste mittlerweile bis an das Dach des Hauses reichen. »Da kümmert sich keiner drum«, sagt Burkhardt.

Zwischen die Eichen seien Hainbuchen gesetzt worden. Die hat der 82-Jährige regelmäßig beschnitten – auf etwa einen Meter Höhe. »Sonst habe ich hier kein Licht mehr.«

Hainbuchen beschnitten

Vor wenigen Wochen sei deswegen allerdings ein städtischer Mitarbeiter bei ihm vorstellig geworden. »Er hat gefragt, ob ich die Hainbuchen beschnitten habe, was ich ihm bestätigte«, erzählt Burkhardt. Dann sei er allerdings in deutlichem Ton zurechtgestutzt worden, dass er das gar nicht dürfe. »Sie schneiden auf ihrem Gelände, wir auf dem städtischen, hat der Mitarbeiter gesagt.« Und habe dann hinzugefügt: »Schließlich sollen die Bäume groß werden.« So groß, wie die Hainbuchen auf der anderen Seite des Pfades zum Leutesdorf-Ufer hinunter. »Aber dann wäre hier vor der Haustür ja alles zugewachsen«, sagt Burkhardt und schüttelt den Kopf.

Er greife ja nicht zum Spaß oder aus Langeweile zur Schere. »Ich habe eigentlich genug in meinem eigenen Garten zu tun«, sagt der Rentner. Gerade jetzt im Herbst habe er aber mit den Eicheln und dem Laub vor der Haustür eine Menge zu tun. Er kümmere sich sogar um den gepflasterten Pfad zur Aa hin. »Hier wird auch nicht mehr gefegt, das mache ich selber.« Denn nasses Laub auf dem abschüssigen Weg berge für Fußgänger und Radfahrer Risiken. In der Nachbarschaft ist Burkhardts Grünschnitt-Problem ein Thema. »Das ist schon komisch. Bei anderen Flächen ist die Stadt dankbar, wenn sich Anwohner darum kümmern«, sagt eine Nachbarin.

»Lichtmangel kein Grund für Rückschnitt«

Die Stadt betont, dass Rückschnitte auf städtischen Flächen nur mit Zustimmung zulässig seien. »Bäume aus Sorge vor zu wenig Licht zu kappen, ist kein Grund«, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Sie suche in solchen Fällen immer das Gespräch mit den Bürgern, wie auch in diesem Fall, und komme ihnen entgegen, wo es eben gehe.

Das Buschwerk vor Burkhardts Garageneinfahrt sei bislang nicht von der Stadt beschnitten worden, weil es regelmäßig von den Anliegern gekappt werde. »Wo es keinen Überhang gibt, braucht auch nicht geschnitten zu werden.« Dieses Handanlegen toleriere die Stadt. Und kündigt an: Auf Bitte des Anliegers werde das seitliche Buschwerk im Zuge des Winterrückschnitts in den nächsten Wochen durch die Stadt etwas tiefer zurückgeschnitten.

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